STEMS – Das Open Multitrack Audio Format von Native Instruments könnte DJing von Grund auf umkrempeln.

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Aber langsam und schön der Reihe nach. Worum geht es eigentlich? Musik liegt in der Regel fertig auf zwei Stereospuren gemischt vor. Die Lautstärkeverhältnisse zwischen den verschiedenen Instrumenten sind festgelegt und können nicht oder nur in engen Grenzen verändert werden.
Klar, man kann mit EQs bestimmte Frequenzbereiche im Pegel verändern oder sie mit Filtern ganz wegschneiden. Dabei ist es in der Regel aber unmöglich, einzelne Instrumente hundertpozentig zu isolieren, selbst wenn sie eigentlich in ganz unterschiedlichen Frequenzbereichen ihren Schwerpunkt haben. Regelt man zum Beispiel den Bassbereich eines Tracks herunter, wird das nicht nur die Kick Drum leiser machen, sondern einer ebenfalls vorhandene Männerstimme Volumen nehmen. Am anderen Ende des Spektrums wird es nicht möglich sein, die Hi Hats zu entfernen, ohne den anderen Instrumenten ein Stück ihrer Brillanz zu nehmen. Im mittleren Frequenzbereich -wo sich fast alle Instrumente und vor allem Stimmen tummeln- ist es gar nicht möglich, einzelne Teile zu von den anderen zu isolieren.

STEMS ist abwärtskompatibel

Native Instruments hat auf der WMC in Miami ein neues Audioformat namens STEMS vorgestellt, das dies nachhaltig ändern könnte, wenn es sich am Markt durchsetzt. STEMS ist ein offenes 4-Spur-Format, das DJs ermöglicht, zum Beispiel Drums, Bass, Vocals und Melodie gemeinsam und getrennt voneinander zu manipulieren. Der Clou: Nicht stemfähige Geräte werden die Files dennoch abspielen können, als seien sie ganz normale Stereo-Dateien, solange sie das Containerformat MP4 verstehen. Traktor wird das natürlich können, Quicktime (und damit iTunes) beherrschen das Format jetzt schon. VLC sowieso.

L to R: David Morgan (Juno), Luciano, Brian Tappert (Traxsource), DJ Craze, Jason Bentley KCRW), Mate Galic (Native Instruments),
L to R: David Morgan (Juno), Luciano, Brian Tappert (Traxsource), DJ Craze, Jason Bentley KCRW), Mate Galic (Native Instruments),

Dubben direkt in Traktor möglich

Ich muss zugeben, ich bin kurz vorm Hyperventilieren, wenn ich das lese, denn die Möglichkeiten, die das für DJs bietet, sind ein Traum.
Zunächst einmal bedeutet es, Tracks, die als STEMS vorliegen, selbst abmischen zu können, wie man möchte. Der Bass ist zu leise? Kein Problem! “Abmischen” bedeutet natürlich auch, kompletten Track, Instrumental oder Acapella eines Tracks in einem einzigen File zu haben. Ebenso wird man Effekte nur bestimmten Spuren zuweisen können. Kurz gesagt: Man wird jeden Tune, der als STEM vorliegt, direkt in Traktor dubben können. Das ist awesome!

Übergänge können kreativer gestaltet werden

Übergänge können mit STEMS wesentlich kreativer, als bisher gestaltet werden. Anstatt mit den EQs einzelne Frequenzbereiche zu überblenden, geht das nun direkt über die einzelnen Instrumentengruppen, die im Laufe des Mixes Stück für Stück wechseln.

Offen und standardkonform

Der Erfolg eines solchen Formats steht und fällt natürlich mit der Verfügbarkeit von Material. NI hält STEMS offen. MP4 ist ein Standardformat. Jeder Produzent wird die Möglichkeit haben, mit Hilfe einer kostenlosen Software namens Stem Creator Tool STEMS zu erzeugen. Natürlich wird STEMS auch eine Möglichkeit sein, Musik hochpreisiger zu verkaufen, als die herkömmlichen Formate. Entsprechend begeistert klingen sowohl Shops wie Juno oder Beatport, als auch Labels wie 50 Weapons oder Get Physical.
Hier liegt meiner Meinung nach auch ein wenig der limitierende Faktor für das neue Format: Ich persönlich sähe den größten Nutzen von STEMS (bzw. den größten Spaß damit) in der Nutzung für Mashups. Leider werden die meisten alten Hits, die immer wieder durch den großen Recycling-Wolf namens Tanzmusik gedreht werden, nie als STEMS vorliegen. Andererseits fliegen z.B.: einige Multitracks des Motown-Backkatalogs durchs Netz und werde sicher bald von irgendjemandem ins STEM-Format gebracht. Es wird spannend.

Sind die aktuellen NI-Controller schon reif für STEMS?

Die Ankündigung des neuen Formats erklärt auch, warum die letzten beiden von NI vorgestellten Controller, Kontrol S8 und D2 konsequent auf Remix-Deck-taugliche Deck-Sections mit 4 Fadern setzten. Ich tippe darauf, dass STEMS sich in Traktor ähnlich verhalten werden, wie Remix-Sets.
Dieses Bild aus der Präsentation bei der WMC spricht dafür, denn Eric Goldstein benutzt darauf 2 D2s.

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Was ist der Unterschied zwischen STEMS und Remix Sets?

Was ist eigentlich der Unterschied zum bisherigen Approach von Native Instruments mit Remix-Decks und Sets?
Remix Sets beinhalten wie STEMS 4 einzelne Spuren. Diese Spuren sind aber weiter aufgeteilt in einzelne Clips, die entweder Loops oder One-Shot-Samples sein können. Das heißt, man hat damit alle Möglichkeiten, die ich oben für STEMS beschrieben habe, aber die Spuren sind zeitlich unabhängig voneinander und müssen erst wieder zu einem ganzen Track zusammengesetzt werden. Mit STEMS bleibt das Arrangement des Tracks komplett erhalten, aber man kann in die einzelnen Spuren eingreifen.
Ich hatte immer Probleme mit den Remix-Decks, weil ich kein Produzent bin und deswegen mit den Einzelteilen einer Produktion nicht gut zurechtkomme. Es überfordert mich schlichtweg, komplette Arrangements im Kopf zu behalten und live zu spielen. 4 Spuren mitzudenken hingegen, scheint mir total logisch und auch beherrschbar (Vor allem, weil man sie ja im Gegensatz zu als Remix Sets vorhandenen Tracks auch ganz traditionell spielen kann.) Ich freue mich jedenfalls unendlich darauf, STEMS endlich auszuprobieren.

Fazit

Traktor erweitert damit noch einmal das Spektrum dessen, welche Formen von Performance damit möglich sind und positioniert sich als Zentrale für alle möglichen Arten von Auftritt: Live Arrangieren und Remixen mit den Remix-Sets. Live Dubbing und Mehrspur-DJing mit den STEMS. Klassisches DJing geht natürlich nach wie vor. Ob STEMS ein Erfolg wird, oder wie die Remix Decks (zumindest in meiner Filterblase) ein Nischendasein fristen werden, muss sich erst noch herausstellen. Die Abwärtskompatibiltät, das Standardformat und die kostenlose Software zum Erzeugen der Files sind auf jeden Fall sehr gute Moves von NI, die bei der Verbreitung hilfreich sein werden. Ob viele DJs die erweiterten Möglichkeiten überhaupt wollen, wird sich zeigen.

STEMS soll schon ab Juni starten. Ich bin schwer gespannt. Wir werden euch selbstverständlich auf dem Laufenden halten-



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10 KOMMENTARE

  1. (Ist das ein Werbetext? Dann bitte so ausweisen.) Wo kommen denn die Daten her? Müsste ich meine Tracks nicht nur in Wav/mp3/usw zur Verfügung stellen, sondern auch die einzelnen Channels/Subgruppen (extra “gemastert”, damit sie solo fett klingen) meines Mixers? 99 Cent pro Track, 1,99 € pro Track in STEM? Gibt einen Standard für die vier (oder mehr?) – Vocal, Drums, Bass, Lead? Vereinfachung des Sampling? Kopierschutz? Wegfall der Loop/Sample Anbieter?

    • @robotron: Falls du mit “Werbung” meinst, dass wir für den Text bezahlt wurden, dann liegst du falsch. (Das kannst du daran erkennen, dass er nicht als Werbung gekennzeichnet ist.
      Wenn es für dich Werbung ist, weil der Text sehr positiv klingt, dann ist er wohl Werbung. Zufälligerweise scheint dieses Format genau das zu sein, worauf ich seit 20 Jahren warte.

      Die Tunes müssen natürlich von den Produzenten als 5 Spuren, nämlich Stereomaster und die 4 Stems angeliefert werden. Von einem Standard war bisher nicht die Rede, muss es auch nicht.

      Einen Kopierschutz wird es nicht geben. Kann es sein, dass du den Text gar nicht gelesen hast?

      Was das Ganze mit dem Loop/Sample-Anbietern zu tun haben soll, erschließt sich mir auch nicht so ganz…

  2. Sieht aus wie nen April Scherz, STEMS sind lediglich einzelspuren die man aus einer DAW exportiert…

    Frohe Ostern uns viel Spass beim Eier suchen …lassen

  3. […] Das neue Multitrack-Audioformat für DJs namens STEMS nimmt derzeit einen breiten Raum in unserer DJism-Rubrik ein. Der Grund ist ganz einfach: Ich glaube, dass das Format für die Entwicklung des DJing ein mindestens so großer Meilenstein wird, wie es CD-Brenner oder Master Tempo waren. Warum ich der Meinung bin, dass Stems ein feuchter DJ-Traum sind, könnt ihr in diesem Artikel nachlesen. Falls ihr noch nicht wisst, wovon hier überhaupt die Rede ist, hier mein einführender Artikel zum Thema. […]

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