Ich hätte den Motorradfahrer umgebracht, wenn ich gekonnt hätte

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Ich hörte den Motorradfahrer schon, als er ungefähr 300m hinter mir an der Ampel durchstartete. Ich schätze seine Geschwindigkeit, als er an mir vorbeischoss, auf ca. 150 km/h. Vielleicht spielt mir hier meine Wahrnehmung einen Streich, langsamer als 100 km/h und damit mindestens doppelt so schnell wie erlaubt, war er sicher nicht. Jedenfalls war er so rasant unterwegs, dass ich sein Nummernschild nicht erkennen konnte, obwohl ich es ernsthaft versucht habe.

Wenige Stunden zuvor hatte meine achtjährige Tochter zum ersten Mal an der gleichen Stelle die Hauptstraße überquert, ohne dass ich oder ein anderer Erwachsener dabei war. Sie hätte keine Chance gehabt, die Geschwindigkeit des Motorradfahrers einzuschätzen. Er hätte keine Chance gehabt, rechtzeitig zu bremsen.

Hätte ich in diesem Moment die Möglichkeit gehabt, ihn von der Straße zu holen, ich hätte sie genutzt. Hätte etwas in der Hand gehabt, das ich vor ihm auf die Straße hätte werfen können, ich hätte es reflexartig getan. Ja, für den Bruchteil einer Sekunde hätte ich in Kauf genommen, ihn dabei zu töten. Noch Minuten später lief vor meinem inneren Auge der Film ab, wie ich ihn an der nächsten Ampel von seiner Maschine prügele.
Jetzt, viele Stunden später, ist die Wut immer noch da. Und die Scham. Beides werde ich noch eine ganze Weile mit mir rumtragen. Der Motorradfahrer hingegen erinnert sich wahrscheinlich nicht einmal mehr an den kurzen Kick, den ihm das Hochbeschleunigen verschafft hat…

(Bild: „Am Treptower Park“, Walter Marinelli, CC-BY-SA 4.0)

8 KOMMENTARE

  1. alohastone hat Recht. Bei allem Verständnis für deine Wut: wegen so einem Deppen an Mord zu denken ist ziemlich unreif. Damit tust du deinem Töchterchen nämlich auch keinen Gefallen. Mit von-der-Maschine-prügeln auch nicht, aber das lassen wir mal dahin gestellt…

  2. DaMäx und alohastone solltest Du samt ihrer debilen Schwachsinnskommentare ignorieren. Mordgedanken sind in solchen Fällen natürlich keineswegs „unreif“, sondern völlig legitim. Mord ist nicht gleich Mord und der Zweck heiligt ALLE Mittel.

  3. Was für ein Trottel (der Autor)!
    Ich spreche nicht für den Motorradfahrer in diesem Fall, aber so eine Selbstjustiz für einen nicht eingetretenen Fall, welcher sich nur in den Gedanken des Vaters abspielte, kann ich nicht tolerieren.

  4. @Beobachter: Sorry, aber die Kommentare von alohastone und daMäx sind in meinen Augen weder grenzdebil noch schwachsinnig. Ich finde es ziemlich legitim, meinen Artikel sehr kritisch zu kommentieren, schließe schäme ich mich selbst genug dafür, wie schnell ich in dieser Situation meine eigenen Überzeugungen über Haufen warf, und bereit gewesen wäre, in Kauf zu nehmen, den Motorradfahrer zu verletzen (oder Schlimmeres).
    Der Zweck darf nie die Mittel heiligen!

    @alohastone: Dann ist der ganze Artikel überflüssig. 🙂
    Ich möchte nochmal klarstellen, dass ich nicht an Mord dachte, ich habe gar nicht gedacht, sondern gespürt, dass ich in meiner Wut bereit gewesen wäre, den Raser irgendwie von seinem Motorrad zu holen, was er evtl nicht überlebt hätte. Ich habe es aber nicht getan, sondern lieber diesen Artikel geschrieben. Siehst du den Unterschied?
    Ich bin vor mir selber und meiner blanken Wut erschrocken. (Und glaub mir, dieses Erschrecken und die Scham dauert jetzt noch an.)

    @chris: Bei allem Verständnis für pointierte Kommentare auf kontroverse Text: Die Selbstjustiz hat genauso nur in meinem kopf stattgefunden, wie ein evtl. Überfahren meiner Tochter. Da gibt es nichts zu tolerieren.

    • In dem Fall bist Du nur zu bemitleiden! Menschen mit so einer bescheuerten, von pseudomoralischem Bürgertum beeinflussten Einstellung, sind noch schlimmer als jeder Gewaltverbrecher.

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