Dicht & Ergreifend – Dampf der Giganten (Album-Rezension)

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Wusstet ihr, dass Freestyle-Rap eine alte bairische Tradition ist? Kein Scheiss. Improvisierte Strophen zu allen möglichen Themen, von lustig bis ernst von derb bis zart werden in Bayern “Gstanzl” genannt und erfreuen sich (wieder) großer Beliebtheit. Deswegen ist “Ghetto Gstanzl” auch eine gute Beschreibung für die Musik von dicht & ergreifend.

Seit ihrem “Zipfeschwinger” vergeht bei mir kaum ein Tag, an dem ich nicht mindestens einen Track aus “Dampf der Giganten”, dem Debutalbum des bayerischen Rapdduos höre. Mit anderen Worten: Das Album ist bei mir auf Heavy Rotation und zwar schon eine ganze Weile.
Dafür gibt es einige gute Gründe, von denen der wichtigste ist, dass die Mischung einfach stimmt. Kein Wunder bei den Zutaten:
Die Produktion knackt ordentlich und klingt sehr modern, ohne zu sehr -wie zum Beispiel die Orsons- einen auf Zeitgeist-Rap zu machen. Als Beispiel: “Wandadog” (Wandertag). Ich wäre durchaus bereit diesen Beat zu heiraten.

Beim “Wandadog” kann man es schon deutlich hören, die Instrumentierung wird von Elektronik und Blasinstrumenten dominiert. So geil ich die bekanntesten Vertreter, der “New Wave of Bavarian Blasmusi”, Moop Mama und LaBrassBanda finde, dicht & ergreifend kombinieren die rohe Kraft des Sousaphons mit Beats aus dem Drumcomputer und das knackt noch einmal ein gutes Stück mehr. Könnte ich mir ewig anhören.

Apropos Moop Mama: Wo die Hip-Hop-Big-Band rund um Rapper Keno hörbar aus der Weltstadt mit Herz kommt und eher auf urbane Themen wie Gentrifizierung setzt, sind die Roots von dicht & ergreifend eindeutig in ländlichen Gebieten zu verorten. Entsprechend die Themenlage: (Alltags)Rassismus und Alkohol und ganz allgemein gesprochen, die Provinzialität der provinzbewohner. Ausserdem ist noch viel vom Saufen die Rede. (Wenn es nicht gerade um Bier geht.)

Anspieltip: “Immer no” (“immer noch”)

Und weil es im Rest der Welt nicht viel besser aussieht, gibt es mit “Weyundagang” (“Weltuntergang”) auch noch einen Rundumschlag zur weltpolitischen Lage.

Nach all der Schlechtigkeit darf bei den Jungs aber die Party nicht zu kurz kommen. Dafür sind vor allem zwei Tunes verantwortlich. Zum einen natürlich der Zipfeschwinger, mit d&e auf der Bildfläche autauchten. Zum anderen haben sie mit “Forever Youngg’seY” einen todsicheren Bringer auf der Setlist. Es handelt sich dabei um eine bairische Version von Manu Chaos “Me gustas tu”, die sich ganz hervorragend auf jeder Party machen wird, die sich irgendwas mit “World” oder “Global” auf die Fahnen schreibt.

Bonuspunkte gibt es von mir, weil nach alter Tradition auch einen Track für den DJ der Truppe gibt.
Apropos DJ: Wer sowohl Samples von Haftbefehl als auch vom ewigen Stenz zum Scratchen benutzt, kann gar kein schlechter Mensch sein.

Ich könnte hier jetzt ewig so weiterschreiben, aber das bringt doch nix. Kauft euch einfach das Album und gut, okay? Ihr werdet es nicht bereuen!
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