Unerfreuliche Post für Siggi Pop

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Mit offenen Briefen ist es so eine Sache. Viel zu oft werden damit PR-Rituale abgefeiert oder es ist eine Art Last Resort, wenn sich Personen des öffentlichen Lebens gar nicht mehr zu helfen wissen. Und mit Hilflosigkeit hat auch der Brandbrief der Jusos Bayern zu tun, der uns über den Weg gelaufen ist.

Gestählt durch politische Saalschlachten mit der CSU kann man davon ausgehen, dass die Jusos aus Bayern politischen Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg gehen. Die Freistaat-Jusos sind ja quasi dreifache Exoten: Sozis in Bayern, junge Leute in der ältesten deutschen Partei und Tsipras-Fans in der SPD. Dass sie sich jetzt gegen den eigenen Parteichef Sigmar Gabriel stellen, überrascht dann aber doch ein wenig und ist ein Musterbeispiel für Kommunikationsstrategien in innerparteilichen Scharmützeln beziehungsweise politische Debattenkultur mit massivem Machtgefälle.

Was ist passiert?
Der ehemalige Beauftragte für Popkultur und Popdiskurs der SPD und heutige Parteivorsitzende und Wirtschaftsminister Gabriel hat in der Bild mit ziemlich billiger Polemik, hart an der Grenze zur Deutschtümelei(oder drüber), die griechische Regierung und ihre Finanzpolitik attackiert.

Kleine Kostprobe?

„Es reicht!“

„Die Spieltheoretiker der griechischen Regierung sind gerade dabei, die Zukunft ihres Landes zu verzocken.“

„Und wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen.“

Irgendjemandem in Bayern ist angesichts dieser Sprüche vom Klo anscheinend die Hutschnur geplatzt(Wir müssen euch nicht wirklich erzählen, was alles an diesen Aussagen bescheuert, dumm, verkürzt und gefährlich ist, oder!?). Die Linken in der SPD müssen sich ja eh schon seit einiger Zeit(so circa 150 Jahren) die Politik der SPD-Spitze in schizophrenen Manövern schönsaufen und zwischen Sozialismus und Genossen-der-Bosse-Dasein oszillieren. In letzter Zeit: Siehe Flüchtlingspolitik, siehe Ranwanzversuche an Pegida im Winter oder siehe Vorratsdatenspeicherung.

Dass Sigmar Gabriel sich dann auch noch mit einer geradezu machiavellistischen Volte(oder für die Netflix-Generation: mit einem Francis Underwood-Move) aktiv an der griechenfeindlichen „Berichterstattung“ des Springer-Verlages beteiligt ist dann der berühmte Tropfen zu viel und deswegen: Ein etwas machtlos wirkender, aber dafür umso krasserer Brandbrief der bayerischen Genossen.

Was da so drinsteht ist dann eher aus der Abteilung Frontalangriff als aus der Abteilung freundlicher innerparteilicher Hinweis. Oder anders ausgedrückt: It´s on!

„Lieber Sigmar, in der Tat: Es reicht! Es reicht ganz Europa der deutsche Chauvinismus und die süffisante Überheblichkeit, mit der du und andere VertreterInnen der deutschen Regierung gegenüber Griechenland und anderen krisengebeutelten Staaten auftreten“

„Und es reicht uns Jusos dein blanker Populismus, mit dem du dich vor den Karren der Griechenlandhetze aus dem Haus Springer spannen lässt. Wir erwarten mehr von einem Vorsitzenden der SPD, als unreflektiert Stammtischparolen zu wiederholen und im trübbraunen Wasser zu fischen.“

„Die Sozialdemokratie ist eine internationalistische Bewegung, die Solidarität mit Menschen großschreibt. Das heißt für uns, dem Populismus, der Panikmache und dem nationalen Chauvinismus den Kampf anzusagen. Es wäre schön, wenn auch du dich diesen Werten verpflichtet fühltest und in Zukunft auf derart plumpe Debattenbeiträge verzichten könntest. Uns jedenfalls reicht es schon lange – und zwar mit solchen Aussagen von dir!“

Well played, Jusos Bayern!
Und viel Spaß noch mit Dampfwalzen-Siggi!

Foto: Sigmar Gabriel von blu-news.org (CC BY-SA 2.0)

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