Und Barack Obama singt Amazing Grace

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Die Antilopen Gang singt „Ibiza“ in Freital. Und Barack Obama singt „Amazing Grace“ in Charleston.

Was haben diese Dinge gemeinsam? Sie geschahen am gestrigen Freitag. Und sie geschahen, weil Menschen hassen. Weil ihr Geist und ihr Herz klein und niederträchtig ist, weil sie voll Neid und Missgunst und Fanatismus sind.

Ich habe im Kontext zu dem Anschlag in Charleston die Worte eines gewissen Charles M. Blow im Kopf: „Racism is to social progress what cockroaches are to nuclear fallout — extraordinarily resilient.“ Man könnte diesen Spruch ohne weiteres ausdehnen auf: „Hass ist im Bezug auf gesellschaftlichen Fortschritt das, was Kakerlaken im Bezug auf radioaktiven Niederschlag sind – außerordentlich widerstandsfähig.“

Ist das als Erklärung für die wirren Geschehnisse auf der Welt zu simpel? Krieg hier, Krieg dort, Anschläge da, Flüchtlinge überall. Ich glaube nicht. Egal, wer, was, wann wo getan hat, um all das anzustoßen. Egal, wer wann wo welche Menschen vertrieben, verschleppt, versklavt, ausgebeutet hat. Ob es eine Regierung war, ein Volk, ein Wirtschaftssystem, ein Konzern oder ein Illuminat. Der Katalysator für die Reaktion, Mord und Totschlag, ist immer Hass.

Und auf Hass folgt Hass. Wer kann diese hinterhältige Kakerlake, die in Charleston neun wehrlose Menschen abknallte, nicht hassen? Sollte man ihn nicht genauso hinterhältig töten..? Nein. Sagt die Charlestoner Kirchengemeinde. „A hateful, disillusioned young man came into the church filled with hate … and the reaction was love.“ Und Barack Obama singt Amazing Grace. Auf Hass folgt Liebe. Gänsehaut.

Was hat das nun alles mit der Antilopen Gang und Freital zu tun? Bevor jetzt jemand schreit: „Der Vergleich ist aber ziemlich weit hergeholt!“, „Frigida knallt doch keine Flüchtlinge ab!“, „Wie kann man denn friedliche Demonstranten mit einem Attentäter vergleichen?!“, „Und wie die Antilopen Gang mit Barack Obama?!!!!11elf“

Stopp! Pscht! Zuhören!

Eine kleine Analogie erschließt sich mir da schon. Hass gegen Fremde wird salonfähig. Rassismus ist ein Happening. Gegen Menschen hetzen ist Meinungsfreiheit. Gegen die Schwachen treten ist Sorge. Wer kann schon jemandem von der Stirn ablesen, ob er nur aus wirtschaftlichen Gründen flieht, um unsere Sozialsysteme auszubeuten, aka in ein Partyboot steigt, um im Park mit Drogen zu dealen. Oder ob ihm gerade der Bruder weggesprengt wurde, das Kind in Trümmern begraben liegt, die Großmutter verhungert ist. Steckste nicht drin. Also einfach auf alle draufkloppen. Und in ein paar Jahren haben wir Zustände wie in den USA.

Moment mal, gab’s da nicht schon was, mit NSU oder so?

Noch etwas: Überlegt mal, was in den Kindern wächst, die aus ihrem hasserfüllten Land in ein Land fliehen, in dem keine Bomben explodieren, es den Menschen gut geht, aber ein wütender Mob vor dem Haus steht, und dich offensichtlich nicht haben will. Genau. In den Menschen wächst Hass. Und wenig Lust auf Integration. Egal auf welcher Seite am Ende Gewalt ensteht, keimen tut sie aus Hass.

Hasst nicht die Täter. Liebt die Opfer. Deswegen finde ich gut, was Barack Obama, die Antilopen Gang und die vielen solidarischen Menschen da tun. Man muss schon die kleinen Hass-Keimlinge in Liebe ersticken, bevor sie zu etwas großem werden. Amazing Grace. Ibiza. Gänsehaut.

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