Entourage: Guilty Pleasure oder Schande für das Menschengeschlecht?

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Am 09. Juli startet der Entourage Film in deutschen Kinos. Darf man(n) sich freuen? Muss man(n) sich schämen?

Jeder halbwegs behirnte Mann (und ich bin mir relativ sicher, dass die Zuschauerschaft der Ursprungsserie “Entourage” fast ausschließlich aus Männern besteht) weiß, dass Entourage nicht als die Buddenbrooks unserer Generation in die Geschichtsbücher eingehen wird. OK. Streicht das. Ich sehe mich als halbwegs behirnter Mann und weiß ganz genau, wie flach und dämlich die Serie ist.

Als Blinker auf der politischen Linksabbiegerspur weiß auch auch um die krasse Diskrepanz zwischen dem in Entourage gehypeten Lifestyle und einer nachhaltigen und im gesamtgesellschaftlichen Kontext vernünftigen Lebensführung.

Die Konsumglorifizierung, die in der Serie in keinster Weise kritisch hinterfragt wird, geht null klar. Auch sämtliche anderen Werte, die die superflachen Figuren repräsentieren, sind überwiegend irrelevant oder verabscheuenswert. Und dennoch: Ich hab’ mir die gesamte Serie reingezogen. Und ich werde mir wohl auch den Film ansehen. Allerdings stelle ich mir den Gang ins Kino ähnlich peinlich vor, wie das Betreten eines heruntergekommen Sex Shops: Mir graut es vor dem, was ich sehen werde und vor denen, die sich das mit mir ansehen…also den schäbigen Sex Shop oder den Entourage Film.

Während ICH meine Faszination für die in Entourage gezeigte Welt FÜR MICH genauso ironisch spiegle, wie ich das mit meiner allegorischen Neugier für den schmierigen Sex Store machen würde, bin ich mir bei den anderen Zuschauern da weniger sicher…

Und in dem Zusammenhang komme ich nicht umhin, die 73%ige Zustimmung, die der Film auf Rotten Tomatoes von den Zuschauern zugesprochen bekommt (bei einer mittleren Bewertung von nur 31% von den Kritikern, wohlgemerkt), als bedenklich einzustufen. 73% sind ja quasi eine absolute Mehrheit.

Findet diese absolute Mehrheit der Kinogänger das in Entourage propagierte peinlich anachronistische Frauenbild etwa OK? Erigieren die alle etwa echt beim Anblick uninspirierter Montagen von glänzenden Yachten, röhrenden Sportwagen und in Zeitlupe tanzenden Solarium-Dauerkartebesitzerinnen? Streben die alle nur voll-Egotrip-mäßig nach Karriere, Geld und Popularität?

Ich bin mir furchtbar unsicher. Ich habe die Daseinsberechtigung von Entourage immer damit begründet, dass Männer halt auch ihr “Sex and the City” brauchen. Bier, Bros und Busen. Fertig. Guilty Pleasure halt. Aber stellt die Serie für manche Zuschauer nicht vielleicht wirklich eine Schablone für einen erstrebenswerten, neokapitalistischen Lebenswandel dar?

Mark Kermode hält in seiner Review des Films mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Er hasst den Film. Einmal benutzt er sogar die Wortneuschöpfung “soulsucking”. Und die Vokabel geht ja wohl wirklich ein Stück über eine rein ästhetische Wertung des Films hinaus. Der Film saugt den Zuschauern die Seele raus. Seht euch gerne die achtminütige Tortur an, die Kermode durchlebt, als er seinen Kinobesuch für die Zuhörer/-schauer seiner Review noch einmal aus dem Verdrängungsdepartment seines Gehirns rauskramt. Ein paar Highlight-Zitate folgen unter dem Video.

“It’s a male fantasy” (vgl. Sekunde 30 im Review). Isso.

“The most loathsome, consumerist, male dream” (kurz danach). Issauchso.

“It’s everybody’s fantasy to live the Hollywood dream” (vgl. Sekunde 1:30 im Review). Diese These, wohl geäußert von Jeremy Piven, dem Darsteller der Figur “Ari Gold“, weist er ab. Und da hab’ ich eben so meine Bedenken. Ich fürrrrrrchte, dass in den Tiefen seines Unterbewusstseins jeder Mensch faszinationsfähig für die Entourage- und die Sex-and-the-City-Welt ist…und das, obwohl beide Welten ganz eindeutig

Pornographic, consumerist hatefilled piece(s) of propaganda (vgl. Sekunde 4:45 im Review)

sind. Frei nach dem Twitterklassiker:

So. Und von denjenigen, die sich das Ergebnis meines Selbsttherapieversuchs bis hier hin reingezogen haben, will ich jetzt Rückmeldung in Kommentarform. Das seid ihr mir schuldig!

Sind Menschen grundsätzlich moralisch korrumpierbar und können dementsprechend von Kino-Schund (zu dem der Entourage Film zweifelsfrei zu rechnen sein wird) auf die schiefe Bahn gelenkt werden?

Oder ist Entorage-esquer Filmgenuss wirklich nur Guilty Pleasure Unterhaltung, die nur die aller dämlichsten Vertreter unserer Spezies als Vorlagen für ihre Karrieren und ihre Lebensführung nutzen?

Schande oder Guilty Pleasure?



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2 KOMMENTARE

  1. Ich hatte gerade überlegt, ob ich mir das Radiointerview bis zum Schluss geben soll, da dachte ich mir “Nö. Zeitverschwendung.” Genauso wie das Interview selbst.
    Leute, es ist fucking entertainment. Nicht mehr und nicht weniger. Sich darüber aufzuregen, was da für ein Lebensstil gezeigt wird ist absolute Energieverschwendung in meinen Augen.
    Is’n Film. Fiktion. In etwa so realistisch wie King Kong. Und welcher vernünftige echte Mann gibt bitteschön freiwillig zu, dass er tatsächlich so pathetic ist und so einem Lebensstil hinterherträumt?
    Na, also.
    Bock auf ‘n bisschen Urban Science Fiction? Dann diesen Film – oder ein beliebiges HipHop-Video.

  2. Guilty Pleasure!
    Nur weil ich Hafti oder SSIO höre, komm ich auch nicht auf die Idee Zeug zu verticken und Daimler mit dicken Schlappen zu fahren… Wer das dennoch tut, dem ist auch ohne Film nicht mehr zu helfen.

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