Interview: Hudson Mohawke – Die Kunst to Fuck with People

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Ross Birchard aka Hudson Mohawke steckt das Sónar Festival noch ordentlich in den Knochen, als wir (Hudson, Kollege Daniel Köhler und ich) uns in seinem Hotel die Hände schütteln. Kein Wunder. Das neue Album „Lantern“ ist zwei Wochen draußen und schon eine Minute nach Release hieß es: Hit the road, HudMo! In wenigen Stunden wird der 29-jährige Starproduzent (ja, das kann man so sagen) die RBMA Stage im Berliner Mauerpark bespielen. Bis dahin heißt es: Wach werden, klarkommen und noch schnell mit den beiden hibbeligen Blogrebellen-Fanboys sprechen. Als Frische-Katalysator dienen ein Hektoliter Cola und eine Tüte Gummibärchen. Was Wunderkinder eben so zu sich nehmen. Good day to you, sir.

Helloooo.

Über die letzten Jahre hat sich neben einer Handvoll anderer Städte auch Berlin zu einer beliebten Homebase für Musiker entwickelt. Hast du auch mal mit dem Gedanken gespielt, hierher zu kommen?

Mir gefällt es hier auf jeden Fall, auch weil ich viele Freunde in Berlin habe. Jimmy Edgar, Machinedrum, Clark und ein Haufen anderer Musiker, mit denen ich schon gearbeitet habe, leben in Berlin. Ich glaube, die Leute kommen gern nach Berlin, weil die Stadt immer noch ein bisschen abgefuckt ist. Mit meiner Heimatstadt Glasgow war es das gleiche die letzten Jahre. Viele Leute sind wegen der Musikszene nach Glasgow gezogen, die sich vorher niemals in diese Stadt verirrt hätten.

Dein zweites Soloalbum „Lantern“ ist vor einer Weile erschienen. Hatten dich die Leute überhaupt noch als Solokünstler auf dem Zettel? Viele werden dich wahrscheinlich erst über das TNGHT-Projekt mit Lunice kennengelernt haben.

Hudson Mohawke back 2 back mit Mark Ronson
Hudson Mohawke back 2 back mit Mark Ronson
Foto: Rassoli Photography

Lunice und ich haben TNGHT jetzt auch nicht beerdigt, das wird schon noch weitergehen. Es ist nur so, dass wir vor TNGHT schon Solokarrieren am Laufen hatten, an denen wir jahrelang gearbeitet haben. Das kannst du nicht einfach aufgeben, nur weil ein neues Projekt innerhalb von zwei Jahren so durch die Decke geht. Es ist sehr wichtig, an seinem eigenen Sound weiterzuarbeiten und neue Wege zu beschreiten. Hätten wir mit TNGHT einfach weitergemacht, wären wir auf diesen Clubbanger-Sound festgenagelt gewesen. Anfangs war der ja auch sehr frisch und nicht so leicht einzuordnen. Thom Yorke hat unsere Sachen gespielt, Richie Hawtin, aber eben auch Leute wie Calvin Harris. Inzwischen ist aber Vieles daran auch zum Klischee mutiert.

Wohin sollte die Reise mit „Lantern“ gehen?

Zwischen meinem Debüt „Butter“ und „Lantern“ liegen sechs Jahre. Sechs Jahre, in denen ich mit sehr vielen anderen Musikern gearbeitet habe, ob nun als Produzent oder Kollaborateur. All die Eindrücke, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe, kommen jetzt auf dieser Platte zusammen. Hört man ja auch. „Butter“ war damals ein richtiges Ego-Album, so ein Kopfhörer-Ding und sehr technisch vom Ansatz her. „Lantern“ dagegen klingt besonnener und reifer.

„Lantern“ wird viele Leute überraschen, eventuell aber auch enttäuschen, weil du eben nicht einen Clubtrack an den nächsten tackerst. Machst du dir überhaupt Gedanken, was deine Fans erwarten könnten?

Hudson Mohawke "Lantern"
Hudson Mohawke “Lantern”

Mir ist natürlich klar, dass es bestimmte Erwartungen gibt. Ich möchte aber auch, dass die Leute mitkriegen, dass es vor dem TNGHT-Ding schon eine ganze Reihe Platten mehr von mir gab. Das Feedback für „Lantern“ war bis jetzt aber sehr gut. Die Leute lassen sich auf die neuen Songs ein, auch auf die Tracks, die rein gar nichts mit Clubmusik zu tun haben. Das ist sehr erfrischend.

Kollege Köhler will wissen: Es gibt zwei Stücke auf dem Album, die für mich aus einem bestimmten Grund herausstechen. Da wäre einmal das Anfangs-Sample bei „Ryderz“, das du einfach mal für eine knappe Minute stehen lässt. Das zweite Stück ist „Indian Steps ft. Antony“, das in einer Minute White Noise mündet. Was bewegt dich dazu, bewusst solche Chaosmomente zu schaffen?

Ich mag es, die Leute zu verwirren, to fuck with people. Das habe ich schon auf meinem Debüt gemacht und ich finde auch, dass diese Attitüde manchen Warp-Platten in letzter Zeit gefehlt hat. Sicher, bei Aphex Twin gehört es immer dazu, aber viele Künstler bewegen sich in letzter Zeit lieber auf der sicheren Seite. Dabei ist Warp doch ein Label, das nur große wurde, weil es dich am laufenden Band vor den Kopf gestoßen hat.

Lass uns über die Features auf dem Album sprechen. Ich bin mir sicher, dass du inzwischen den Status hast, die ganz Großen anfragen zu können. Aber anstelle von Drake, Beyoncé und Kanye, hasst du dich für Leute wie Jhené Aiko, Miguel oder eben Antony entschieden. Allesamt Musiker, die altgedienten Genres neues Leben einhauchen, weil sie einen sehr individuellen Ansatz haben.

Hudson Mohawke: Warten auf den Drop
Hudson Mohawke: Warten auf den Drop
Foto: Rassoli Photography

Ach, da haben schon auch mehr Leute zugesagt, aber deren Namen verrate ich jetzt nicht. Das kriegt ihr schon mit, wenn die Songs dann rauskommen. Aber es stimmt, Antony, Jhené, Miguel, das sind alles Künstler, die ich wegen ihrer Individualität sehr schätze. Jhené Aiko hätte locker das Zeug, in den Billboard-Charts auf eins zu gehen, stattdessen arbeitet sie lieber abseits des Mainstreams. Miguel und Antony genauso.

Neues Album, neue Liveshow. Was können wir erwarten, wenn wir losgehen, Hudson Mohawke live zu sehen?

Vor etwas einem Monat haben wir mit der neuen Live-Show in New York Premiere gefeiert. Wir sind zu dritt auf der Bühne, ich in der Mitte, dazu gibt es Live-Keys und Live-Drums. Für mich ist das eine ganz neue Herangehensweise. Insgesamt kann ich sagen, dass man bei unserer Show wirklich von einer Live-Show sprechen kann. Andere elektronische Acts tun ja gern mal nur so.

Hudson Mohawke im Netz: Homepage / Facebook / Twitter / Soundcloud


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