Ein Herz für Ricardo Villalobos

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Nach all der Häme, die gestern wegen seines Auftritts bei „Cocoon in the Park“ in England über ihm ausgekübelt wurde, möchte ich die Gelegenheit nutzen, eine Lanze für Ricardo Villalobos zu brechen. Für das vieldiskutierte Set genauso wie für seine Produktionen.
Schon Ole konnte gestern in seinem Artikel „Verballert im Park“ nicht richtig vom Leder ziehen und ihn alleine für die Situation verantwortlich machen. Dazu ist die ganze Situation zu absurd. Das englische Ravepublikum, die champagnerschwangere VIP-Entourage und dazwischen der Meister des trippigen Überlänge-Sets.

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Villalobos‘ Remix von Senor Coconuts „Electrolatino“ – Ein Viertelstunde Latinminimal mit dem schwärzesten Bass, den man sich vorstellen kann.

Es geht schon damit los, das Villalobos zwischen Carl Cox und Sven Väth gebucht wurde. Yo, großartige Idee irgendwie. Zwischen zwei solche Feierschweine geklemmt zu werden, ist vielleicht nicht ganz der richtige Slot für einen kompromisslosen Künstler wie Villalobos.

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Ricardo Villalobos „Fools Garden (Black Conga)“ – ein Track, der es sogar auf einen Jazz-Sampler geschafft hat. Mit Recht.

Das ficht natürlich die Facebookmeute nicht so an und so muss sich Viallalobos vorwerfen lassen, er hätte dem Publikum zuviel den Rücken zugewandt. Tja Kinners, so ist das mit den #realdjs. Zwischendurch müssen sie mal eine neue Schallplatte aussuchen und es kann auch mal ein wenig dauern, bis sie wissen, welchen Track sie als nächsten spielen möchten. Crowdreading nennt sich das. (Das ist das genaue Gegenteil vom anklicken des nächsten Tracks auf der fertigen Playliste. Stellt euch vor, es gibt überhaupt keine Playliste!) Dabei zuzusehen ist extrem langweilig, weswegen die Leute früher in den Clubs sich auch aufs Tanzen konzentrierten, anstatt jemanden anzustarren, bei dem es nichts zu sehen gibt.

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Ricardo Villalobos „Dexter“ – Mehr Emotion hat nie wieder ein Stück elektronischer Musik in mir ausgelöst.

Dazu kommt noch, dass Ricardos Mission nicht Ärschetreten heißt, sondern Hypnose und Trance. (Ich meine damit den Geisteszustand, nicht die klebrige Elektromukke mit den Billigstreichern.) Eine der Methoden, mit denen man eine Crowd in Trance versetzen könnte, sind Repetivität und Monotonie. Deswegen produziert und spielt Villalobos gerne lange Tracks. Deswegen hat er auch soviel Zeit zum Tänzeln und trinken. Soll er stattdessen sinnlos am Mischer rumspielen, um busy zu wirken?
Da Menschen in Trance eher nicht dazu neigen, Fotos zu machen oder viel Input zu benötigen, gibt es für den DJ auch keinen Grund, Herzen mit den Händen zu formen, Torten zu werfen, oder sich sonstwie zum Affen zu machen. Es ist einfach nicht sein Job, neben seiner Musik noch andere Unterhaltung zu liefern. Für seinen persönlichen Film ist auf dem Floor jeder selbst verantwortlich.

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Ricardo Villalobos „Que Belle Epoque 2006“, eine endorphininduziernde Hypnose aus einer anderen Welt.

Aber das Grundübel sind nicht die Menschen auf dem Floor oder die DJs um ihn herum. Das Problem besteht schon im Format „Festival“. DJs funktionieren nicht wie Bands oder Liveacts. Sie sind gänzlich ungeeignet für die maximale Frontalbespaßung in minimal kurzen Zeitslots.
Walmer hat das in seinem Blog schön geschrieben:

„Vath and Cox both had good gigs and Villalobos has a bad gig, but the point is that all three of them were DJing in this weird, outdated model that festivals are still using – of putting someone who is essentially a technician, on a stage and presenting them in the same way they would a live performance. But house and techno DJs are supposed to be experienced on a dark dance floor with your friends, surrounded by other hot human bodies, a substantial proportion of whom are wrapped up in the music and lost in the moment, losing their work-a-day-worries in a dance of transcendence. Not in a damp field in front of a corporate-sponsored stage at half two in the afternoon.“

Und genau das passiert wohl ziemlich oft, wenn Villalobos in Clubs gebucht wird, wie das Mixmag zum Beispiel über seine Fabric-Residency zu berichten weiß. Weil niemand so lange und so gut im Geschäft bleibt, der seine Crowd oft so enttäuscht, wie Villaloobs beim Cocoon in the Park.

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Villalobos sampled Pink Floyd für einen Downbeat-Track. Meines Wissens auch sein einziger langsamer Tune.

8 Kommentare

  1. Na das mit dem Crowdreading hat ja nun mal gar nicht funktioniert. Mag sein, dass er ein begabter Künstler ist, aber hier hat er im Gegensatz zu echten DJs sich und nicht die Musik inszeniert.

  2. also der artikel ist genau so neben der spur wie die hasswelle …
    hier wird eine ikonisierung vorgenommen und das zu unrecht.
    crowdreading? real dj? nope – druff druff druff …
    und das ja nich das erste mal …
    null fokus aufs set – null fokus auf die crowd – kein fokus auf technik im mix …
    ist einfach so …
    dahilft weder legendestatus noch kompromisslosigkeit als rechtfertigung …
    das war keine kunst und das war es in seinen sets oft nicht …
    das war „ich verdien hier kohle – hab keinen bock hier für euch zu spielen – will nur zurück in den backstage und dann druff chillen“ …
    der typ hat in meinen augen schon lang keinen crediblen background mehr – er ist ne medienschlampe wie jeder andere in dem geschäft … nix outsider – alles fassade …
    jazzsampler – na und …
    sich auf der stage besaufen und schön auf koka oder keta zuballern und strange in seiner kleinen welt tanzen ist keine kunst – das soll er ma zu hause in der küche oder auf afterhour machen …
    und ganz ehrlich wann kam seine letze ernstzunemende produktion?
    das was vor jahren war rechtfertigt nicht versagen im hier und jetzt …
    und schon gar nicht bei der dimension von gage …
    das ist mal eben doppelt bis vier mal so viel als jedes monatsgehalt eines hart arbeitenden menschen …
    und das is ja auch nich das erste verballerte set von ihm …
    seit zehn jahren konstant druff – da versteckt man sich auch vor der welt und tut so als wäre presse gaaanz was schlechtes … das is paranoia und keine elitäre künstlerhaltung … und die masse frisst es und glaubt es …

    blablabla balla balla balla
    menschen in trance;D;D
    die trance war jedoch kein resultat der musik
    und in der musik war er nich drinn

    er hat also bei laaanagen tracks zeit zum tanzen und rücken kehren aber in seinem job ja nich die zeit herzchen zu zeigen oder torten zu werfen – aha … wo is da der unterschied – beides irrelevante handlungen in einem dj set einerseits und andererseits bei so einer crowd ist herzchen zeigen und torten werfen sogar angebrachter als fickteuchichmageuchnichundschauaufdiebacktstageposse … was meinst du warum papa väth (der auch für ausetzer bekannt ist) ihn abgelöst hat … weil er gepeilt hat ricardo peilts nich mehr …

    letztendlich sorgt dieser ganze shitstorm doch für einen noch volleren geldbeutel bei ihm, denn auch schlechte promo ist gute promo …
    und die blinden aplausklatscher die eine marketingsteuerung eh nicht erkennen und obendrein verklären feiern ihn jetzt noch mehr.

    where´s realism – it´s loooong gone

    btw. platten hat er ja gar nich gespielt …

    • @noe

      Ich sag immer „Platten“, egal ob die Musik von Vinyl, CD oder File kommt. Wie nennt man das? „Historisch gewachsen“
      Die Aussage bleibt die selbe, auch wenn die Musik von CD kam.

      Hier wir keine „Ikonisierung“ vorgenommen, sondern versucht, Villalobos nicht auf 12 Minuten Video zu reduzieren.
      Ausserdem haben wir auch einen Artikel, der den Auftritt weniger positiv sieht.

      Ich sage ja auch gar nicht, dass das ein toller Auftritt von ihm war. Wahrscheinlich wäre ich auch sauer gewesen, hätte ich das live erlebt.
      Ich sag nur, dass die Geschichte nicht nur wegen ihm schiefgegangen ist.
      Da hat das Booking einen gehörigen Anteil.

  3. für was war der gebucht da als DJ oder Tanz Drogen gestörter? Wie der sich da gibt geht ja mal garnicht und für die Gage sowieso nicht. Der sollte mal eine Therapie besuchen sein Drogenkonsum über die Jahre.

  4. Sorry so ein blödsinniger Blogg!!! Einerseits redet man von real Djing und Crowdreading.Aufhören mit dem Blödsinn. Wenn ich einen Künstler engagiere dann erwarte ich das der abliefert. Je mehr er kostet desto mehr erwartet man das auch. Es ist sch… egal… da sind tausende von menschen angereist um zu feiern und nicht nen hampelmann beim zappeln zugucken.

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