Die Einschläge kommen näher – Mixcloud entfernt Tracklistings

5
Taniths neuer Mix hat wie alle neueren Uploads kein Tracklsitings mehr.
Taniths neuer Mix hat -wie alle neueren Uploads- kein Tracklisting mehr.

Die Erklärung dazu findet sich in der FAQ von Mixcloud:

“Mixcloud is a radio platform for curation and discovering new music and ideas.

As a non-interactive streaming service, our licenses don’t allow for tracklists to be made visible in advance. However as you listen through a show or DJ mix set, the track names will be revealed.

We hope this encourages people to listen, enjoy and be delighted by new discoveries.”

Ich finde das nicht nur ein bisschen schade. Es ärgert mich aus mehreren Gründen sehr.
Zunächst ist das Tracklisting das erste Kriterium, nach dem ich entscheide, ob ich einen Mix überhaupt anhöre.
Macht mich die Liste neugierig, höre ich mir den Mix an und sehr oft kaufe ich im Anschluss auch den einen oder anderen Track daraus.
Klar könnte ich das auch mit der Anzeige des gerade laufenden Titels, die ja weiterhin besteht, aber das ist mühsam. Ich kann auch ehrlich gesagt überhaupt nicht verstehen, nach welchen Kriterien und von wem entschieden wurde, dass die Listings ein Lizenzproblem darstellen. Mir kommt das hochgradig undinformiert und dumm vor. Welches urheberrechtliche Problem soll den bitte daraus entstehen, dass diese Infos den Hörern vorliegen?
Aber im Verkomplizieren von möglichen Kaufprozessen und der Erschwerung moderner Nutzungsarten sind Musikindustrie wie Gesetzgeber ja leider ganz groß.

Schlimmer finde ich, dass damit die Einschläge für uns DJs wieder ein Stück näher kommen. Nachdem es ein paar Jahre lang so aussah, als wären DJ-Mixe langsam eine von der Industrie akkzeptierte Nutzungsart, schlägt das Pendel wieder in die andere Richtung. Ich habe mich -wenn auch unter Schmerzen- daran gewöhnt, dass Soundcloud DJs systematisch von seiner Plattform ekelt. Mixcloud war bisher immer die große Ausnahme unter den Hostern. Dank des Vertrages mit der britischen Verwertungsgesellschaft schien man dort sowohl auf der legal sicheren Seite zu stehen, als auch irgendwie auf der hellen Seite der Macht.
Besonders sympatisch wurde Mixcloud in meinen Augen dadurch, dass man die Tracklistings zwar händisch eingeben konnte, aber nicht musste, da die hervorragende Musikerkennung das auch automatisch erledigte. Früher gab es sogar direkte Kaufbuttons an jedem Track, die zu Beatport führten. Alles genau so, wie ich mir das bei einer Plattform vorstelle, die sich dessen bewußt ist, dass Radiosendungen und DJ-Mixe nur entstehen können, weil es Menschen gibt, die die vermixte Musik im Voraus produzieren und bestenfalls von dieser Tätigkeit auch leben können sollten.
Und jetzt? Jetzt wird diese Wertschätzung der Künstler einem Lizenzrecht geopfert, das ganz offensichtlich nicht die Künstler im Fokus hat.
Ich hoffe, wir erleben da gerade nicht den ersten Schritt zur Zerstörung der nächsten Plattform für DJ-Mixe…

via (Robyn)


Flipboard
Folge uns auf Flipboard @Blogrebellen

5 KOMMENTARE

  1. Was sind den eigentlich die hauptsächlichen Vorteile von SoundCloud, Mixcloud und Co?
    Die Reichweite?

    Denn ansonsten bietet sich doch auch ein Musikplayer auf der eigenen Website an.
    Damit ist man unabhängiger.

  2. Deine Einschätzung kann ich nicht teilen. Öffentliche DJ-Mixe und Podcasts ohne Moderation sind ebenso wie Playlisten Konkurrenz zu Compilations. Rein wirtschaftlich gesehen kannibalisieren sie diese: sie sorgen dafür, dass die Angebote, in denen die Nutzung für Musik bezahlt wird, weniger genutzt werden.

    Mixcloud fährt anders als Soundcloud mit einer Radio-Lizenz. Wodurch zeichnet sich Radio aus? Durch ein Grad von Unvorsehbarkeit und durch die Unmöglichkeit, Inhalte zu überspringen. Der Nutzer hat also weniger Autonomie, wie er den Inhalt konsumiert. Dafür bekommt er das Ganze kostenlos.

    Mixcloud wird die Auflage von Verwertungsgesellschaften bekommen haben, die technische Plattform so umzugestalten, dass nicht mehr vorab der Ablauf einer Show gecheckt werden kann. So handhabt es die GEMA auch jeher mit Angeboten im Web – nun hat wohl das britische Pendant (verantwortlich für Mixcloud) mal eine Ansage gemacht. Das ist non-convinient für Nutzende (ob nun reine Konsumenten oder Podcaster), aber schützt Geschäftsmodelle, die existieren müssen, so lang wir kein Grundeinkommen für Musiker eingeführt haben. 🙂

    • @alexander:

      Also in meiner Welt kann eine Compilation niemals einen DJ-Mix ersetzen. Zum Mixen gemachte Musik möchte ich nicht ungemixt hören.
      Mag ja sein, dass es in der Denke von Verwertungsgesellschaften eine gute Idee ist, ein Gut non-convenient zu machen. Ich bin aber Kunde und darf das dann auch scheiße finden. Und dass diese Maßnahme auch nur einen Hörer zu einer anderen Plattform treibt, bei der die Künstler mehr verdienen, glaube ich mal ganz gepflegt nicht.
      Ich gehöre zur sehr sehr klein gewordenen Gruppe von Menschen, die Musik kaufen und mir erschwert es den Konsum.
      (Unterm Strich ist mir das alles vollkommen egal. Ich bin mein Leben lang schwerstabhängig und habe schon zu Zeiten nach Musik gesucht, als das im Vergleich zu heute noch wirklich eine Herausforderung war. Mich halten solche Maßnahmen nicht ab. 🙂 )

  3. Ich höre nie Mixes wegen dem Tracklisting sondern wegen der Musik, wenn mir nen Track gefällt schaue ich mal nach mehr nicht, ich höre mixes weil ich dieses Radio-Gefühl haben möchte nicht zu wissen was der DJ da als nächstes macht.

    Mir ist dieses Feature egal weil es genug andere Möglichkeiten gibt den Track zu finden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.