AMY: Tolle Künstlerin, mäßiges Filmerlebnis und ein richtig schäbiges Finale

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Ich war gestern im Kino. „Searching For Sugar Man“ hat mich gelehrt, dass es durchaus lohnenswert sein kann, sich einen Musikfilm im Kino anzusehen. Alleine die simple Bassline, die den Anfang des Trailer begleitet: Stellt euch die über ein 1A Soundsystem im Kino vor:

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Da ich sowohl Frank als auch Back To Black aus jeweils verschiedenen Gründen noch heute extrem gerne höre, lag es nahe, sich den Film „Amy“ reinzuziehen. Was kann schief gehen? Geile Mucke? Kennenlernen des Menschen hinter der Künstlerin Amy Winehouse?

Riecht nach einem hervorragend unterhaltsamen Filmerlebnis…

„presented in 4k“

Direkt vor dem Vorspann warb Sony mit der grandiosen 4K-Bildqualität – ich so „boah, nice“. Die Vorfreude wurde relativ schnell enttäuscht: Gefühlt 90% des Bildmaterials setzten sich aus schäbigen VHS Home Videos und qualitativ minderwertigen TV Mitschnitten aus den 00er Jahren zusammen.

Amy Winehouse Film: Amy, Poster

Nur stellenweise hätte das Filmmaterial in 720p (oder sogar 480p) deutlich gelitten. Rein optisch hätte der Film nicht zwingend ins Kino gehört. Klar, akustisch ging einiges. Häufig wurden Amys Gesangs- und Jam-Einlagen allerdings durch optisch wenig ansprechende Einblendungen von Karaoke-artigen Untertiteln eingetrübt. Das hätte man schöner regeln können.

Amy: Starring Amy Winehouse

Kommen wir zum einzigen Pluspunkt: Amy Winehouse war ein cooler Hund; und ein sautalentierter noch dazu. Der Film gewährt Einblicke in die Lebensereignisse, die teils 1:1 die Grundlage für ganze Textpassagen ihrer Songs bilden. Der Mensch „Amy Winehouse“ wird ebenfalls sehr gekonnt charakterisiert: Durch Stimmen ihrer Familie, Freunde und Kooperationspartner aus dem Off.

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Die Story selbst hat es also durchaus in sich und ist es absolut wert, erzählt zu werden. Als Kinogänger fühlt man sich danach fast ein bisschen durchgenudelt: Als hätte man eben erst einen sehr lieben und interessanten Menschen kennengelernt – und zwei Stunden später ist er tot. Viele Kinogänger werden noch am Morgen danach rätseln: Wer hätte was tun müssen, um sie irgendwie da raus zu holen? Hätte man ihr nicht irgendwie helfen können?

PIETÄTSLOSE SCHEIßE: DAS GROßE CAPSLOCK FINALE

Spoiler Alarm: Amy stirbt.

Viel schlimmer im Kontext des Kinoerlebnis ist aber das, was sich direkt nach ihrem Tod filmisch abspielt. Bis zum Zeitpunkt ihres Todes (im Film) läuft beinahe nonstop ihre grandiose, eigene Musik: die Klassiker, Songskizzen, Bootlegs, Live-Mitschnitte: man wähnt sich als Zuschauer in einem akustischen Himmelbett.

DANN PLÖTZLICH, ALS MÜSSTE MAN TEENAGER NOCH EBEN ZUM WEINEN BRINGEN, DIE ES BIS DAHIN GESCHAFFT HABEN, IHRE TRÄNEN WEGZUDRÜCKEN: WIRD DOCH TATSÄCHLICH UNGLAUBLICH KITSCHIGE, 0% JAZZIGE (DAFÜR 80% POPPIGE) STREICHERKACKE EINGESPIELT! DIE INTENTION DAHINTER IST KLAR: DIE LEUTE NOCH MAL RICHTIG EMOTIONAL WEGBALLERN. ABER WTF?

Capslock beiseite. Das hat mich echt richtig angekotzt. Amy Winehouses musikalisches Oevre hat keinen einzigen Song hergegeben, der ein passendes akustisches Finale hergegeben hätte? Alter, echt jetzt.

Noch eine Fußnote eben. Relativ zu Beginn des Films wird ein Rant von Amy Winehouse eingespielt, in dem sie sich über die Produktion eines ihrer Tracks echauffiert. Leider ist mir entfallen, welcher es war. Jedenfalls spricht sie mit größter Überzeugung und auf der Schwelle zum Fluchen davon, wie sie NIEMALS Streicher auf ihrem Track haben wollen würde, vor allem keine im Nachhinein reingemixten, die nicht mit ihr im Studio waren…

Fazit

Eintrittspreis sparen. Überlängenzuschlag sparen. 7€-Nachos sparen.

Frank LP kaufen. Abwarten bis der Film unweigerlich irgendwann auf arte laufen wird.

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