Von Nippeln und Nazis, oder: Wie wir Facebook ein wenig unter die Arme greifen

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#NippelStattNazis. Also eigentlich wollte ich hier jetzt meinen Nippel zeigen. Hab mich dann doch nicht getraut. Ist ja nicht jedermanns Sache, so ein entblößter Nippel. Außerdem hätte Facebook meinen exponierten Nippel bestimmt mirnichtsdirnichts gelöscht. Man muss ja an die Kinder denken. Dass Facebook mit Nippeln etwas pingeliger umgeht als mit Nazis, das hat sogar der alte wütende Opi von der heuteshow schon gecheckt:

Hassknechts Hasstag der Woche: #NippelStattNazis

Posted by ZDF heute-show on Donnerstag, 20. August 2015

 

Dabei sind Nazis doch eigentlich viel blöder als ein paar friedliche Nippel. Da muss man sich eigentlich nur mal dieses Video anschauen. Tja, eigentlich gibt’s gegen solche Vollpfosten-Kommentare auch Facebooks Gemeinschaftsstandards. Eigentlich, eigentlich, popeigentlich. Leider ist es nunmal so, dass Facebooks rechtes Augenlid ein wenig hängt. Deshalb müssen wir uns wohl noch eine Weile aufregen. Oder uns selbst helfen. Besser für den Blutdruck und hoffentlich auch besser für unsere Gesellschaft. Mund aufmachen. Vollpfosten bei der Polizei anzeigen!

Jetzt berufen sich die werten Vollpfosten ganz gerne auf ihr Recht auf freie Meinungsäußerung, das ich hier einmal in seiner ganzen Pracht präsentiere:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt. Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre. Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“

Hups. Diese Rechte haben doch tatsächlich Schranken. Und dann auch noch festgemacht an sowas Läppischem wie „Gesetzen“, „persönlicher Ehre“ und der „Verfassung“. Voll doof. Man darf also gar nicht ungehemmt Leute beleidigen und über Volksgruppen herziehen oder zur Gewalt aufrufen, selbst wenn das eine voll bescheidene Meinung ist und man das ja wohl noch sagen dürfen wollen täte.

Nun ist für den aufmerksamen Gutmenschen gar nicht so leicht erkennbar, ob sich Herr oder Frau Pfosten mit ihrem hasserfüllten Gebrabbel innerhalb oder außerhalb dieser Schranken bewegen. Hierzu eine kleine Orientierungshilfe, nämlich die Definition der Volksverhetzung:

„Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, 1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder 2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.“

Ist immer noch ziemlich schwammig, aber herauszufinden, ob jetzt ein Straftatbestand vorliegt oder nicht, das ist ja nicht unsere Aufgabe. Das ist nämlich Aufgabe unserer guten, alten Polizei. Und die hat in vielen Bundesländern schon sowas Neumodisches wie eine Online-Anzeige-Seite. Zum Beispiel in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Wer in Restdeutschland wohnt, kann sich trotzdem an eine dieser Stellen wenden. Außerdem an Jugendschutz.net oder die Internet-Beschwerdestelle. Klar, dass die sich nicht sofort um alles kümmern können, immerhin ist auch jeder Like zu hetzerischen Kommentaren schon strafbar, aber ich hoffe einfach, die tun ihr Bestes.

Dass das nicht die Wurzel des Übels Rassismus und Fremdenhass bekämpft, ist klar. Aber es schult das Bewusstsein dafür, was für das Miteinander in unserer Gesellschaft richtig und falsch ist. Und es verhindert, dass sich aufmerksamkeitsgeile Vollpfosten mit ihren Aussagen an Likes und Beachtung laben können. Es verhindert, dass solche Aussagen normal werden. Und eines Tages, in gar nicht allzu ferner Zukunft, werden uns vielleicht mehr „stinksaure“ Vollpfosten wie dieses Exemplar unten begegnen. Gnihihi. Und eines Tages, in gar nicht allzu ferner Zukunft, werden sie sich endlich die hässlichen Hirnfürze verkneifen und lieber Nippel zeigen. Endlich, endlich, popendlich.

Bildschirmfoto 2015-08-21 um 16.08.19

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