Warum es ganz einfach sein sollte, ein “wunderbarer N****” zu sein

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“Himmelarschundzwirn, des war jetzt net so schlau.” Das ist dem bayrischen Innenminister Joachim Herrmann gestern (hoffentlich) durch den Kopf gegangen, als er doch tatsächlich vor laufenden Kameras folgende Zeilen zum Besten gab:

“Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den weißen Deutschen wunderbar gefallen hat! Und beim FC Bayern spielen auch eine ganze Menge mit schwarzer Hautfarbe mit und das finden die Fans vom FC Bayern auch gut.”

Man wünschte, er hätte es ironisch gemeint. Aber das hat er nicht. Es ist eben der Herrmann, der weiß es nicht besser, will man dann sagen, und dem bayrischen Opi den Schweiß von der Oberlippe tupfen. Er ist halt ein bisschen aufgeregt, will man sagen. Aber er ist Politiker. Und Politiker bilden Meinungen. Und das ist das Fernsehen, kein Stammtisch. Und da schauen Menschen zu, die Sätze sagen wie “Die Neger passen nicht zu uns, die können nicht hier bleiben”. Gar nicht schlau.

An dieser Aussage hatte sich Herrmanns Statement übrigens entzündet: “Die Neger passen nicht zu uns, die können nicht hier bleiben.” Was könne man denn einem Bürger entgegnen, der meinte, “Neger” seien nicht geeignet fürs heimische Alpenvorland, fragt der Moderator. Herrmann findet, Roberto Blanco und der FC Bayern seien doch ganz treffliche Gegenargumente.

Seitdem hagelt es Shit. Oder, wie man auf Bayrisch sagen würde, dem Herrmann schlackern die Ohrwaschln. Das hilft es auch nichts, dass Roberto Blanco, Ehrenmitglied der CSU, dem Herrmann diesen Ausrutscher nicht übel nimmt. Die politisch Korrekten empören sich: “Das N-Wort! Im Fernsehen! Geht gar nicht!”

Und der Gegenwind der überzeugt Inkorrekten formiert sich zugleich, in Panik, sie könnten verbal beschnitten werden: “Das N-Wort! Hat früher auch niemanden gestört! Zigeunersoße, Mohrenköpfe, Negerküsse! Ich will das auch weiterhin sagen können, auch wenn ich das eigentlich nie sage! Mich stört das nicht! Und meinen afrikanischen Freund auch nicht! Die sagen das ja selber! Dann kann das nicht rassistisch sein! Haben wir keine anderen Probleme?” Diese N-Wort-Diskussion wiederholt sich in Deutschland periodisch, und wird mit jedem Mal ein bisschen peinlicher.

Mir wird, ganz von selbst, übel bei dem Wort. Weil ich seit immer weiß, dass es rassistisch ist. Und ich habe nicht das Gefühl, mit der Verwendung dieses Wortes mein Recht auf Verwendung rassistischer Wörter verteidigen zu müssen. Das N-Wort ist kein Grenzfall. Muss ich auch nicht diskutieren. Muss niemand diskutieren. Nun sagt Herrmann selbst, er verwende das nie, und habe sich doch nur auf den fiktiven Gesprächspartner einstellen wollen. Gut.

Schauen wir uns Herrmanns Satz aber, mal abgesehen von dem hässlichen Wort, genauer an: Meint der bayrische Innenminister wirklich, ein farbiger Mitbürger könne nur hierher passen, wenn er lustig tanzt, singt, oder begnadet Fußball spielt und damit den weißen Deutschen gefällt? Herr Herrmann, wenn Sie sich da auch nur auf das Niveau Ihres Diskussionspartners herablassen wollten, dann passen Sie auf, dass Sie nicht abrutschen und in rassistische Untiefen fallen.

Genau das ist nämlich ein Problem unserer pädagogisch hochbegabten Politiker, nicht nur Herrmanns. Man lässt sich herab. Man spricht davon, den Asylbetrügern keinen Raum zu lassen, dem Asylmissbrauch Einhalt zu gebieten, sich nicht überrollen zu lassen von der Asylflut, um den Menschen ihre Ängste und Sorgen zu nehmen, und vergisst… Dass Asyl ein Menschenrecht ist. Dass ich keinem Flüchtling ansehe, ob er ein “guter” oder ein “schlechter” ist. Und dass deswegen alle gleichermaßen der Hass gegen “Asylbetrüger, Asylmissbraucher, Asylfluter oder N****” trifft. Wo sich die Wut doch eigentlich, Himmelarschundzwirn, gegen versagende Politiker richten müsste. Ist das so schwer zu verstehen?

Ranga Yogeshwar, auch Teilnehmer der Talkshow, sagt dann noch etwas ganz Erbauliches. Achtung, Gutmenschen-Alarm bei Minute 30. Stellen wir uns mal vor, es kämen tatsächlich 1 Million Flüchtlinge im nächsten Jahr. Das ist einer auf 80 Bundesbürger. Wenn nun 80 Bundesbürger sich tatsächlich um einen Flüchtling kümmerten, dann wäre das doch nicht so schwer, dann würden wir das gemeinsam schaffen. Dann würden wir uns kennen lernen und miteinander leben. Dann sähe das auch auf den Straßen viel netter aus. Die sächsische Omi oder die bayrische Familie sitzt da, im Café, löffelt Vanilleeis, mit einem Flüchtling. Einem somalischen, oder syrischen, oder albanischen. Und der muss nicht mal singen, oder tanzen, oder Fußball spielen, um zu passen. Er soll einfach nur da sein. Wunderbar.


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7 KOMMENTARE

  1. Es geht nicht um die Frage, wie oft das Wort früher verwendet wurde.
    Es geht darum, ob es
    A)immer schon als Abwertung gemeint war.
    Nicht zu verwechseln mit einer generellen vokabelunabhängigen negativen Einstellung.
    Dann stellt sich logischerweise die Frage nach der früher gebräuchlichen neutralen Bezeichnung.

    B)ein neutrale Bezeichnung die durch gezieltes Lobbying in einer Art Sozialexperiment(Gehorsamkeitstest) künstlich zum Schimpfwort erklärt wurde.
    Falls dem so ist, ist eine progressive Gesellschaft zum Widerstand verpflichtet.

    Wurden die Negritude-Bewegung und der Nigerstate Nigeria ( https://m.facebook.com/NigerStateNG?refsrc=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2FNigerStateNG ) auch schon umbenannt?

  2. Hallo Marven,
    Deine Frage erschließt sich mir nicht. Es geht doch gerade darum, was das Wort in jüngster Zeit bedeutet oder wie es konnotiert ist. Dass es von den Gemeinten nach einer langen Geschichte der abwertenden Verwendung als Schimpfwort verstanden wird. Dass “toll” früher mal etwas ganz anderes bedeutet hat, sagst du doch auch nicht nach jedem Satz, in dem du es verwendest, oder?
    Und du glaubst wirklich es gebe eine so starke Lobby der Farbigen in Deutschland, dass sie ein Sozialexperiment starten könnten? Und die hätten dann auch nichts besseres zu tun? Die Diskussion um das Wort WAR richtig, denn sie rührte aus dem Widerstand der Unterdrückten. Heute sollten wir darüber nicht mehr diskutieren müssen.
    Was heißt denn “künstlich” zum Schimpfwort erklärt? “Künstlich” weil der Beschimpfende sich lieber vorbehält zu entscheiden, was eine Beschimpfung ist und was nicht? Weil er die Entscheidungsmacht dem Beschimpften abspricht? Hmmm… haben wir da ein Machtgefälle? Und gab’s das nicht schonmal zwischen “Weiß” und “Schwarz”?
    Vielleicht haben sich manche Menschen (inkl. mir) auch einfach gedacht: “Weiß” hat so lange “Schwarz” unterdrückt, ausgebeutet und beherrscht, dass ich das nicht auch noch in meiner Sprache zur Schau stellen muss.
    In Negritude und Nigeria steckt übrigens nicht das N-Wort. Weiß nicht, warum du das anführst.

    • Wieso die Schwarzen? Die haben damit am wenigsten zu tun.
      Die Initiative ging nicht von ihnen aus, es wurden nur später ein paar dazugeholt um sie als Frontmänner zu mißbrauchen.
      Neger war niemals ein Schimpfwort, jeder weiß das. Ganz im Gegensatz zu dem Wort negroes in den USA.
      Amerikaner die nach Europa gekommen sind haben sich beleidigt gefühlt, weil sie das nicht wussten.
      DerErfolg des PC-Sprech zeigt in erschreckender Weise die Bereitschaft der Menschen zum Gehorsam.
      Völlige Selbstgleichschaltung trotz totaler Unlogik. Zur Selbstberuhigung erfindet man dann sogar noch Scheinbegründungen.
      Das schlimmste: Ein Unsympathler wird plötzlich zum Verteidiger von Freiheit und Wahrheit während alle angeblich progressiven die Hosen voll haben.
      Selbstzensur im Namen des Guten. Das Gute hat hier Gott abgelöst.

  3. Interessant. Du würdest also gerne sehr, sehr oft das N-Wort benutzen? Das N-Wort ist für dich die Freiheit? Nur so kann ich mir erklären, dass du wegen dieses Wortes von übergroßen Dingen wie “Selbstgleichschaltung” und “Verteidigung von Freiheit und Wahrheit” sprichst.
    “Neger war niemals ein Schimpfwort, jeder weiß das.” Komisch, ich nicht. Und die meisten Menschen, mit denen ich mich beschäftige und umgebe, auch nicht. Die halten das für ein Schimpfwort. Für rassistisch. Und ich habe mich für eine ganze Magisterarbeit mit dem deutschen Kolonialismus beschäftigt, und da kam das Wort auch ziemlich häufig vor. War nicht nett gemeint. Aber ich will gar nicht so klugscheißerisch anfangen – selbst wenn ich keine Ahnung von Befreiungsbewegung, verbaler Unterdrückung, usw usf hätte – keiner meiner farbigen Freunde möchte so genannt werden. Genauso wenig wie ich “Weißwurst” genannt werden möchte (und da hängt keine jahrhundertelange Konnotation dran!). Also lass ich das. Und fühle mich weder beschnitten noch gleichgeschaltet. Was für ein Blödsinn.

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