Native Instruments bringt überraschend Traktor Kontrol S5 heraus (Update)

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Heute Nachmittag war es noch ein Leak, bei dem unklar war, ob nicht einfach nur jemand sich mit Photoshop gespielt hatte, aber jetzt ist es offiziell. Native Instruments hat einen neues Gerät namens Kontrol S5 auf den Markt gebracht. Es handelt sich dabei um einen Vierkanal-Controller mit den schon von der S8 bekannten Displays, Pads und Touchstrips.
Traktor-Kontrol-S5-Main-Image

Ich weiß nicht, ob das Ding die S4 ersetzen soll, aber für mich spricht vieles dafür. Das Gerät sieht aus wie eine verkleinerte S8 oder eben wie eine an den neuen NI-Standard angepasste S4. Das heißt, die Jogwheel sind weg, was mich persönlich überhaupt nicht stört. Warum das so ist, habe ich zum ersten Mal beim Test der X1 MK2 erzählt und dann noch einmal mit mehr Nachdruckk, als ich die S8 näher unter die Lupe nahm.

Kein Hardware-Mixer

Wie die S4 hat der Neuzugang keinen Hardware-Mixer an Bord. Dafür muss man zur größeren S8 oder aber zum Z2 greifen. Im Gegensatz zur S4 hat die S5 keine Eingänge für Plattenspieler. Immerhin, der AUX-Weg ist noch da. An ihn kann ein zweites Setup oder ein Mikrofon (oder ein CDJ/Smartphone/you name it) angeschlossen werden. An Ausgängen stehen XLR und Chinch für den Master, und Klinke für den Booth-Output zur Verfügung, also amtlicher Clubstandard.

Die Rückseite der Kontrol S5
Die Rückseite der Kontrol S5

Fragwürdíges Bedienkonzept ohne dezidierte Fader für die Stems

Die Displays können – wie die der S8 Remix- und Stem-Decks anzeigen. Die für solche Geräte typischen 4 Lautstärkefader sind allerdings nicht mit an Bord und werfen die Frage auf, wie die Pegel der Remix-Slots oder der Stems geregelt werden. NI sagt noch nichts dazu, aber der folgende Screenshot aus dem Video lässst mich spekulieren, dass man per Knopfdruck ein Stem (respektive einen Slot des Remix-Decks) wählt und dann mit einem der beiden Endlosencoder die Lautstärke regeln kann. Ich muss mir das natürlich erst einmal ansehen, bevor ich fundiert etwas dazu sagen kann, aber mein erstes Gefühl sagt, dass das keine gute Lösung ist. Shiftebenen sind nie gut, für das Regeln von Pegeln gilt das ganz besonders. Wenn Stems bei vielen DJs die Filter und EQs ersetzen, die bisher zum isolieren von Instumentengruppen genutzt wurden (aka “Bass rausdrehen”) dann müssen sie schnell und gleichzeitig regelbar sein. Bonusminusfeature: Schieberegler geben direkt Auskunft darüber, wie weit sie aufgezogen sind, Endlosencoder nicht. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber bis dahin bin ich sehr skeptisch, was dieses Bedienkonzept betrifft.

[Update]

Habe eben die Info bekommen, dass im “Remix”-Mode die obere Reihe Pads als Mute-Schalter für das jeweilige Stem fungiert und die untere Reihe als Shift-Button, die die beiden Endlosencoder zu Lautstärke- bzw Filterreglern für ein Stem machen. Jetzt bin ich ein wenig zwiespältig. Einerseits bleibe ich dabei: Das ist kein gutes Konzept. Wenn man bedenkt, dass die Volume-Regler der Stems beim Mixen in der Praxis die EQs ersetzen werden, muss man sich nur einen Mixer vorstellen, der einen Klangregler pro Kanal hat. Diesen Regler würde man dann per Shift-Taste auf Bässe, Mitten oder Höhen routen. Nicht wirklich prickelnd, oder?
Andererseits werden, wenn ich ehrlich bin, Fader im Alltag meistens wie Schalter eingesetzt. An oder aus. All diese Fälle decken die Mutebuttons ab. Hm…ich muss das mal ausprobieren. Überzeugt bin ich nicht.

Kontrol s5

Interessantes Detail am Rande: NI führt mit der S5 die numerischen Displays für die Loop-Länge direkt neben den Loop-Encodern wieder ein, die bei der S8 und D2 von einer Anzeige im Display ersetzt wurden. Finde ich prima!

Fazit

Auf den ersten Blick ein feiner Controller, der viele Features der S8 in einem preiswerteren Gerät bringt. Ob die für Remix-Decks und Stems angedachten Bedienkonzepte praktikabel werden, wird sich herausstellen.

Die Kontrol S5 von Native Instruments ist ab sofort für 799,- direkt bei Native Instruments erhältlich.

[Update 2]

Mittlerweile hatte ich eine S5 in Realität vor Augen und in der Hand und muss einen Fehler korrigieren und meine Meinung insgesamt leicht ändern:

Erstens: Die numerischen Displays für die Looplänge sind nicht wieder da. Dort wird nur angezeigt, ob ein Loop aktiviert ist, oder nicht. Schade, ich mochte diese Anzeigen sehr gern.

Zweitens: Wenn man der Kontrol S5 persönlich begegnet und sie mit der S8 direkt vergleichen kann, fallen zwei Dinge sofort auf: Der neue und deutlich kleinere Controller ist extrem gut ausgewogen. Wo das dicke Studiotool ein bisschen wie ein protziges SUV wirkt, ist die S5 harmonisch gestaltet. Alles sitzt am richtigen Platz und in der genau richtigen Größe. Ein Gerät, dass man sich gut im Club und -was wichtig ist, um überhaupt dorthin zu kommen- im Rucksack vorstellen kann. Auf die externen Anschlüsse und den Standalone-Mischer kann ich im Club gut verzichten. Ob mich die fehlenden Fader für die STEMS stören würden, kann ich noch nicht sagen. Aber wie oben gesagt, meistens dürften es die Mute-Buttons absolut tun. Unterm Strich dürfte die S5 für DJs die, ihren Controller mit zum Gig nehmen, und entweder STEMS einsetzen wollen, oder Wert auf die Displays am Gerät legen der, derzeit beste Deal im Portfolio von NI sein.


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