Warum ich Intimrasuren albern finde und Schönheits-OPs für den Intimbereich kompletter Bullshit sind

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Ich kann mich noch relativ gut an den Sommer 1993 erinnern… Damals war ich gerade neunzehn geworden und mit meinem damaligen, dem ersten Freund, zwei Wochen (oder drei? Ich weiß es nicht mehr) in Norwegen gewesen. Der Urlaub ist mir nicht deswegen so gut in Erinnerung geblieben, weil er so crass toll gewesen wäre; dennoch sind in diesen zwei Wochen zwei einschneidende Dinge passiert:

1. Ich unternahm meine ersten Fahrversuche in dem alten Audi A80 der Mutter meines damaligen Ihr-wisst-schon und entschied mich dann dafür, den Führerschein zu machen (ich war sehr fasziniert von diesem Gefühl, dass dieser Blechhaufen sich bewegt, nur weil ich die Kupplung kommen lasse, hehe).

2. Mein damaliger Freund schlug vor, ich könne mir ja mal die Achseln rasieren. Letztere trug ich bis dahin noch völlig unbedarft so wie sie halt aussahen: haarig. Hatte mir da nie einen Kopp drum gemacht. Ich weiß noch, dass es meinem Damaligen ein bisschen unangenehm war, es war fast ein bisschen verrucht, mich überhaupt darum zu bitten. Er hat mir damals dabei geholfen und ich kann mich noch erinnern, dass das echt heiß und sexy war.

Zwei Jahre später zog ich in Betracht, mir auch die Beine zu rasieren – ganz ehrlich aber nur für diesen Ami, mit dem ich damals was hatte. Ausstauschstudent. Und man wusste ja schon damals, wie die Amis zu weiblicher Körperbehaarung stehen. Also weg damit. Und ich erinnere mich auch lebhaft an den Kommentar des Freundes meiner damaligen Mitbewohnerin (ebenfalls US-Amerikaner): „Jeez, finally, I thought you would never do it! Men like it better this way.“ Ich war so jung und unerfahren, dass ich das noch nichtmal in Frage gestellt hab.

Noch ein paar Jahre später musste dann – während meiner Zeit mit dem Spanier – auch der Mumu-Teppich dran glauben. Allerdings nur begrenzt. Bei mir wird Mann immer merken, dass ich vierzig bin und keine vierzehn.

Die komplette Nacktschnecken-Version hab ich probiert, kommt mir allerdings nicht nochmal ins Haus. Davon abgesehen, dass man zum Dauerkunden beim Chiropraktiker wird, wenn man unter der Dusche da rumrasiert, man sieht ja eben nicht alles. Das ist in etwa so schmerzhaft, als wenn ein Mann versucht, sich selber einen zu blasen. Darüber hinaus wird beim Rasiervorgang auch die erste, also die oberste Hautschicht mit entfernt – und dass die für unseren Intimbereich eine wichtige Schutzfunktion erfüllt, muss ich Euch erwachsenen Männern ja nicht erklären. Oder? Man stirbt als Frau natürlich nicht gleich daran, aber Pilzen und Bakterien macht frau es damit nachweislich wesentlich leichter, sich einzunisten.
Und Jungs, kommt mir nicht mit Heißwachs. Macht das erstmal selber, dann könnt Ihr Sprüche kloppen.

Wenn ich ganz ehrlich bin, und da könnt Ihr Euch nu gerne und ausführlich drüber echauffieren (wenn Euch das hilft), in meinen Augen stellt die alleinige Thematisierung der Intimrasur schon eine unglaubliche Respektlosigkeit dar.

Man stelle sich vor, es hat gefunkt, die Chemie stimmt, man knutscht und will einfach nur noch in die Kiste mit der betreffenden Person, da sie offenkundig gut riecht (sonst würde man nicht knutschen) und auch die Pheromone perfekt ausgelotet sind. Man reißt sich von der reinen Geilheit gesteuert gegenseitig die Klamotten vom Leib, bis man nur noch die eh schon verschwitzte Unterwäsche anhat, entblößt sich dann völlig, um sich einander hinzugeben und dann mokiert er oder sie, dass da aber ein paar Haare sind? Samma, geht’s noch?
Dann kann man ja so geil gar nicht gewesen sein.

Passt auf, ich lehn mich noch weiter raus: wenn sich jemand über ein paar Haare beschwert, obwohl er vor 30 Sekunden seine Triebe kaum noch unter Kontrolle hatte, dann hat er den Sex mit dem anderen Menschen schlichtweg nicht verdient.

Ich finde es das allerletzte, jemanden auf die Intimbehaarung zu reduzieren, und die Thematisierung des Ganzen tut das irgendwie.
Achtung! Anders verhält es sich natürlich in einer festen Beziehung, da kann man sowas natürlich mal ansprechen und gemeinsam ausprobieren. Ging mir ja, was die Achseln und den Intimbereich angeht, nicht anders. Zur Beinenthaarung hatte ich mich ja allein entschieden. Wer weiß, Ami hin oder her, vielleicht hätte es ihn ja gar nicht gestört.
Aber gerade das Intim-Ding, weil es ja bei uns Frauen eben auch ein gesundheitlicher Aspekt ist, sollte mit dem entsprechenden Respekt behandelt werden.

So weit, so gut. Seitdem hat sich eine Menge getan.

Mittlerweile befinden wir uns im Jahr 2015 und das ganze Thema treibt jetzt meiner Meinung nach noch wesentlich perversere Blüten.
Man hört von (ACHTUNG, DER FOLGENDE LINK ENTHÄLT EXPLIZITE FOTOS!)vaginal rejuvenation“ => „vaginale Verjüngung“ (wtf?!), „Schamlippen-Straffung“, „Klitoris-Lifting“ und dergleicher Horrorstories mehr, und ich packe mir einfach nur noch an den Kopf. Sogar den G-Punkt kann frau sich aufspritzen lassen, wie Dolly Buster ihre Lippen.

Keine Frage, wenn es medizinisch notwendig ist (und das wird es, solange es in einigen afrikanischen Staaten die weibliche „Beschneidung“ noch gibt, leider immer wieder sein), muss man über derartige Eingriffe natürlich nicht diskutieren. Ist klar, dass die Gesundheit der betreffenden Patientin im Vordergrund steht.

Aber aus Schönheitsgründen? Ehrlich, Ladies, diesen (natürlich) US-amerikanischen Trend braucht kein Mensch.
Und, als einigermaßen sexerfahrene Frau kann ich mit einer gewissen Sicherheit sagen (logo, ist meine persönliche Erfahrung), dass Männer, die Intimbehaarung primär thematisieren, selten gut im Bett sind. Wenn die Optik im Bett wichtiger ist als die Biochemie und damit die Sinne, d.h. Geruchs-, Geschmacks- und Tastsinn, dann hat jemand nicht verstanden, worum es bei gutem Sex geht. Wer sich beim ersten Sex über Haare mokiert (und das ist mir tatsächlich I schon passiert), fliegt aus meinem Bett und gleich danach aus meiner Wohnung. Oder aber er sieht mich dann nur noch angezogen und von hinten, mit einem gestreckten Mittelfinger in der Luft.

G-Punkt-Vergrößerung? Ernsthaft? Fettabsaugung des Venushügels? Hä? Da gibt es Fett drin? Gottseidank! Jede Frau, die sich den Venushügel schon mal (am Fahrradlenker z.B.) gestoßen hat (hihi, sie hat „gestoßen“ gesagt), weiß, wie schmerzhaft das ist. Und jetzt stellt Euch mal vor, Ihr hättet da kein Fettpolster. Unangenehm, wa?
Wenn ich mir das schon vorstelle, Schamlippen lasern! Laserstrahlen in so einem hochsensiblen Bereich! Wer das aus rein ästhetischen Gründen tut, ist in meinen Augen komplett bescheuert.

Ach, und by the way, Mädels: wenn Ihr da unten noch ein paar Haare hättet, dann könntet Ihr gar nicht soviel sehen, das Ihr dann hässlich finden könntet. Na? Klingelt’s?

Ein weiterer Vorteil, wenn man als Frau noch ein paar Schamhaare behält: man wird nicht vom Cameltoe-Syndrom heimgesucht. In meinen Augen mit das Peinlichste, was einem passieren kann. Tausendmal schlimmer als vor Kälte harte Nippel.*

Ob dieser Wahn auf den Pornokonsum zurückzuführen ist? Zum großen Teil auf jeden Fall. Mitschuldig ist aber auch die Industrie, die dahinter steckt. Die plastischen Chirurgen verdienen ein Schweinegeld mit medizinisch komplett überflüssigen OPs.

Zusammenfassend: ein derartiges Zur-Schau-Stellen und das damit verbundene Öffentlich-Machen des Intimbereichs ist der Tod jeglicher Intimität. Just sayin‘. Und Mädels, ehrlich, wenn einer das gleich zu Anfang schon so mokiert, wollt Ihr eh nicht ins Bett mit dem. Trust me.

Ich meine damit nicht, dass man Sex und alles was damit zu tun hat wieder tabuisieren sollte. Das wäre ein Rückschritt. Aber wir alle sollten uns darauf besinnen, worum es beim Sex geht: zwei Menschen, die sich – Liebe hin oder her – körperlich anziehen, die sich riechen können und sich geil finden. Biologie, Trieb, Natur. Und das betrifft diese beiden Menschen und sonst niemanden.
Natürlich darf sich jeder selber aussuchen, wie offen er oder sie damit umgehen will, es liegt mir fern, jemandem meine persönliche Meinung aufzuzwingen.
Aber doch, wir sollten uns fragen, wieviel Intimität wir des Tabubruchs zuliebe opfern wollen. Gewisse Dinge werden entzaubert, wenn sie zu sehr thematisiert und zerredet werden, und dazu gehört meines Erachtens nach auch der Intimbereich.

Wer Englisch kann, kann hier noch eine Meinung nachlesen.

 


*Dieser Absatz wurde nachträglich ergänzt (17.07.)

 

10 KOMMENTARE

  1. hey,

    ich sehe das genauso, bei echter Leidenschaft sollten ein paar Haare nicht im Wege stehen. Davon mal abgesehen hätte ich als Mann schon gern das Gefühl mit einer erwachsenen Frau zu schlafen und ich spräche jetzt nicht von einem 70er Jahre Busch, sondern von ein gepflegten Gesamtbild. Und die Tendenz sich vaginal operieren zu lassen, ist in meinen Augen nur der Versuch an der vergangenen Jugendlichkeit fest zu halten.
    In diesem Sinne, Frauen dieser Welt steht zu eurer Weiblichkeit und seit Frauen keine Mädchen…

    Liebe Grüße
    Christian

  2. Liebe Lena,
    das ist nun in kurzer Zeit der zweite Artikel den ich von Dir lese und ich muss sagen, Du wirst mir immer sympathischer 🙂
    Auch ich (tüp, 30), kann der ganzen Enthaarung nichts abgewinnen (weder bei Frauen, noch bei Männern), von operativer normierung der vielfalt des menschlichen phaenotyps mal ganz zu schweigen.

  3. Kann den Trend auch nicht nachvollziehen. Bei mir ist es sogar umgekehrt. Mir gefällt der natürliche Look, komme mir aber seltsam vor meine Partnerin um das auslassen der Rasur zu bitten. Durch die Konvention fühlt sie sich auch gezwungen es trotzdem zu machen. Es könnte ja jemand denken man sei ungepflegt.

    • Je nachdem, wie lang Du schon mit Deiner Partnerin zusammen bist, warum fragst Du sie nicht einfach?
      In einer festen Beziehung darf und soll man solche Themen ruhig besprechen…
      Ich finde ja bloß, dass die Thematisierung des Intimbereichs direkt zu Anfang, bei einem ersten Körperkontakt, einfach zu früh ist. Jede Beziehung, jeder Mensch ist ja anders.
      Wenn ich Du wär, ich würd sie einfach fragen! Man muss ja nicht direkt gleich den ganzen Busch wachsen lassen! Halt ’n bisschen mehr, zum Ausprobieren. Sollte sie das nicht wollen, müsstest Du allerdings damit leben… Darauf zu bestehen wäre dann wieder respektlos.

  4. Hej Lena Mandarina,

    ich mag Deine Texte auch. Und zum Thema selbst gibt es nicht mehr zu sagen, als dass Mensch den Menschen annehmen sollte, wie er ist. Mit oder ohne Haare, das ist doch so egal (Im Übrigen könnte man die gleiche Diskussion auch über Tattoos führen). Du hast vollkommen recht. Wem die Geschlechtsteile des anderen nicht passen, der hat sie nicht verdient.

    Aber um eines möchte ich Dich bitten. Sag nicht mehr „Mumu“, wenn Du die Vagina meinst. Dieses schönste und (vermutlich) empfindlichste aller weiblichen Körperteile hat eine solche sprachliche Diskreditierung einfach nicht verdient. Und schon gar nicht von einer gestandenen 40 jährigen Frau.

    P.S. Antwortet Ihr hin und wieder auch auf Kommentare oder ist das hier eher so wie bei der Tagesschau? *provokativdieaugenzusammenkneif* ;o)

    • Erst einmal: danke für die Blumen, und es freut mich kolossal, dass meine Texte Anklang finden!
      Hinsichtlich der „Mumu“: ich mag das Wort und finde „Vagina“ wiederum (so rein vom Klang her) total hässlich. Also, so leid es mir tut: agree to disagree… Selbst „Muschi“ finde ich schöner als „Vagina“, das klingt total hölzern und medizinisch. Nicht persönlich nehmen, tu ich ja auch nicht, aber das ist einfach Geschmackssache, denke ich! 😀

  5. Hmm, wenn Menschen es unbehaart schöner finden, oder sich die Schamlippen verkleinern lassen wollen, weil sie z.B. nach vier Kindern eine jugendlichere „Mumu“ (gute Wortwahl übrigens, keine Ironie) haben wollen, dann ist das nicht „SCHULD DER PORNOS/PATRIARCHIE/INDUSTRIE!!!11 🙁 “ sondern erstmal ihr freier Wille. Und den können sie im Jahre 2015 auch ausleben und durch Angebote von Ärzten etc. erfüllen lassen. Ich habe meine Freundin bei einem unserer ersten Dates gefragt, ob es für sie OK wäre, sich zu rasieren, da es mir besser gefällt. Ihre Antwort war „klar, wenn Du möchtest gerne“. Kein Affentheater mit „aus dem Bett schmeißen, weil das ja so chauvinistisch ist“ oder ähnlicher Quatsch.
    Ich muss dazu sagen, dass ich meinen Intimbereich aber auch rasieren würde, wenn meine Freundin das wünscht (was sie nicht tut, da er ihr getrimmt besser gefällt.)

  6. Schön geschrieben…gerade auch den gesundheitlichen Aspekt …ob rasur oder waxing..es entstehen mikroverletzungen duch die viren und bakterien tollen zugang haben und im feuchtwarmen ambiete toll gedeihen …von pilz bis sepsis…gerade auch in verbindung mit string tangas die darmbakterien schön eng anliegend vom darmausgang beim bewegen zur genitalzone wie ein fliessband befördern …haare sind auch schutz und sinnesorgane die zum einem ständige Reizung durch kontakt vermindern anderseits köeinste berührungen toll weiterleiten …berührungen die wie das schwingen eines insektenflügels sind und auf einer haarlosen haut völlig verpuffen …vo..sinnder schamhaare als filter als auch pheromonsammelgebiet ganz zu schweigen.das.sich körperhaare in den gebieten mit der höchsten schweissdrüsenkonzentration gehaltem haben macht auch sinn …sie leiten den schweiss weg von der empfindlichen haut und nehmen.gleichzeitig pheromone auf…alles auf handy geschrieben ..entschuldigt also die fehlende gross schreibung …grammatik …kommasetzung und einge fehler .

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