Xatar – Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir (Buchvorstellung)

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Ich bin direkt mal ehrlich. Ich hab keine Ahnung, wie man eine Buchrezension schreibt. Deshalb steht auch “Buchvorstellung” im Titel. Ob das allerdings der richtige Ausdruck für das ist, was jetzt folgt – auch keine Ahnung. Egal.

Immer häufiger werden wir Blogger mittlerweile ja wie halbwegs normale Publizisten/Journalisten/Schreiberlinge wahrgenommen. Mit diesem immer deutlicher erkennbaren Trend im Hinterkopf wandte ich mich vor einigen Wochen auf gut Glück an den riva-Verlag, über den heute am 12.10. Xatars Autobiographie erscheint: Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir.

Wenige Minuten nach meiner E-Mail-Anfrage an eine anonyme Info-E-Mail-Adresse von wegen “könnte ich evtl. mal in einen Auszug reinschauen” hatte ich schon eine Antwort erhalten. Eine äußerst freundliche Dame hatte mir direkt das komplette Buch als PDF-Anhang zugeschickt. Der einzige Haken: Stillhalten bis zur Veröffentlichung – verkraftbar.

Jetzt, nach der Lektüre des Buchs, habe ich glaube ich die richtige Bezeichnung für die Dame, die sich gegenüber einem dahergelaufenen Blogger-Otto wie mir so dermaßen korrekt verhalten hatte: Stabil. Stabile Head Of Public Relations.

Xatar: Ein stabiler Autor

Die Idee liegt nahe, so eine Rapperbiographie mit einem Listicle abzuhandeln, das Buch wegen mangelnder Relevanz oder schwachem Inhalt zu verreissen – oder dem Schuster direkt zu raten, bei seinen Leisten zu bleiben. So ein Artikel wäre gut geteilt worden und evtl. seinerseits von anderen verrissen worden. Vielleicht hätte sogar der Beefträger bei uns vorbeigeschaut – und ihr wisst: Any press is good press und so.

Xatar - Alles oder Nix: Bei uns sagt man, die Welt gehört dir (Buchvorstellung)Leider kann ich einen solchen öffentlichkeitswirksamen Verriss genauso wenig liefern wie ein pseudo-lustiges Listicle. Das Buch hat mich großartig unterhalten. Auf den ersten Seiten überlegte ich noch, ob das so eine gute Idee von Xatar war, die Schreibarbeit – wie er es in Interviews immer wieder betont hatte – ziemlich unbeeinflusst von Lektoren, Co-Autoren und sonstigen “Helfern” zu erledigen. Allerdings hatte ich mich ziemlich schnell an seine Schreibe gewöhnt und stolperte nur hin und wieder über Ausdrücke, die in Raptexten nicht auffallen, aber so schwarz auf weiß doch erst einmal merkwürdig anmuten. “Stabil” war einer davon. Die unkonventionelle Herangehensweise an sein Buchprojekt (so ganz ohne nennenswerte Hilfe, obwohl der schreibarfahrene Staiger als Co-Autor bestimmt mit von der Partie gewesen wäre) und die spezielle sprachliche Ausdrucksweise hat mir im Verlauf des Buches vor Augen geführt, dass Xatar nicht nur ein erfolgreicher Labelboss und einer der großen Gangsterrapper in Deutschland ist, sondern ganz nebenbei auch noch ein stabiler Autor.

Gaaaanz zu schweigen von den ganzen anderen Jobs, die der Mann im Laufe seines Lebens bis jetzt zumindest zeitweise großartig gemacht hat: Drogendealer, Goldräuber, Knastschmuggler, knastinterner Sozialarbeiter, Internetcafebetreiber…

Da ich davon ausgehe, dass sich die Berichterstattung über das Buch überwiegend um die tatsächlich hochgradig spannende Lebensgeschichte Xatars drehen wird, möchte ich darüber gar nicht groß anfangen.

Wer sich nicht so sicher ist, ob die Lebensgeschichte von Xatar genug für eine Autobiographie hergibt, kann sich davon im großartigen (übrigens online verfügbaren) Juice-Interview mit Xatar überzeugen, das Staiger 2012 mit ihm im Knast führte. Spolier Alert: Ja. Gibt genug her.

“Der Pate” von Mario Puzo war ein Buch, das mich vor ein paar Jahren ähnlich in seinen Bann gezogen hat. Genau wie damals mit den Figuren im Mafia-Epos versank ich in den letzten Tagen relativ schnell mit Xatar und seinen Jungs in einer Welt, in der Ehre, Gesetz und Zugehörigkeit/Heimat unter Vorzeichen diskutiert (bzw. hingenommen) werden, die einem plötzlich absolut logisch vorkommen. So lange, bis man gemeinsam mit dem Protagonisten auf die Schnauze fällt. Um dann gemeinsam auf Orientierungssuche zu gehen: um in einer der in Deutschland zur Auswahl stehenden Parallelgesellschaften was Neues zu starten.

Das Buch gibt’s seit heute für knapp 20 Ocken auf Papier und ist seinen Preis locker wert. Spart euch lieber die saudämlichen Gimmicks der Premiumboxen von irgendwelchen Kasperle-Rappern und investiert die Ersparnis in eine komplett abgefahrene, spannende, grandios unterhaltsam erzählte (Lebens)Geschichte.




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