Hupen ( . ) ( . ) statt Hetze! Interview mit Matthias Weidenhöfer

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Wie verneigen uns ehrfürchtig vor seiner Heiligkeit, dem Fotografen Olli Waldhauer. Wir lobpreisen ihn und huldigen ihm an dem soeben erbauten Altar!

Der hatte nämlich mal eine lange lange lange überfällige Idee, machte ein Bild und lud es auf Facebook. Gleichzeitig teilte er es über wetransfer und stellte es dort zum Download bereit.

Hier das Bild:

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Ich denke, wir alle haben schon mal versucht, Seiten mit fragwürdigem Inhalt bei Facebook zu melden und sperren zu lassen. In 9 von 10 Fällen ist das nicht von Erfolg gekrönt, weil die betreffenden Seiten “nicht gegen unsere Community-Standards verstoßen.” (Sehr aufschlussreich beschrieben wird das Problem hier.)
Aber lass mal einen Hauch von einem weiblichen Nippel sehen und Facebook kriegt Schnappatmung und sperrt die Timeline. Verlogener und heuchlerischer geht’s kaum. Da wundert es auch nicht, dass man, wenn man auf den betreffenden Link auf Facebook klickt, folgende Meldung erhält:

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Aber das Internet wäre nicht das Internet, wenn man nicht auf anderen Wegen zum Ziel käme. Daher auch der wetransfer-Link.

Es ist frustrierend, wenn man offen zur Schau gestellten Fremdenhass “ertragen” muss, weil Facebook keinen Handlungsbedarf sieht, weibliche (und zwar nur weibliche) Brüste aber gegen die sogenannten Gemeinschaftsrichtlinien verstoßen.

Und zu sagen, “Ich ignoriere die Hater einfach, gebe denen schlicht keine Plattform!” ist auch keine Lösung.
Das hat Anja Reschke vom NDR schon im August festgestellt.
Es heißt jetzt Mund aufmachen, Haltung zeigen, Zivilcourage an den Tag legen. Solange diese Hater immer noch massig Likes einheimsen, darf niemand den Mund halten. Vorausgesetzt er oder sie will ruhig schlafen.

Es wird uns schwer gemacht auf Facebook, das hat unlängst Micky Beisenherz zu spüren bekommen, der verbal gegen einen Hater vorging und prompt gesperrt wurde.
Dann traf sich der Justiz- und Verbraucherschutzminister zum Gespräch mit Facebook. Jetzt will Facebook Mitglied der Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter (FSM) werden. Außerdem will Facebook eine “Task-Force zum Umgang mit Hassreden im Internet” ins Leben rufen.

Ob und in wieweit diese Maßnahmen greifen werden, bleibt abzuwarten.
Ich glaub es erst, wenn ich es sehe.
Und in der Zwischenzeit sollten wir, die wir auf Facebook sind, alle das Foto teilen. Hier der wetransfer-Link.

Interview mit Matthias Weidenhöfer

UPDATE: ich hatte das männliche Model des Fotos, den Schauspieler Matthias Weidenhöfer, über Facebook mal angesprochen, ob ich ihm zu der Aktion ein paar Fragen stellen darf. Durfte ich. Hier also das Kurzinterview:

Wie kam es zu der Aktion?

Ich hatte mit Olli Waldhauer vor ein paar Tagen neue Schauspielerfotos gemacht. Er erzählte mir davon, dass er diese Aktion machen wollen würde und dafür eine Frau bräuchte, die ihre Brüste zeigen würde. Da fiel mir sofort Leila ein, die ich aus ihrer Arbeit mit Oliver Rath kenne. Ich rief sie an und sie fand die Aktion cool. Sie schaufelte sich ein kleines Zeitfenster frei, in dem wir das Bild dann sehr zeitnah umsetzen konnten. Olli hat die Location klargemacht und Noël Dernesch hat sich um die Brille und die Socken gekümmert. Am nächsten Tag war das Bild fertig bearbeitet online und nicht mehr wegzudenken.

Hast Du selbst schon versucht, derartige Hate Speech-Seiten sperren zu lassen und musstest frustriert aufgeben?

Ja, ich habe tatsächlich mal die NPD Seite gemeldet – selbstverständlich erfolglos. Aber bei meinen 5.000 FB Freunden konnte ich immer mal wieder ausselektieren, indem ich sie bloßgestellt habe und deren Kommentare abfotografiert, kommentiert und als Bild veröffentlicht habe. Diese Aktion hat mich bestimmt 50 FB Freunde gekostet, von denen die Top 10 der blödesten auf meiner Timeline veröffentlicht sind.

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Screenshot von Matthias Weidenhöfers Handy

 

Wie sollte man dieses Problem Deiner Meinung nach handhaben?

Mir ist es ein Anliegen, FB darauf aufmerksam zu machen, bzw. die Frage in den Raum zu stellen, ob es nicht möglich ist, einen Algorithmus zu entwickeln, der Hassreden überprüft. Sodass, wenn das Wort Kanake zum Beispiel geschrieben wird, von FB überprüft wird, in welcheleim Zusammenhang es steht. Ob jemand zum Beispiel schreibt: Kanake heißt nur Mensch und das dann einfach nach Überprüfung erlaubt sein darf. Bei Nacktheit genauso: ist ein Bild Kunst oder Pornographie…
Die Menschen, die so denken vom Gegenteil mit Argumenten zu überzeugen ist glaube ich aussichtslos. Aber für junge Menschen ist es doch wichtig, so einen Irrsinn nicht auf FB zu lesen zu bekommen.

Was ist es für ein Gefühl, auf einem massenhaft verbreiteten Foto zu sein, ohne dass irgendjemand davon Notiz nimmt? Glaubst Du, sie haben zuerst das Schild gelesen oder die Brüste bewundert?

Die Menschen erkennen mich nicht immer, und das war mir auch wichtig. Ich habe ein künstliches Gebiss drin, meine Frisur und der Bart sind anders. Es geht ums Resultat und nicht um meinen Fame. Aber ich übernehme jetzt Verantwortung dafür und lebe damit, dass FB mich immer wieder sperrt. So kann ich jetzt zum Beispiel 24 Stunden lang nichts mehr posten. Totaler Quatsch.

24 Stunden gesperrt - wegen Nippeln
24 Stunden gesperrt – wegen Nippeln

Was hast Du für Reaktionen bekommen? Wurdest Du verbal angegriffen? Wie wehrst Du Dich gegen solche Hater?

Ich habe keine Hater.

Würdest Du es wieder tun?

Ja!

Wer genau nachlesen will, mit was für Kommentaren sich Matthias Weidenhöfer auseinandersetzen musste, kann das hier tun.


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