Ganz große und ganz grottige James Bond Songs

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Wie findet ihr Sam Smiths „Writing’s On The Wall“? Der Titeltrack des neuen James Bond Films „Spectre“ ist extrem umstritten – aber gehört diese Kontroverse nicht dazu, wenn ein neuer Bond in die Kinos kommt?

Groß oder grottig?

Sam Smith a.k.a. King Of Kopfstimme a.k.a. Haircut a.k.a. Eyebrows gibt sich auf „The Writing’s On The Wall“ hochgradig erwartbar. Niemand dürfte extrem überrascht vom neuen Bond-Song sein. Empören kann man sich ja trotzdem: In der FAZ kürte man den Song zum zweitschlechtesten 007-Titelsong der Neuzeit, bei den Kollegen vom Spiegel ist die Rede von einer „großen Enttäuschung“ und auch beim Guardian werden dem Vorgänger „Skyfall“ Tränen nachgeweint, statt sich mit dem Neuen anzufreunden.

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Und tatsächlich dürfte vielen HörerInnen spätestens nach 120 oder 180 Sekunden der Gedanke durch den Kopf gegangen sein, „äh, wann geht’s denn jetzt so richtig los?“, aber nichts. Die 4 Minuten und 39 Sekunden enden so vergleichsweise ruhig und melancholisch, wie sie anfangen. Und davon dürften vor allem die überrascht gewesen sein, die bisher vielleicht nur Sam Smiths bis dato größten Hit „Money On My Mind“ gehört haben und Disclosure (die Produzenten des Songs) von Tracks wie „When A Fire Starts To Burn“ kennen:

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Die relativ frische Koproduktion des Teams Sam Smith & Disclosure „Omen“ zeigt, dass sie durchaus auch anders können. Aber wie groß wäre der Aufschrei gewesen, hätte der neue Bond Song auch nur annähernd so geklungen wie „Omen“?

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Kurz und knapp: Der Auftrag, einen Bond Titelsong zu liefern, beschwert dir als Künstler auf jeden Fall schlaflose Nächte. Wie du’s machst, du machst es verkehrt:

  • Lieferst du einen klassischen, an die gute Alte Zeit angelehnten Track, wird dir Einfallslosigkeit vorgeworfen.
  • Lieferst du ein innovatives Ding mit Anleihen aus aktuell gehypeten Genres, wird dir Respektlosigkeit vor den Klassikern vorgeworfen.
  • Und dann gibt’s noch den Mittelweg dazwischen. Da hagelt’s dann missmutige Kommentare, weil du nicht mutig genug warst, dich für die eine oder die andere Richtung zu entscheiden.

Sam Smith und Disclosure waren mit ihrem angeblich innerhalb von nur 20 Minuten geschriebenen „Writing’s On The Wall“ eigentlich ziemlich mutig: Über drei Minuten lang Verletzlichkeit zu besingen für einen Film, dessen Protagonist seit mehreren Jahrzehnten immer wieder sprunghaft verjüngt wird und weder durch Kugeln noch durch Herzschmerz totzukriegen ist – und das mit allerkopfigster Kopfstimme und ohne ein Crescendo als Gegengewicht zur ruhigen Grundstimmung?

Ob sich der Mut gelohnt hat, werden wir mit der Zeit sehen. Genau wie bei eigentlich allen Titelsong-Vorgängern, von denen ich hier noch ein paar besonders große/grottige in Erinnerung rufen möchte:

2008: Jack White und Alicia Keys – Another Way To Die

Ja, die beiden haben einen Bondsong gemacht – und das vor gar nicht allzu langer Zeit. Trotzdem erinnert sich keine Sau dran. Zurecht. War ja auch Mist. War aber auch nur eine Alternative, das Duett. Das Duo, das ursprünglich (ebenfalls) in Erwägung gezogen wurde, konnte leider nicht liefern:

Amy Winehouse und Mark Ronson, das Erfolgsduo hinter Amys „Back To Black“ Album, hatten Ronsons Aussagen zufolge an einer Demo gearbeitet. Später musste Ronson einräumen, dass sie ein Wunder bräuchten, um das Ding jemals fertigzustellen. Rechtliche Komplikationen, Drogen und private Probleme machten es Amy im Mai 2008 unmöglich, ordentlich zu arbeiten, geschweige denn einen Song und die Promo dazu zu liefern. Tja, schade. Das Winehouse/Ronson Produkt wäre mit Sicherheit einprägsamer geworden.

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Ach ja, und noch was: War das wirklich sinnvoll, den Titeltrack für „Quantum Of Solace“ mit einem Titel zu kennzeichnen, der seinerseits wieder klingt als sei es der Name eines Bond Films?

Fazit: Damals grottig, heute grottig.

2006: Chris Cornell – You Know My Name

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Was ist das für ein Song? Was ist das für ein Typ? Ja, der Casino Royale Soundtrack war auch so ein bisschen vergessenswert. Und das, obwohl der Song das original Bond-Theme den ganzen Film hindurch komplett ersetzte, was die Unerfahrenheit des Protagonisten noch unterstreichen sollte. Erst zum Abspann gab’s das originale Bond Theme zu hören.

Dass man sich im Vorfeld des Relaunch der Bond Franchise im Jahr 2006 dazu entschied, sich als musikalisch Verantwortlichen ausgerechnet den Frontmann von Soundgarden ins Boot zu holen, kann eigentlich nur ein Hirnfurz alter, weißer Männer in Anzügen gewesen sein:
„Hey, jetzt mal Butter bei die Fische, wir brauchen für den Daniel Craig was Frisches, so musikalisch gesehen!“ – „Ja, auch Bond als Typ soll diesmal ja jung und wild rüberkommen!“ – „Was ist denn grade hip, was hören die jungen Wilden?“ – „Gib halt mal >>Teen<< und >>music video<< bei Lycos (Anmerkung der Redaktion: Suchmaschine aus grauer Vorzeit) ein!“ – „Nirvana – Smells Like Teen Spirit, au ja, das klingt knackig, rockig und jung, sehr gut…bisschen düster vielleicht, warte, ich recherchier‘ die mal…oh…der Sänger ist tot. Aber das Genre ist Grunge, ich guck‘ mal, wer noch son modernes Zeugs macht – oh, hier, we’ve got a winner!“

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Fazit: Damals irgendwie OK. Heute grottig. Sehr vergänglich.

1997: Moby – James Bond Theme

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Der Song war gar nicht der offizielle Song zum Film „Tomorrow Never Dies“ – der gleichnamige Song wurde damals von Sheryl Crow relativ souverän abgeliefert. Auf mich als 12jährigen machte damals aber dieser saublöde Moby Song mit dem mega dämlichen Videoclip natürlich viel mehr Eindruck. Beim örtlichen Multimediafachhandel besorgte ich mir die Single, die das Original und fünf schwache, einander dafür umso ähnlichere Remixe enthielt. Hätte ich mir damals stattdessen Süßigkeiten im Wert der Maxi-CD gekauft, wäre das wohl die für Körper und Geist gesündere Entscheidung für meine Zukunft gewesen.

Fazit: Damals hip (nicht zu verwechseln mit „groß“). Heute grottig.

1995: Tina Turner – GoldenEye

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Keine Ahnung, wie Tina das gemacht hat. Aber bei GoldenEye stimmt irgendwie alles. Der Song war damals nicht nervig und daran hat sich auch über die Jahre nichts geändert. Der Film war der erste für Pierce Brosnan in der Rolle als James Bond und der erste Bond mit einem dazugehörigen Videospiel auf einer eigentlich eher auf Kinder zugeschnittene Spielekonsole: 007 GoldenEye for Nintendo 64. Trotz vieler Firsts – der Song hält sich vornehm zurück und ordnet sich artig zwischen die anderen großen ein.

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Fazit: Damals groß. Heute groß.

Der Soundtrack zum Spiel ist übrigens aus heutiger Sicht nur was für Hartgesottene. Die Messlatte in Sachen musikalische Begleitung von PC- und Konsolenspielen hat sich seit 1997 doch ein ganzes Stück weit nach oben verschoben.

1985: Duran Duran – A View To A Kill

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Was haben Duran Duran unter den Fittichen von Filmkomponist John Barry da für ein wahnwitziges Soundungetüm erschaffen? Wie viele drum machines mussten wohl ihr Leben im Fingerhagel lassen? Phil Collins, der sich damals mit seinem Album „No Jacket Required“ weltweit in den Album Charts tummelte, muss richtig neidisch gewesen sein. Dessen „Sussudio“ war übrigens in den Billboard Charts auf Platz 1, bevor vom 13. bis zum 20. Juli 1985 Duran Duran mit ihrem Bond Song eine Woche (Du)ran durften.

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Fazit: Damals groß. Heute bestimmt für Viele grottig. Nicht für mich. Eine Aussage wie „zu viele elektronische Trommelsounds“ wird meine Lippen mein Leben lang nicht verlassen.

1971: Shirley Bassey – Diamonds Are Forever

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Das Ding war und ist immer noch der Shit. Musikalisch passt der Track optimal zum dazugehörigen 007 Film. Das war nicht wirklich verwunderlich, da Shirley auch schon für „Goldfinger“ grandios abgeliefert hatte. Allerdings ergibt „Diamonds Are Forever“ auch völlig filmunabhängig Sinn und hat dementsprechend ein deutlich vitaleres Eigenleben entwickelt, als die meisten anderen Bond Songs:

Die Sample-Datenbank „WhoSampled“ listet 35 Songs, deren Interpreten sich kleiner oder größerer Soundschnpisel aus Shirley Basseys Song bedient haben, um daraus mehr oder weniger eigenständige Songs zu machen: Kool G Rap, Dead Prez, Meek Mill mit Rick Ross, Nicki Minaj und dann natürlich noch Kanye West mit seinen „Diamonds From Sierra Leone“:

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Fazit: Damals groß. Heute groß.

1996: Louis Armstrong – We Have All The time In The World

Wenn der dazugehörige Film „On Her Majesty’s Secret Service“ nicht von Anfang an so gehasst worden wäre, wäre der Song wohl einer der ganz Großen geworden. Leider konnte sich niemand so richtig mit George Lazenby anfreunden, was mit daran gelegen haben dürfte, dass er in seiner Rolle am Ende des Films in Tränen ausbricht. James Bond und Gefühle? Ging 1969 natürlich noch kein Stück klar. Heute wäre ja sogar ein hysterisch schluchzender Bond mit Vollbart, V-Ausschnitt und Skinny Jeans durchaus denkbar.

Der Film steht mittlerweile nur noch im Schatten des großen Erfolges von „We Have All The Time In The World“: Iggy Pop, die Fun Lovin‘ Criminals und viele mehr haben ihn gecovert. Louis‘ Originalversion ist einer BBC Umfrage von 2005 nach der am dritt häufigsten gespielte Song bei Hochzeiten. Dazu gehört der Song noch zum absoluten Spätwerk Louis Armstrongs, der zur Zeit der Aufnahme krankheitsbedingt schon nicht mehr in der Lage war, Trompete zu spielen. John Barry, der auch diesen Song komponieren durfte, begründete im Nachhinein seine Interpretenwahl damit, dass Louis dem Titel die gebotene Ironie würde verleihen können. Makaber, aber korrekt.

Fazit: Damals unterbewertet. Heute zweifelsohne groß.

2 KOMMENTARE

  1. Am besten kommt Another Way to Die von Alicia Keys für James Bond 007 zur Geltung! Es passt einfach! Aber die Klassiker sind auch noch als Ohrwurm vorhanden

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