Ohne Ad-Blocker unterwegs? Wie fahrlässig!

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Peter hat kürzlich auf die nächste Schlacht im Krieg der Adblocker-Fraktion gegen die Werbeindustrie und Content-Anbieter hingewiesen und dabei noch einmal seiner Position Nachdruck verliehen.

Dieser Krieg, der sich gerade in seiner heißen Phase befindet, wird sehr wahrscheinlich nicht von der Werbe- oder Content-Industrie gewonnen werden, so wie auch der Krieg der Anti-Malware und Anti-Virenindustrie gegen Produzenten von Viren und Exploits als verloren gilt. Zu mannigfaltig sind die Einfallstore auf einem Rechner und zu sorglos die Menschen die ihn bedienen.

Vorweg sollte ich erwähnen, dass ich mit Peters Postionen (Punkt 1 und 4) durchaus sympathisiere und das Problem anerkenne, welches hier benannt wird. Die Produktion von Inhalten, welcher Cou­leur auch immer, kostet Zeit = Geld.

Ein Aspekt der mir allerdings bei den Blogrebellen (aber auch an anderen Stellen) deutlich zu kurz kommt, ist die Frage nach der Sicherheit meines Rechners. Ständig wird also von verschiedensten Fraktionen in der aktuellen Debatte gefordert, dass ich auf meinem Rechner – als Bezahlung für Inhalte – fremden Code ausführe und mich mit Servern und Netzwerken verbinde, die ein ums andere mal bösartigen Code ausführen wollen und meine Privatsphäre verletzen.

Nein! Ich bin dazu nicht bereit!

Klar, es gibt andere Einfallstore in meinen Rechner, aber IT-Security funktioniert nun mal in der Regel nach dem Zwiebelschalenprinzip. Jede Schicht erhöht den Aufwand für einen Angreifer einen erfolgreichen Angriff durchzuführen. Einen Ad- und Tracking-Blocker zu installieren ist nur eine Maßnahme unter vielen um die Angriffsfläche auf einen Computer zu minimieren.

Polemisch könnte ich gar formulieren, dass der Anbieter einer Webseite durch das Einbinden eines möglicherweise gehackten Werbenetzwerks auf seiner Seite Beihilfe zum Grundrechtsbruch leistet, nämlich Bruch des Grundrechts auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme. Das trägt juristisch sehr wahrscheinlich nicht, ich erwähne aber diesen Gedanken hier zum Zwecke des Perspektivenwechsels.

Wir haben es als Gesellschaft im frühen Internet nicht geschafft, für Konsumenten und Produzenten akzeptable Modelle für die Bezahlung von Inhalten zu entwickeln. Diese Entwicklung ist nicht umkehrbar und Sie führt zu schwindenden Gewinnen. Den Nutzer jedoch zu bekämpfen und ihn zu zwingen mit der Gefährdung seines Computers oder mit Daten zu bezahlen halte ich aber nicht für gangbar und auch nicht für erfolgversprechend.

Die VG Wort schickt sich ja in den letzten Jahren an, ein Image ähnlich dem der GEMA zu erwerben und ist damit noch nicht einmal erfolgreich im Sinne der von ihr vertretenen Verlage.

Ich sage nicht, dass das Finden solcher Lösungen einfach ist. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es überhaupt möglich ist, doch am ehesten billige ich noch den Modellen eine Chance zu, die wir uns gemeinsam als Gesellschaft leisten wollen, weil wir Meinungspluralität schätzen und wollen, dass die Medien ihrer Funktion als 4. Gewalt im Staat hinreichend gerecht werden. Eine Steuer, eine “Kulturflatrate”, you name it – das wären Ideen, die ich für brauchbar halte.

Ich würde mir letztlich wünschen, dass wir die Debatte insgesamt konstruktiver führen, statt aggressiv, polemisch und zunehmend destruktiv.

Thomas Dalichow

 


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2 KOMMENTARE

  1. Ich kann das Gejammere wegen AdBlockern echt nicht mehr hören. Einen AdBlocker zu benutzen heißt für mich in erster Linie, dass ich mich vor Verseuchung meines PCs/Laptops mit Malware von gekaperten Ad-Servern zu schützen versuche. Webseitenbetreiber handeln in meinen Augen grob fahrlässig, wenn sie JavaScript und was weiß ich nicht alles von irgendwelchen fremden Servern auf die Rechner ihrer Besucher laden und ausführen. Hinterher übernehmen sie ganz sicher keinerlei Verantwortung dafür.

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