Das „Recht auf freie Meinungsäußerung“ gilt auch für Meinungen über Meinungen

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Aus aktuellem Anlass: Meinungsfreiheit heißt auch, dass du Meinungen zu deiner Meinung aushalten musst. Das galt im Januar dieses Jahres genau so, wie heute. Wer auch immer die feigen Angriffe in Paris medienwirksam für seine Ideologie instrumentalisieren möchte, darf das natürlich. Auch Matthias Matussek.

Dieser früher mal als intellektuell geltende Föijetong-Schreiberling, der noch während der Ereignisse in der Nacht von Freitag auf Samstag seine Meinung begleitet von einem Grinse-Smiley kundtat. Der durfte das. Matthias Matussek durfte seine absurden Emotionen mithilfe des fröhlichen Grinsegesichts in die Welt hinausposaunen. Der durfte zwei voneinander unabhängige Themen seiner Gesinnung gemäß miteinander vermengen.

Meinungsfreiheit

Und sein Chef durfte ebendiese Meinungsäußerung als „durchgeknallt“ bezeichnen. Ebenso durfte der eigentlich unbeteiligte krankhaft mitteilungsbedürftige Propaganda-U-Turner eine seiner vielen Meinungen zu den Aussagen äußern: „ekelhaft“. Und @jessenphil durfte seine Meinung zur Meinung äußern:

Die Meinungsfreiheit hört nämlich nicht auf, sobald du deine Meinung losgeworden bist. Das Recht auf freie Meinungsäußerung bezieht sich auch auf Meinungen über fremde Meinungsäußerungen – über fremde Meinungsäußerungen – über fremde Meinungsäußerungen etc etc etc. Das Recht auf freie Meinungsäußerung schließt sogar mit ein, dass deine Meinung durchaus sein darf, dass jemand deine Meinungsfreiheit durch seine Meinung einschränkt. Nur ist das halt Quatsch. Die Meinung eines anderen Diskursteilnehmers zu deiner Meinung schränkt dein Recht auf freie Meinungsäußerung nicht ein. Im Kontext der aktuellen Geschehnisse in und um Paris heißt das: So unreif, unüberlegt und unfundiert manche Meinungen sind – erlaubt ist alles. Jan Böhmermann darf sich fragen, ob man früher mal als intellektuell geltende Föijetong-Schreiberlinge, die noch während der Ereignisse in der Nacht von Freitag auf Samstag ihre Meinungen begleitet von einem Grinse-Smiley kundtaten, als „dumme Arschlöcher“ (Frage 17 der 100 Fragen) bezeichnen darf. Wobei es wohl definitiv 100% legal gewesen wäre, die Meinung als dumm zu bezeichnen. „Arschloch“ als Bezeichnung für den Urheber der Meinung ginge trotz inflationärer Nutzung der Vokabel kontextunabhängig erst mal Beleidigung nach § 185 Strafgesetzbuch durch. Das ist übrigens meine Meinung als wenig ambitionierter Wikipedia-Rechts-Rechercheur. Das alles sollte eigentlich klar sein. Ist es aber scheinbar nicht. Immer wieder echauffieren sich Menschen (übrigens logischerweise immer diejenigen, die nicht mit negativem Feedback irgendwelcher Provokateure d’accord sind) darüber, dass die Meinungsfreiheit in Gefahr sei:

Nein, Matthias Matussek, der ehemals relevante Föjetong-Vollhorst (der demnächst wahrscheinlich einen von compact und pi-News umjubelten Hassbestseller veröffentlichen dürfte) hat die „geschützte Meinungsfreiheit“ nicht „überschriften“. Auch überschritten hat er sie nicht. Hat auch gar keiner gesagt. Und selbst wenn jemand dem hassgeblendeten Scheinintellektuellen derartige Vorwürfe machen würde: Auch diese Vorwürfe wären je nach Formulierung erlaubt.*

Und damit wären wir dann bei Jan Böhmermanns 100ster Frage:

100. Möchte ich lieber in einem Land leben, in dem ich alle Fragen stellen kann, aber nur auf wenige eine Antwort erhalte oder in einem Land, in dem ich nur wenige Fragen stellen darf, die aber beantwortet bekomme?

Ersteres. Bitte Ersteres. So reizvoll es manchmal erscheint, so krankhaft hasserfüllte und widerliche Meinungen wie die des offenbar verwirrten Föjetong-Kaspers irgendwie zu unterbinden, so sehr macht die zugrundeliegende Meinungsfreiheit unsere Gesellschaft lebenswert.

Und diese Meinungsfreiheit gilt auch auf der Meta-Ebene. Und auf der Meta-Ebene da drüber. Und da drüber auch. Und so weiter.

* Wichtig im Kontext des Ganzen ist evtl. der Begriff „Tatsachenbehauptung„, der vom Begriff der „Wertung“ eindeutig zu unterscheiden ist. Bei der Äußerung des Scheinschlauen handelt es sich allerdings genau so eindeutig um „Wertung“, wie bei den beiden Stellungnahmen von Jan-Eric Peters und von crazy hipsterbeardy Startup-Medienfuzzi-Hetzer-Helfer.

Artikel-Foto von Christliches Medienmagazin pro (CC BY-SA 2.0)