Kinder, Schule, Ärger – warum ich als Mutter oft an meine Grenzen stoße

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Als Eltern, sind wir sehr oft gefordert, was den Umgang mit dem Lernen und den Schulaufgaben unserer Jungs angeht. Klar ist, dass wir einen gewissen Anspruch haben, wie; nur weil das Kind keine Lust hat, ist das kein Grund, aufzugeben. Dann wieder stehen wir oft da und fragen uns, ob wir unser Kind nicht zu sehr belasten.

Ich bin 36 Jahre alt und habe schon die verschiedensten Schulen von innen gesehen. Zum einen in meiner eigenen Kindheit, da wir viel umgezogen sind und zum anderen mit meinen eigenen Kindern, weil ich mir viele Grundschulen von innen angesehen und dort auch hospitiert habe.

Die plurale Gesellschaft und wir als Eltern

Während in meiner Kindheit sowas wie ein Lernklima existierte und Klassenclowns oder Kids mit Auffälligkeiten zwar da waren, aber nicht so sehr im Mittelpunkt standen, so sehe ich gerade in der Klasse 1 bis 3 eine enorme Präsenz von „sozialen Problemen“ oder besser „sozialen Herausforderungen“, die das Lernklima der ganzen Klasse beinträchtigen.
Eltern mit verschiedenen Hintergründen, wie es eben in einer Großstadt und einer pluralen Gesellschaft so ist, begegnen sich mit unterschiedlichen Vorraussetzungen und Befindlichkeiten oder eben gar nicht, weil sie andere Probleme haben.
Lehrer führen sich auf wie Unterhalter und Schauspieler, die zwischen all den unterschiedlichen Baustellen hin und her balancieren, um ja nicht das Gefühl zu vermitteln, sie hätten die Lage nicht unter Kontrolle. Sie müssen Eltern erklären können, warum es in der Klasse so laut ist und die Kinder während der Arbeitszeit rumlaufen und somit die andern stören, die lernen wollen. Während sie auf der anderen Seite mit Eltern, deren Kinder immerzu für Unruhe und Ablenkung sorgen, stets im Gespräch sind. Wenn sie Glück haben, kooperieren die Eltern, wenn sie Pech haben, werden sie ignoriert und das spiegelt sich wiederum im Verhalten von deren Kindern wider. Aber hey! Sie sind Erwachsene und das ist ihr Job, deshalb hält sich mein Mitgefühl hier in Grenzen, denn schließlich sind es die Kinder, die am meisten von inkompetenten Lehrer ein Leben lang verstört werden.
Diese chaotische Situation haben wir derzeit in der 2. Klasse unseres Siebenjährigen.

Nilo & Didi - lernen am Wochenende
Nilo & Didi – lernen am Wochenende

Neben täglichen Hausaufgaben gibt es ein Wochendiktat, eine Lesehausaufgabe. Die Kinder, die ihre Aufgaben in der Klasse nicht schaffen, bekommen diese ebenfalls mit nach Hause. Das ist für viele Eltern irgendwie ok. Denn schließlich lockt mit so einem Lernpensum eine gute Vorbereitung auf das Gymnasium, ein gutes Studium und ein guter Job. Man will schließlich nur das Beste für sein Kind.

Wir möchten erstmal, dass unsere Kinder sich wohl fühlen. Spaß am Lernen haben und ihre eigenen Fragen stellen. Das ist doch das, was Kinder gut können: Fragen stellen. Eine Stärke, die wir immer wieder unterdrücken oder überhaupt nicht mit den Lernaufgaben aus der Schule unterstützen und weiter fördern können. Ein landesweit aufgestelltes Pensum muss erfüllt werden. Schreibschrift, Zahlenraum bis 100 und schnelles Lesen. Das ist einzuhalten, wenn Kinder in die 3. Klasse kommen wollen. Rahmen, der mit verschiedenen pädagogischen Ansätzen gefüllt werden muss.

Wir als Eltern fühlen uns zwischen den Bedürfnissen unserer Kinder und dem Druck der Schule, hin und her gerissen. Auf der einen Seite, wollen wir unsere Kinder nicht unter Druck setzen und auf der anderen Seite sollen sie natürlich in der Schule mitkommen, damit sie nicht frustriert sind. Dabei stoßen wir oft an unsere Grenzen. Allerdings ist das ein Eindruck aus der bürgerlichen Gesellschaft. Luxusprobleme, möchte man vielleicht denken.

Nun gibt es diese besonderen Schulen, die für ihren schlechten Ruf bekannt sind. Die Schulen, in die man sein Kind nicht schicken möchte. Wegen dem schlechten Einfluss. Die Schulen der Problemviertel. Kinder deren Eltern in dieser Gesellschaft irgendwie nicht existieren, weil sie entweder die Sprache nicht sprechen oder mit ganz wenig Geld auskommen müssen.

Was wollen die Kinder?

Gestern habe ich mit meinem kleinen Sohn (7) den Doku-Film „Berg Fidel – eine Schule für alle“ gesehen. Ich muss sagen, sehr emotional und ergreifender Erzählstil, der von besonderen Kindern an einer besonderen Schule erzählt. Didi hat sich die Doku bis zum Schluss angeschaut und mir dann die Tränen weggewischt, weil ich so gerührt war, was ein besonderes Kind doch für Talente haben kann. (Ziemlich zum Schluss die Klavier-Szene im Aufnahmestudio)

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Demgegenüber habe ich mir mit meinem großen Sohn (11) die Panorama-Reportage „Lehrer am Limit – Machtlosigkeit im Klassenzimmer“ angeschaut. Ich hatte meinen Sohn gebeten, mir zu sagen, was er denkt, wenn er das sieht:

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„Ich hätte voll Angst vor diesen Kindern, die in der Klasse stören.“ So seine erste Aussage. „Warum? weil sie irgendwie gefährlich sind?“ Fragte ich zurück. „Ja. Weil die auch andere Kinder bestimmt verprügeln.“
Die letzte Szene, zeigt das Stadtviertel, in dem sich die Schule befindet und eine Architektur, die erahnen lässt, warum dort eine solche Stimmung herrscht. Genau darauf ist auch mein Sohn gekommen.

Was wollen die Kinder und wie können wir sie unterstützen? Ist es normal, wenn sie sich kloppen? Oder müssen wir uns über Gewalt und verschiedene Diagnosen Gedanken machen, wenn sie sich körperlich wehren? Als Mutter von zwei Jungs frage ich mich: Was tut die Grundschule besonders für Jungs?

Genderdatenreport
Quelle: Statistisches Bundesamt 2004c

Die Grundschule, aber auch die Kita, ist eine Zeit für unsere Kinder, in der sie primär mit weiblichen Pädagogen zu tun haben. Meine Erfahrung zeigt, dass die Bedürfnisse von Jungs, sich messen, sei es körperlich oder der Drang nach Bewegung oftmals unterdrückt und problematisiert werden. In unserer Schule, spricht die Direktorin z.Bsp. davon, dass Mädchen besonders gerne Schreibschrift lernen, weil es etwas Künstlerisches inne hat. Kann man so stehen lassen, oder sich die Haare raufen. Ich versuche letzteres oft zu unterdrücken. Vielleicht können das Jungs auch? Nur brauchen sie dafür andere Vorraussetzungen als still am Tisch zu sitzen?

Man darf nicht vergessen, dass Kinder viele Entscheidungen nicht alleine treffen wollen und sollten. Aber sie schicken uns täglich Signale, die -wenn wir hinsehen und hinhören- ihre Bedürfnisse erkennen lassen. Das liegt in den Händen und der Verantwortung der Eltern und in der Schule sind es definitiv die Pädagogen, die für ein gutes, ausgeglichenes Klima sorgen müssen.

Eine Frage der Identifikation

Schulen sind der Mikrokosmos unserer Gesellschaft. Im kleinen Rahmen werden wir als Familie und wiederum als Individuen vor Herausforderungen gestellt und müssen lernen flexibel, kreativ und selbstbestimmt mit ihnen klar zu kommen. Wir müssen uns strukturieren, Ziele setzen und dabei den Spaß nicht verlieren.
Eine Gesellschaft, die auf das Individuum setzt, jeden da abholen möchte, wo es steht, aber dennoch mit den Chinesen und den Indern im internationalen Vergleich mithalten möchte, hat es mit Sicherheit nicht leicht und dieser Druck wird immer weitergegeben, bis an die Kleinsten unserer Gesellschaft.

Was uns als Eltern an staatlichen Schulen fehlt, ist wie Kinder gesehen werden. Das, zum Beispiel, schafft eine Montessori- oder eine Waldorfschule prima. Eine Vereinbarung, ein Schriftstück über die Bedürfnisse der Kinder und ihre verschiedenen Entwicklungsphasen. Ein Übersetzer der Kindersprache. Wissen hierüber gibt es zu genüge.
Während Waldorf und Montessori sich sich auf genau eine Urquelle beziehen, so sprechen staatliche Schulen von „der Forschung“ oder „der Wissenschaft“. Eine Hausordnung soll die Kinder daran erinnern, wie sie sich zu verhalten haben. Wie bei einem Vertrag müssen Eltern mit den Kindern diese lesen und unterschreiben. Klar wohin diese Reise gehen soll…
Sehr unpersönlich scheinen sich Grundschulen auf eine breite Masse einzugehen. Von einer Identifikation durch gemeinsame Werte, keine Spur.
Vielleicht erklärt das die besorgten Bürger auf der Straße?

Was sagt / denkt ihr?

Viel zu viel liegt mir auf der Seele und ich könnte einiges darüber schreiben. Meine Absicht war es, mich mitzuteilen und mich öffentlich auszutauschen. Vielleicht gibt es einige unter euch, die eine bessere Erfahrung machen, oder einfach eine andere Sicht auf die Schule haben. Ich möchte lernen. Wie meine Kinder auch. Ich möchte Lernen unsere Zeit zu verstehen und da gehören Schulen für mich unbedingt dazu.

10 KOMMENTARE

  1. Wenn ich das gewusst hätte, was mich als Vater an den Schulen erwartet… .Grundsätzlich muss ich jedoch sagen, ist es auf den Motessori- und Waldorfschulen nicht besser, denn eine gute Lerngruppe existiert nur dann, wenn die Lehrkraft interessiert ist. Wenn der Lehrkörper es schafft, die Kinder in den Grundschulen zu motivieren, dann ist die Schulform ziemlich egal.

    Wir hatten die Kinder auf zwei Grundschulen. In der einen Grundschule wurden die Kinder motiviert, auf der anderen nicht. Was mir jedoch noch mehr zu denken gibt, ist die Art, wie Eltern Kinder teils sehr elitär abschirmen. Manches Mal hinterließ es bei mir den Eindruck, als hätten wir uns bei anderen Familie bewerben müssen, damit die Kinder miteinander spielen können. Die Kinder, die unsere Kinder dann draußen zum Spielen fanden, waren dann eher so die grenzenlosen Krachlatten.

    Hausaufgaben in den Grundschulen wurden oft unter den Argusaugen der Supermuttis angefertigt. Das Thema war oft Thema bei Elternabenden. Das bedeutet, dass die Kinder, die Ihre HA selbstständig anfertigten, oft mit der Qualität der Aufgaben und der Mappen nicht mithalten konnten. Das ganze potenziert sich ab Mitte der 4. Klasse (in Niedersachsen) auf und die Kinder werden gedrillt. Mehr von den Eltern als vom Lehrkörper, die sortieren nur. Mit Abschluss der 4. Klasse (in Niedersachsen) hört dann für viele Kinder die Kindheit auf. Entweder weil sie lernen, lernen, lernen, lernen … bis der Druck so stark wird, dass die Kids kurz vor dem Burnout stehen.

    Ab Mitte der 5. Klasse (Realschule) zockt dann ein Großteil der Jungen wenigstens Mindcraft und wenig später Call of the Duty etc. Bei vorsichtiger Nachfrage bei den Eltern wird das dann häufig bestritten, doch irgendwer in den Familien zockt immer. Jedenfalls müssen die Kinder die Spiele irgendwo her haben. Wenn ein Junge nicht von anfang an dabei mit ist, wird er »gemoppt«. Wenn er dann doch irgendwann mitmacht, auch. Zudem gibt es wenige sensible Jungs. Wenn sie emotional nicht grob genug sie, werden sie emotional, körperlich und sozial dominiert. Motivation zum Lernen geht dann leider flöten.

    Was mir auch auffällt, bei unseren Kindern, ist die Erwartung -durchaus auch vom Lehrkörper her- auf die Verfügung von Smartphones. Viel in der Klassenkommunikation läuft dann über WhatsApp. Trotz iServ etc. Aber auch das virtuelle »Moppen«, Hitlerbilder, Rassismus, … ich meine nicht das Nachweisebare »Mobbing« oder »Rassismus«, sondern so dieses Dominanzgehabe. Wenn die Kinder dass auch im geschützten Zuhause haben, sind sie allein. Mobbing und Gewalt unter Jungs herrscht übrigens auf den Montessori- und Waldorfschulen (und anderen freien Schulen).

    Hinzukommt die Pubertät, die bei den Jungs anders zur Geltung kommt. Die Probleme der Jungs liegen nicht nur an den Schulen begründet. Die Förderung der Jungs liegt auch an der schlecht definierte Männerrolle in der Gesellschaft.

    Bei Mädchen sieht es etwas anders aus; bis auf den Umgang mit den Smartphones. Bei Mädchen ist ein Problem die große Prägung auf Konsum innerhalb der Themen, welche Mädchen interessieren.

    Doch ich bin ganz froh, dass unsere Kinder nicht mehr frisch eingeschult werden. Hier haben die Kids schon in der ersten Klasse Smartphones … das wird in den nächsten Jahren noch krasser zum Problem werden.

    Richtig eklig wird es auch, wenn die Zukunftstage kommen, und die Bundeswehr die meisten Plätze diesbezüglich zur Verfügung stellt.

    • Eine sehr umfangreiche Sicht. Finde ich Klasse. Und das zeigt auch, mit wie vielen Themen man konfrontiert wird. Freitags liege ich auf der Couch und weiß nicht, warum ich so fertig bin. Aber wenn man mal so reflektiert was man täglich, subtil zum Alltag mitschleppt, dann darf man sich auch mal beschissen fühlen.

      Unsere Gesellschaft hat die mentale Verarbeitung vom großen technologischen Fortschritt noch nicht vollzogen. Was die Verurteilung über; Smartphone, richtig oder falsch? angeht, kann ich so pauschal nicht sagen.
      Ich bin nicht der Meinung, dass Kinder sowas nicht brauchen. Das ist unsere Zeit. In Deutschland neigt man immer dazu sehr skeptisch zu sein und daraus folgend möchte man dann das verbannen und gar nicht erst haben. Geht aber nicht. Was früher der Fernseher war ist heute der Smartphone.
      Kinder ärgern, mobben und probieren sich viel aus. Das ist auch gut so. Ist nur doof, wenn es das eigene Kind ist, was gemoppt wird. Aber das Rad dreht sich weiter. heute ist es der, morgen ist es die andere. Das müssen wir den Kindern lassen, damit sie ihr Maß an richtig oder falsch erfahren und verinnerlichen.
      Es gibt extreme Situationen und moralisch abgestumpfte Kinder. Das liegt an ihrer Lebenswelt, in der sie aufwachsen. Soziale Verwahrlosung betrifft jede Schicht. So meine Erfahrung. Ob reich oder Arm. Das ist egal.

  2. Ich kenne das Problem bisher nur aus der anderen Perspektive. Als Referendar an einem Dorfgymnasium auf dem Plattenland in Norddeutschland sind mir ehrlich gesagt einige der Probleme sogar nur periphär, d.h. aus dem Studium und Praktika, bekannt. Über Grundschulen in Berlin kann ich also nur wenig sagen. Es gibt aber an den Gymnasien des Landes Niedersachsen sehr ähnliche Probleme. Vielfach sind die durch Lehrkraftmangel und daraus folgend große Klassen, einen sehr dicht gepackten Lehrplan und, ja, auch durch individuell Unlust geprägt. Hinzu kommen einige Probleme der Lehrerausbildung, die zumindest für niedersächsische Gymnasien, ohnehin nicht darauf ausgelegt ist, dass an ihrem Ende motivierte und pädagogisch hochqualifizierte Lehrkräfte stehen. Pädagogisch sind die berliner Grundschulen den deutschen Gymnasien vermutlich in den meisten Fällen meilenweit voraus. die strukturellen Probleme könnten aber ähnliche sein…
    Zum Lehrkraftmangel:
    An vielen Schulen im nördlichen Niedersachsen herrscht ein derartiger Mangel an Lehrkräften für die Fächer Kunst, Musik und Politik, dass die Fächer entweder nur noch halbjahrsweise unterrichtet werden (die Lehrkräfte also jedes halbe Jahr neue Schüler_innen kriegen) (Kunst und Musik), ganze Schuljahre durch ganz entfallen (oftmals Kunst) oder fachfremd, also z.B. in Politik von Geschichts- oder Erdkundelehrkräften unterrichtet werden. Prinzipiell lässt sich dieses Phänomen auch in vielen anderen Fächern (Bio & Chemie, Deutsch, Geschichte & Erdkunde, etc.) beobachten. Ist der Lehrermangel allzu akut, werden Lehrkräfte verpflichtet mehr als die Wochenunterrichtsstundenzahl (an Gymnasien in Nds, 24,5) zu unterrichten. Das hieße dann also für eine Lehrkraft mit Französisch (4 Wochenstunden) und Politik (2 Wochenstunden) bei einer Klassengröße von 28 Schüler_innen (Durchschnitt an meiner Schule) für 4 Klassen Französischunterricht (insgesamt 16h) und 5 Klassen Politikunterricht (10h) 9×28= 252 Schüler_innen, die allesamt namentlich, mit persönlichem Hintergrund, ihrer Bildungsbiographie, ihren Vorlieben und Abneigungen und ihren Problem bekannt sein müssen. Ob der großen Zahl ist eine individuelle Förderung allerdings kaum möglich. Für Lehrkräfte mit ausschließlich 2-stündigen Fächern (Musik & Kunst, Bio & Chemie oder Geschichte & Politik) sieht es dann entsprechend schlimmer aus. Wenn dann noch verhaltensauffällige Schüler_innen in einer Klasse sind und entsprechend pädagogisch gehandelt werden muss, bleibt den gestressten Kolleg_innen oft nur noch die autoritäre Disziplinierung als scheinbar einzige Perspektive. Oft werden diese Schüler_innen dann als solche mit „großem Förderbedarf“ an entsprechende Schulen (Gesamtschulen, Realschulen, etc.) weiterverwiesen. Konkret: Wer nicht passt, wird passend gemacht. Unabhängig davon, wie die Lehrkräfte dazu stehen. Oftmals wird hier allerdings auch auf den „gymnasialen Anspruch“ der Schulen verwiesen, dem alle gerecht werden müssten. Blödsinnig, traurig und leider Realität.
    Wenn dann noch, wie aktuell, ein besonders kurzes Schuljahr ist muss der ohnehin volle Lehrplan (Danke, liebe Bildungspolitiker_innen, für das Abitur in acht Jahren Gymnasium) noch viel strickter durchgesetzt werden. Für das Fach Geschichte heißt das dann zum Beispiel, dass in der zehnten Klasse in einem Halbjahr mit Praktikum in zwölf Wochen (also 12 Stunden Geschichtsunterricht) die Zeit vom Ende des Ersten bis zum Ende des zweiten Weltkriegs behandelt werden muss. Wie dabei guter Unterricht gelingen soll, in dem mündige Bürger_innen erzogen werden, ist mir schleierhaft. Individuelle Förderung und das Eingehen auf Interessen der Schüler_innen ist jedenfalls quasi nicht möglich.
    Hinzu kommt, dass in der Ausbildung von gymnasialen Lehrkräften in Nds. wesentliche neue Entwicklungen wie Inklusion in 90 Minuten (während der gesamten Ausbildung!) abgearbeitet werden und dabei durch das Vorstellen besonders krasser Fälle von Behinderung und Verhaltensauffälligkeit, die angehenden Lehrkräfte verängstigt und abgeschreckt werden. Das führt dann z.B. dazu, dass entgegen seit 2009 anders lautender Gesetzes Lage, meine Schule nicht barrierefrei ist. Nicht barrierefrei heißt konkret: Kein Fahrstuhl, keine behidnertengerecht Toillete, keine entsprechenden Rettungswege und Lehrkräfte, die entsprechende Schüler_innen an ihrer Schule nicht wollen. Macht ja auch nichts, das andere Gymnasium hat ja einen (!) Fahrstuhl. (Disclaimer: meine Schwester ist schwerbehindert, an manchen Tagen möchte ich meine Schule und das Studienseminar abbrennen.) Des Weiteren sind Wörtern wie „Binnendifferenzierung“, also das Zuschneiden von Arbeitsaufträgen und Unterrichtsmaterialien auf die einzelnen Schüler_innen einer Klasse, in vielen der Fachseminare ein Fremdwort. Hier wird „Ein Unterricht für alle“ praktiziert. Das hat dem, warum ich Lehrer werden wollte absolut garnichts zu tun. Wer sich dann während seiner Ausbildung noch kritisch über das deutsche Schulsystem, Gymnasien oder gar die eigene Ausbildung äußert, der kann eine gute Note glatt vergessen.
    Wie bereits oben beschrieben findet sich zudem an vielen Gymnasien eine elitäre Kultur, die verhindert, dass alle die, die dem vermeintlich gymnasialen Anspruch auf Ausbildung gesellschaftlicher Eliten nicht gerecht werden, eine echte Chance haben. Konkret: „Wer nicht ist wie wir, wer das Hauen und Stechen nicht früh lernt und beherrscht, wer die falschen Eltern hat oder gar Migrationshintergrund, der ist am Arsch.“. Deutlich wird das dann, wenn schon in der ersten Woche des Referendariats ein Satz wie „Heterogenität ist hier kein Problem.“ fällt.
    Ich für meinen Teil werde mich nach dem Referendariat an Gesamtschulen bewerben.

  3. Ein sehr interessanter Beitrag und als Mutter macht man sich natürlich Gedanken, was in der Schule passiert, wo die eigenen Kinder lernen gehen. Dementsprechend finde ich auch regelmäßige Elternsprechtage und das Abholen der Kinder von der Schule sehr wichtig und auch gut. Als Mutter macht man sich nun mal viele Gedanken über die Zukunft der eigenen Kinder

    • Die Kinder von der Schule abholen ist wichtig? Helikoptermuttis! Ich bin als Kind nur allein zur und von der Schule nach Hause gelaufen, und ich kann überhaupt nicht sagen, dass mir das geschadet hat, im Gegenteil: Es erzieht zu mehr Selbstständigkeit. Aber das scheint heutzutage nicht mehr gefragt zu sein: lieber behütet als selbstständig!

      http://blog.ronaldfilkas.de/2011/10/24/kinderwagen/ oder: die neuen Mütter

  4. Sehr interessant – und gut nachvollziehbar. Ich bin selbst auch der Meinung, dass man bei der Schulwahl (ein gewisses Mitbestimmungsrecht hat man ja) vor allem darauf achten sollte, in was für ein Umfeld das Kind kommt, mehr noch als auf schulische Aspekte.

  5. Ich habe mir gerade den Film „Lehrer am Limit“ angesehen. Die Lehrer haben heutzutage keine einfache Aufgabe. Wenn Schüler in der Klasse nicht den gleichen Wissensstand mitbringen, ist es wirklich schwierig einen guten Unterricht zu halten. Kinder, die sich mit dem aktuellen Stoff überfordert fühlen, werden einfach kein Interesse am Unterricht zeigen oder sogar den Unterricht stören. Die fehlenden Grundlagen, sei es die Fähigkeit überhaupt gut lesen zu können oder wichtige Grundbegriffe verstanden zu haben, machen es für Kinder schwer dem Unterrichtsstoff zu folgen. Selbst wenn sie wollen, werden sie es nicht schaffen. Die einzige richtige Herangehensweise ist meiner Meinung nach, diesen Kindern zu helfen, ihre Wissenslücken aufzuarbeiten. Dadurch erreicht man wieder die Bereitwilligkeit des Kindes mitzuarbeiten. Ich arbeite als Nachhilfelehrerin und helfe hauptsächlich Kindern wieder den Anschluss an den aktuellen Schulstoff zu bekommen. Mit jedem Fachbegriff, den ein Kind wirklich versteht, steigt auch die Bereitschaft des Kindes mehr zu lernen. Solche Fachbegriffe aus dem Deutschunterricht können zum Beispiel Selbstlaut, Mitlaut, Hilfsverb, Grundform des Verbs, Laut, Buchstabe usw. sein. Würde man so ein System in den Schulen zulassen, könnte man den Lehrern sehr helfen und sie müssten nicht so viel Zeit mit disziplinarischen Maßnahmen verbringen und somit Unterrichtszeit verschwenden.

  6. Ich finde, zum Thema Schule wird viel zu wenig unternommen. Stattdessen werden Experimente mit dem Schulsystem durchgeführt (G8/G9), neue Schreibschriftarten in der Grundschule eingeführt und es gibt immer noch Lehrermangel seit gefühlten 30 Jahren.
    Die Hausaufgaben werden immer noch auf Papier notiert und wer krank ist, muss sehen wie er an die Infos kommt. Chat-Programme helfen nur bedingt und sind ja eigentlich nicht erlaubt, sondern erst ab 16 Jahren.
    Ich würde gerne eine App entwickeln, die die Kommunikation zwischen Eltern, Schülern und Lehrern verbessert.
    Dazu habe ich eine Webseite eingerichtet mit einer anonymen Umfrage, welche Funktionen dieses Programm haben sollte, damit es wirklich hilfreich ist.
    Es werden dort acht Funktionen aufgelistet, die mir persönlich helfen würden und ich würde gerne wissen, ob das auch die Meinung der Mehrheit ist.

    Hier der Link: https://schulapp.digitalcomm.de

    Ich würde mich über Feedback freuen und vielleicht hilft diese App, dass die Eltern und Lehrer entlastet werden und die Kinder in der Schule motivierter sind.

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