iFiles: They Want to Encrypt – warum Apple sich mit dem FBI anlegt

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Apple stellt sich gegen das FBI, tönt es aus allen Ecken des Internets. Böser Konzern gegen böse Ermittlungsbehörde? Da heißt es, Popcorn bereithalten. Aber das, worum es geht, betrifft uns letzten Endes alle irgendwie – nicht nur Apple-Nutzer. Eine Zusammenfassung.

Was ist los?
Eine amerikanische Richterin hat angeordnet, dass Apple dabei helfen soll, ein iPhone 5c zu knacken. Das FBI, die US-Bundespolizei, schafft das nicht selbst. Eigentlich kann Apple das auch nicht, zumindest sagen sie das. Die Firma hat vor ein paar Jahren das Betriebssystem aufgerüstet, um die Daten der Nutzer besser zu sichern. Apple könnte aber Software programmieren, damit dem FBI das Hacken leichter fällt.

Wozu das Ganze?
Anfang Dezember 2015 gab es in der kalifornischen Stadt San Bernardino einen Anschlag, genauer: Ein Ehepaar Ende 20 tötete in einer gemeinnützigen Einrichtung 14 Menschen. 22 weitere wurden verletzt. Die Täter wurden später von der Polizei erschossen. Das iPhone 5c gehörte dem Ehemann.

Aber die Täter sind doch tot?
Das schon. Aber das FBI behandelt den Fall als Terroranschlag. Es könnte nämlich eine Verbindung zum Islamischen Staat (IS) geben. Der hat einen eigenen Radiosender und teilte kurz nach dem Anschlag mit, „zwei Unterstützer“ hätten diesen verübt. Kann sein, dass die beiden Täter nur vom IS „inspiriert“ wurden. Es kann aber auch sein, dass es in den USA ein islamistisches Netzwerk gibt, das eventuell weitere Anschläge plant. Und es kann natürlich alles auch ganz anders sein. Von den Daten auf dem iPhone des Mannes erhofft sich das FBI darüber Aufschluss.

Was sagt Apple dazu?
Apple hat bisher mit dem FBI kooperiert, hat Daten zur Verfügung gestellt und die Ermittler beraten. Aber jetzt wird es ihnen zu viel, sie wollen sich weigern. Apple-CEO Tim Cook hat einen offenen Brief geschrieben. Darin heißt es, man begegne der Forderung des FBI mit „dem höchsten Respekt gegenüber der amerikanischen Demokratie“. Aber man müsse auch weitere Folgen bedenken.

Die da wären?
Das FBI und die amerikanische Regierung sagen, das Handy des Attentäters von San Bernardino zu knacken, sei eine einmalige Geschichte. Cook widerspricht: „Ist die Technik erst einmal geschaffen, könnte sie immer wieder eingesetzt werden, auf beliebig vielen Geräten.“ Er vergleicht die gewünschte Software mit einem Schlüssel, der Hunderte Millionen Schlösser aufschließen könne. „Keine vernünftige Person würde das akzeptabel finden“, schreibt Cook.

Aber es ist doch ein einmaliger Vorgang…
Ist es das? Wird das FBI sich an diese Aussage halten? Das kann niemand sagen. Generell neigen Ermittlungsbehörden nicht unbedingt zur Transparenz. Falls das FBI die Software weiter einsetzt, um auch andere iPhones zu knacken, wird es also vielleicht niemand erfahren. Und wenn mit Apple ein Präzedenzfall geschaffen wurde, wer sagt dann, dass es nicht auch für andere Firmen und Geräte einen solchen Richterbeschluss geben wird? Was, wenn bei einem anderen Terroristen ein Android-Gerät gefunden wird?

Aber es ist doch ok. Dadurch werden Verbrechen aufgeklärt…
Klar. Aber: Die Software ist schwer zu kontrollieren. Sie ist dann nun mal da. Was, wenn sie dem FBI geklaut wird, wenn sie Kriminellen in die Hände fällt, etwa gar dem IS? Viele Gefahren entstehen so erst. Und: Ob das FBI jedes Mal fragt, wenn es die Software einsetzt? Offiziell braucht es einen Richterbeschluss, aber wer weiß, wie freigiebig die Richter damit sind. Außerdem: Wer sagt, dass sie nicht, ob gewollt oder nicht, auf einem ganz normalen iPhone einer unbescholtenen Person landen?

Och, naja, meine Katzenbilder hier…
Jaja, nix zu verbergen und so. Aber warum dann überwachen? Darauf läuft es immer hinaus: Sicherheit vs. Freiheit/Privatsphäre. Hier muss man natürlich abwägen. Aber wenn es so kommt, wie Cook schreibt, würde beides Schaden nehmen. Und davon hätte dann niemand etwas.

Also alles super, was er sagt?
Natürlich hat Cook als Apple-Chef auch andere Interessen. Er muss tun, was gut für das Unternehmen ist. Kommt die iPhone-Hack-Software, könnte der Absatz leiden. Wem Verschlüsselung wichtig ist, der entscheidet sich womöglich dann gegen ein iPhone. Geld verdienen und Privatsphäre und individuelle Freiheit schützen? Dass sich das in diesem Fall deckt, dafür kann man Apple kaum einen Vorwurf machen. Und wenn riesige Internet-Firmen wie Apple ein Stück weit anerkennen, dass sie für ihre vielen User auch Verantwortung tragen – dann kann man das auch begrüßen.

Update: Viele Kommentatoren weisen mittlerweile darauf hin, dass Apple sich merkwürdig verhält. So hatten sie in vielen Fällen in der Vergangenheit überhaupt kein Problem damit, iPhones für die Behörden zu entschlüsseln. Auch Whistleblower Edward Snowden meldet sich zu Wort. In einem Tweet weist er auf Unstimmigkeiten hin. So sei es möglich, das Handy auch ohne Apples Hilfe zu knacken. Das könnte unter anderem bedeuten, dass das FBI sich nur in Zukunft etwas Arbeit sparen möchte.

Wie geht es jetzt weiter?
Das wissen wir noch nicht. Es ist möglich, dass die Richterin ihre Kompetenzen überschritten hat. und gar keinen solche Anordnung erteilen darf. In den nächsten Tagen wissen wir mehr.

Artikelbild basiert auf „Tim Cook, painted portrait“ von Thierry Ehrmann (CC BY 2.0)

7 KOMMENTARE

  1. „Dass sich das in diesem Fall deckt, dafür kann man Apple kaum einen Vorwurf machen. Und wenn riesige Internet-Firmen wie Apple ein Stück weit anerkennen, dass sie für ihre vielen User auch Verantwortung tragen – dann kann man das auch begrüßen.“

    Jo. Und der Weihnachtsmann hat jeden 23.12. viel zu tun.

    Fefe-Leser wissen mehr:

    http://blog.fefe.de/?ts=a83bc7df
    http://blog.fefe.de/?ts=a839be00
    http://blog.fefe.de/?ts=a838c0e5

    Versucht euch bitte nicht an Faktenanalysen, wenn ihr die Fakten nicht kennt.

  2. Vielen Dank für die Anmerkungen! Ich habe den Artikel etwas aktualisiert. Dass Nutzerdaten bei Apple sicher seien, steht im Artikel aber eh nicht. Das sind sie wahrscheinlich nirgendwo. Aber die meisten Nutzer sind nun mal keine Programmierer oder Hacker. Sie sind auf Unternehmen wie Apple angewiesen. Auch wenn man den Brief als scheinheiliges Manöver betrachtet: Er hat dazu geführt, dass das Thema wieder in der Öffentlichkeit diskutiert wird, wo es auch hingehört.

  3. Ich denke es geht nicht immer nur um Privatsphäre von uns Usern. Letztlich geht es um starke Kryptographie und das man sie gerne loswerden möchte. Nebenbei vergessen diese Sicherheitsfuzzies nur, das es die selbe Kryptographie ist, die irgendwelche Banktransaktionen oder aber auch Atom-Kraftwerke schützt.

    • Da hast du auch wieder recht. Interessant finde ich, dass dieses Argument selten genannt wird – also Kryptographie FÜR mehr Sicherheit. Meistens funktioniert es ja andersrum: Kryptographie stärkt Terroristen und schwächt dadurch die Sicherheit.

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