Ein Stich in die deutsche Kultur: Wer hat Angst vor der schwarzen Frau?

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Und? Wie hätten wir unsere schwarze Frau denn heute gern? Wild und exotisch? Sexy mit Betonung auf den Hintern? Oder doch lieber mit ner Banane in der Hand? Es ist ein knallhartes Spiegeln von Vorurteilen, das Leila Akinyi uns in ihrem Song “Afro Spartana” vor Augen führt.

“Ich bin schwarz, ich kann mich problemlos in die Sonne legen” und “Ich bin schwarz, ich bin sogar Bush überlegen”. Ein krasses Ding nach dem anderen rappt sie runter. Und sie hat recht. Solange wir Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht einordnen, werden wir nie die Welt der Klischees verlassen und uns stets mit Vorurteilen begegnen. Nie werden alle die gleichen Privilegien haben.

Mit diesem Song tritt die Rapperin in ein Territorium von weißen Männern. Es ist schon lustig, war der Ursprung des Raps nicht mal schwarz?
Deutscher Rap ist männlich, auf der analysierenden und meinungsbildenden Ebene sogar durchgängig weiß. Die Luft auf den oberen Ebenen der Plattenlabel und des Journalismus ist sehr dünn. Die teilt Mann sich ungern mit anderen.
Aber schauen wir uns doch mal an, wo schwarze Menschen mitmischen. Auf Künstlerebene: Afrob? Ok. Und weiter? Joy Denalane? Ja. Und weiter?

Wer jetzt ein “Ja, aber da sind doch Haftbefehl, Bushido, Xatar etc.” rauswürgt, sollte sich darüber Gedanken machen, warum gerade die mit Migrationshintergrund die Gangsternarrative im deutschen Rap besetzen und damit so erfolgreich sind. Den Affen mit Knarre aus dem Zoo spielen? Das ist die Sparte, die im deutschen Kulturbetrieb frei ist. Jeder bedient die Klischees die sein Aussehen und seine Herkunft zulässt.

Nach so vielen Jahren der Einwanderung, hat es Deutschland auf kultureller Ebene nicht wirklich geschafft, selbstverständlich mit der Vielfalt an Menschen umzugehen.

Aber leider und erfahrungsgemäß sind die Verantwortlichen der Plattenfirmen trotzdem immer noch ganz schön darauf festgelegt, welche Hautfarbe und welches Herkunftsland zu welchem Genre passen. Ein Manager einer deutschen Plattenfirma, insbesondere einer massenkompatiblen Firma, sucht stereotypisch DEN weißen Rocker und DEN schwarzen Rapper. Im Umkehrschluss wird sich eine junge schwarze Sängerin oder ein junger schwarzer Sänger wahrscheinlich in seiner künstlerischen Findungsphase eher an Jay-Z und Beyoncé als an Kurt Cobain und Courtney Love orientieren. Vermutlich gibt es in Deutschland schwarze potentielle Rockstars (SPON, Matthias Arfmann, Pop-Produzent)

Aber hey. Es ist noch Luft nach oben. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ALLE wirklich alle ankommen können. Männer, die ihre Männlichkeit nicht damit identifizieren müssen, ein dickes Auto zu fahren und das Geld mit Gangsterallüren verdienen zu müssen, weil es keine gelebte, öffentliche Alternativen gibt. Schwarze, asiatische, orientalisch aussehende Frauen, die nicht als Backgroundsängerinnen oder Tänzerinnen in engen Leggins auf der Bühne stehen.
Wir sind dann angekommen, wenn schwarze, asiatische, orientalisch aussehende Menschen die gleichen Chancen haben, Hitler auf der Bühne zu spielen ohne das es lächerlich oder provozierend wirkt.



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