Symbiz „Airport Accent“ Album Preview #11 The Downfall

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SYMBIZ is back – und wir stellen jeden Tag einen Song des neuen Albums „Airport Accent“ im Stream vor, inklusive Liner Notes der Berliner Bassmusikanten.

„Airport Accent“ Album Preview #11 The Downfall

Der letzte Song. Das Ende, der Niedergang.

Zum Abschluss des Albums gibt es den vielleicht nachdenklichen Track, den wir je geschraubt haben. The Downfall besingt eines der dramatischsten Probleme unserer Art zu Leben: Den ständigen Drang nach Wachstum. Und zwar sowohl um so gut wie jeden Preis als auch zum reinen Selbstzweck. Dazu noch sind die Lösungsansätze unseres modernen kapitalistischen (Wirtschafts-)Systems absolut absurd, da Krisen, die uns ganz objektiv dazu bewegen müssten die Logik bzw. Machbarkeit eines unendlichen Wachstums, wenn schon nicht zu verwerfen, dann zumindest einmal ernsthaft in Frage zu stellen, mit einem einfach “jetzt erst recht” und “weitermachen-wie-bisher” beantwortet werden. Too big to fail. Nach uns die Sintflut.

“Where is this supposed to end, if all we know is how to grow again. This place burned down to the ground. It’s going down down down, it’s growing down down down.”

Der Text entstand u.a. unter dem Eindruck der Finanzkrise(n), von 2008 in den USA bis zur “Eurorettung”, bei der Fehler der Banken einfach staatlich abgefedert wurden, womit diejenigen, die sich mit der eigenen Gewinnmaximierung im Kopf verzockt hatten, mehr oder weniger frei von Konsequenzen weitermachen konnten wie gehabt. Wenn man so will, ist das Bankwesen nach kapitalistischer Logik eben eines der ehrenwertesten Betätigungsfelder, da hier ausschließlich mit Geld mehr Geld gemacht wird. Und das bei privatisiertem Gewinn und kommunalisiertem Risiko. Das perfekte Geschäftsmodell sozusagen.

Ein zweites Ereignis, das zu diesem Song geführt hat, war die Katastrophe von Fukushima. Alle waren oder taten geschockt, dass ein zerstörtes Kernkraftwerk überraschenderweise irreversiblen Schaden anrichtet. Obwohl schon immer klar war, dass die Atomindustrie eben auch nach dem Prinzip der genialen “Gewinn bei uns, Risiko bei euch” Logik funktioniert. Und was passierte danach? Eigentlich nichts. Business as usual. Strom fleißt, Geld fließt, alles cool. IN den großen Atomländern läuft das Geschäft weiter wie gehabt. (Mal abgesehen von Deutschland muss man natürlich fairerweise sagen. Hier kam der Atomausstieg danach ja wieder in Fahrt, was sehr begrüßenswert ist. Auch wenn die Argumente ein bisschen Quatsch waren, denn die Sicherheitslage deutscher Meiler hatte sich natürlich durch einen Tsunami an der japanischen Küste relativ wenig verändert. Egal.)

An sich war der Song schon älter. Das Demo, welches Buddy dazu aufgenommen hatte, hatte ursprünglich sehr starke Voice-Transform Effekte auf der Stimme, bis sich Chris (Stilsicher und deshalb auch erfolgreich) für eine weniger verdrehte und damit intimer klingende Stimme eingesetzt hat. Vermutlich ist es das, was den Song auch erst zu dem emotionalen Stück machen konnte, welches es geworden ist. 2012 haben wir dann zusammen mit einem birllianten Team um unseren Freund und Filmemacher Andras Melcher, ein sehr aufwändiges Musikvideo dazu gedreht — welches sogar Preise auf internationalen Kurzfilmfestivals gewinnen konnte.

Der Grund, warum The Downfall nach so vielen Jahren jetzt noch mal als Abschluss des neuen Albums auftaucht, hat vor allem mit unserem Selbstverständnis als Band/Produzenten zu tun. Wir mussten erst das Selbstbewusstsein entwickeln einen so sperrigen Song auf einem Album zu veröffentlichen. Das hatten wir zur Zeit der Entstehung so noch nicht. Inzwischen sind wir eben der Meinung, dass das inhaltliche Statement so aktuell ist wie eh und je und dass wir es uns als souveräne Menschen erlauben können und sollten auch Musik zu veröffentlichen, die sich etwas aus dem Fenster lehnt, im Vergleich zum Rest unseres Repertoires.

Und somit schließt sich auch ein weiterer Kreis, was uns die Freiheit gibt weiter zu machen und Neues zu schaffen. Denn, Wachstum, bzw. vorwärtsgewandtes Handeln ist natürlich an sich sehr positiv, solange es eben nicht destruktiv, egoistisch und/oder asozial ist. So.. thanks for your kind attention! — now, on to the next!

[symbizAlbum]


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