Warum Volker Beck nicht zurücktreten sollte

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Langsam trudeln die etwas tieferen Analysen zur Causa Volker Beck ein. Eine davon, nämlich die aus der Süddeutschen Zeitung macht mich so wütend, dass ich mir jetzt meinen Rant von der Seele schreiben muss. Wobei, das ist nicht ganz korrekt, denn diese ganz spezielle Wut gärt schon länger in mir. Jedes verdammte Mal, wenn ein Prominenter mit Drogen erwischt wird und die Geschichte ihren Lauf nach immer dem selben Muster nimmt, kommt sie wieder hoch, diese Wut. Ich kann diese verlogene Scheiße nicht mehr hören! Und ich wünsche mir von Volker Beck nichts sehnlicher, als dass er diesen bigotten Mist nicht mitmachen wird. Ich wünsche mir, dass er die verlogene Litanei, dieses lächerliche Beichtritual mit den religiösen Zügen, das niemand ernst nimmt, einfach sein lässt.

Was ich mir stattdessen von ihm wünsche, ist eine Ansage mit Eiern. Etwas in der Art:

“Ich nehme gerne ab und und zu XY, weil es sich darauf so schön fickt/tanzt/feiert und ich schäme mich nicht dafür. Ich entschuldige mich bei niemandem, weil ich niemandem etwas getan habe. Und ich verspreche auch nicht, es in Zukunft zu lassen, weil es euch nichts angeht, was ich in meiner Freizeit mache. Unsere Drogenpolitik ist dysfunktional, brandgefährlich und arschteuer. Ich trage das nicht mehr mit. Und jetzt wählt mich, oder lasst es bleiben.”

Und ich wünsche mir Politiker, die diese verlogene, dysfunktionale und arschteure Politik endlich anprangern und ändern. Eigentlich würde es schon genügen, wenn diejenigen, die uns regieren einfach mal auf die Experten zum Thema hören, deren Urteil über die Wirkung der Prohibition und des sogenannten War on Drugs ist nämlich eindeutig.

Ja, ich habe mich auch ziemlich beömmelt über ganzen lustigen Quatsch, der den Leuten zu dem Thema eingefallen ist. Aber Galgenhumor hilft uns leider auch nicht weiter. Er hilft denen nicht, deren Existenzen zerstört werden, weil sie mit lächerlich geringen Mengen von verbotenen Substanzen erwischt werden und genauso wenig helfen unsere lustigen Memes oder die Politik der Hardliner auch nur einem einzigen Süchtigen. Die derzeitige Prohibition verhindert nämlich nicht nur den ehrlichen Umgang mit dem Thema, sondern auch Forschung an den Substanzen, die süchtig machen.

Disclaimer: Wir wissen nicht, warum Volker Beck welche Ämter niedergelegt hat. Wir wissen auch noch nicht, um welche Substanz es sich genau gehandelt hat. Wir wissen auch noch nicht, ob Beck das von mir kritisierte Gesellschaftsspiel mitmachen wird. Und selbst wenn, würde ich es ihm nicht vorwerfen. Das Thema Drogen ist eine dicke Stolperfalle für jeden, der exponiert in der Öffentlichkeit steht. Vielleicht wollte er sich oder seine Partei einfach aus der Schusslinie nehmen. Absolut verständlich. Deswegen respektiere ich jedes Verhalten, das Volker Beck zum Thema an den Tag legen wird ganz ausdrücklich.



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7 KOMMENTARE

  1. Ich glaub das einfach nicht, was hier geschrieben wird….
    Ich persönlich wurde von einem Arzt mit akutem Drogenproblem fehlbehandelt, unter den Folgen leide ich immer noch.
    Alles nicht so schlimm, das geht ja niemanden etwas an, was die Leute so einschmeissen?
    Woher will denn der verehrte Artikelschreiber und Drogenverharmloser/Befürworter wissen, ob der Herr Beck das nur in seiner Freizeit nimmt, und wie oft, oder doch bei politischen Abstimmungen oder beim Autofahren. Warum nehmen wir es nicht gleich alle, weil es sich damit so schön “fickt/tanzt und feiert”? Gleich früh am Morgen, die Kinder können ja auch gleich was kriegen für die Schule, ab 18 ist es ja sowieso easy…
    Echt armselig, was hier geschrieben wurde, so ein Artikelschreiber darf sogar Kinder erziehen. Ich dachte eigentlich, die Seite hier ist zwar mächtig Links, aber ordentlich Links und nicht Links den Bach runter!!!
    Politiker haben immer noch eine Vorbildfunktion, jedenfalls wäre das zumindest mein Wunsch.

    • Und trotzdem kann jeder alles machen. Sogar Politiker. Saufen bis der Arzt kommt, ist doch auch dufte. Und alle verdienen mit. Die Ärzte, das Finanzamt. Der Rest ist doch nur verlogene Scheisse

    • Es wird auch genug Fehlbehandlungen von Ärzten ohne Drogenproblem geben (zumal mit Alkohol, einer legalen Droge, auch sehr viele Menschen Probleme haben und sich das negativ z.B. auf die Arbeit auswirken kann). Der andere hat vielleicht Probleme mit der Familie, deshalb wird keine auf die Idee kommen dass Familien oder Ehen verboten gehören. Zumal sich die Situation mit einer Verbotspolitik nicht verbessert; es ist ein weit verbreiteter Irrglaube dass mit der Verbotspolitik Angebot oder Konsum gesenkt würden. Aber die Probleme an anderen Stellen in schwerwiegenderer Form zu Tage.

  2. Hätte Cem Özdemir sowas in der Art als Position der Grünen oder seine Ansicht zu dem Thema gesagt würde ich vielleicht sogar wieder die Grünen wählen, aber nein; “Crystal Meth ist eine gefährliche Droge die zurecht verboten ist”, anstatt auf die neutraleren Untersuchungen einzugehen nach denen das Risiko mit dem der zugegeben auch hochschädlichen, aber legalen Droge Alkohol vergleichbar bzw. Meth in vielen Punkten unschädlicher ist und die unabhängig von der Drogengefährlichkeit extrem hohen Schäden der Prohibition zu nennen.

    Ich finde auch, er hätte seine Ämter ruhig behalten können bzw. zu den Leuten sagen können, dass sie ihn gerne abwählen können wenn sie möchten, er aber nicht sieht warum.

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