Causa Böhmermann: Was Merkel aus dem Satire-Konflikt von 1987 lernen kann

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Ich kann mich noch sehr genau an „Rudis Tagesschow“ erinnern. Ich kann auch fast behaupten, dass ich über diese Sendung deutsch gelernt habe. Wir waren nämlich gerade ganz frisch in Deutschland eingetroffen. Geflohen vor dem Iran/Irak Krieg – Männer und Teenager wurden an die Front gerufen – und vor dem diktatorischen islamischen Regime. Auf Khomeini waren wir eh nicht gut zu sprechen. Er war es, der uns unsere Heimat genommen hatte.

Diese eine Szene, in der Khomeini von seiner Kanzel aus ‚heilig‘ in die Masse winkte und ihm BHs entgegen geflogen kamen. Wie bei einem Rockstar. Herrlich. Für uns Geflohene war das so wichtig, weil hier auf etwas aufmerksam gemacht wurde, was menschlich unverantwortlich war.

Nun führte dies zu einer diplomatischen Spannung: Die Regierung in Bonn sollte sich für das, was in dieser Satire Sendung gesendet wurde, entschuldigen. Die klare Haltung gegenüber dem zensurwütigen Regime war damals: Es täte Deutschland leid, wenn religiöse Gefühle verletzt worden sind. Aber für eine Sendung, auf deren Inhalt sie keinen Einfluss haben, können sie sich nicht entschuldigen! Eine klare Haltung. Die fehlt jetzt – und besorgt die Besorgten um so mehr. Die, die es nicht waren, werden es bestimmt jetzt sein.

Das ist es, was derzeit von Frau Merkel verlangt wird. Eine klare, diplomatische Formulierung gegenüber Erdogan, die ihm klar macht, dass es hier nicht um persönliche Befindlichkeiten geht, sondern um Satire und, dass die Regierung keinen Einfluss darauf hat, was da gesendet wird.

Ich sehe hier bewusst vom Rassimus-Vorwurf gegenüber Böhmermann ab, denn ich schätze ihn für klug und versiert genug ein, dass er nicht alle Türken beleidigen wollte. Im Grunde ist der Dienst, den er der unterdrückten Opposition in der Türkei leistet, sicherlich ein Guter.

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