Musik aus dem Untergrund: Warum junge Iraner mit einem Bein auf der Flucht sind

0

Ein sehr bewegender Dokumentarfilm der zeigt, vor welchen Entscheidungen die junge Generation in Iran steht, wenn sie ihrer Leidenschaft nachgehen wollen. Und wenn diese Leidenschaft nicht konform ist mit der öffentlichen Moral und den Gesetzen, so wird jede mögliche Gelegenheit genutzt, um aus dem Land zu verschwinden.

Update: Am 26.09.2016 gibt es den Film in der Volksbühne Berlin zu sehen.

Auf meinen letzten Reisen in den Iran musste ich feststellen, dass das Volk sehr kreativ mit den Sanktionen und dem Embargo umgegangen ist. Es fehlt ihnen an nichts, nur die Kompromisse, die sie eingehen müssen, um ein wenig das Gefühl von Freiheit zu haben, sind meist lächerlich.

Der Freiheitsturm, eine Farce. Mit Kopftuch und die ständige Präsenz des Regimes.
Der Freiheitsturm, eine Farce. Mit Kopftuch und die ständige Präsenz des Regimes.

So kann ich mich an einen Abend erinnern, an dem wir spontan in den Bergen in ein abgelegenes Restaurant eingekehrt sind, um etwas zu essen.
Nach einer Weile füllte sich der Laden, da es an diesem Abend Live-Musik gab. Ein Mann begleitet von einem Keyboard-Spieler sangen Lieder, die nicht unbedingt verboten sind aber ihre Wirkung direkt in die Hüfte ging.
So saßen sie alle da. Die Frauen mit ihrem starken orientalischen Make Up, Piercing im Gesicht, gebleichte Haare, die unter dem Kopftuch rausschauten. Die Männer setzten sich nicht direkt neben sie, da sie dem Anschein nach nicht verheiratet waren. Aber man verbrachte den Abend gemeinsam. Was schon ein Gesetzesbruch war.
Im Sitzen bewegten sich alle. Hoben ihre Hände in die Luft und bewegten sich elegant. Aber niemand stand auf.

In mir stieg Wut und Verzweiflung auf, so fragte ich den Restaurantbesitzer, warum die Menschen nicht einfach aufstehen und tanzen. Das sei schließlich sehr natürlich. Er lächelte Freundlich – so wie es alle Iraner auf unserer Reise getan haben – und erklärte, dass er hier vorsichtig sein müsse. Das was er hier macht, sei schon grenzwertig, aber noch tanzende Männer und Frauen, dafür könnten sie ihm den Laden schließen.
So riskierte niemand vor Ort, dass ihnen dieser kleine Fleck der Unbekümmertheit genommen wird und man hielt sich zurück. Für uns Iraner, so muss man es sich vorstellen, ist es so als ob man ständig den Deckel eines brodelnden Kochtopfs mit Steinen beschwert, wenn man uns das Tanzen bei guter Musik, ach was, bei Musik überhaupt verbietet. Wir sind ein Volk der Musiker, der Tänzer. Unsere Lyrik erzählt vom Wein, der Schenke und den kreisenden Hüften der Geliebten.

So verkriechen sie sich alle in ihre Keller, in den Untergrund. Und schreien, tanzen, raven und warten auf die nächste Gelegenheit, den Wartesaal zu verlassen, um in der Fremde ihr Glück zu finden.

Ein Trailer über die Rave-Szene erklärt das Dilemma in Kürze. Die ganze Doku ist ebenfalls zu empfehlen

RAVING IRAN Trailer (facebook.com/RavingIran; www.ravingiran.com) from Christian Frei on Vimeo.


Flipboard
Folge uns auf Flipboard @Blogrebellen

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.