PlayDifferently Model1 – Hawtins Spielzeug oder der ultimative Mixer? (Update)

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Richie Hawtin ließ endlich die Katze aus dem Sack und stellte seinen neuen Mixer vor. Mittlerweile haben einige schlaue und wohlinformierte Menschen viele Worte über das Gerät geschrieben.

Bei amazona, DJTechtools, DJWorx, aber vor allem drüben bei Ole von salection könnt ihr sehr gute Zusammenfassungen der Features des Gerätes lesen.
Ich sehe das genauso wie Ole, das Gerät spricht eine sehr spitze Zielgruppe an. Eine Zielgruppe, die dort spielt, wo massiv viel Geld mit Nachtleben verdient wird, weswegen der Model 1 eine ziemlich gute Idee sein könnte, auch wenn es nie den Massenmarkt ansprechen wird.

Also werde ich mich auf ein paar Features konzentrieren, die ich persönlich bemerkenswert finde.

Keine Soundkarte? Was erlaube Richie?

Back-Model1

Ich weiß schon, analog ist voll im Trend. Alle wollen am „analoge Wärme“-Hype teilhaben. Und richtig, gut konstruierte und angenehm klingende Filter und EQs sind etwas Feines. Aber das alles wäre im Model 1 immer noch vorhanden gewesen, wenn man dem Ding eine vernünftige Soundkarte spendiert hätte. Warum ausgerechnet an der Stelle gespart wurde, wo man zur Minimierung von Kabelwegen, Umbaustress usw hätte beitragen können, muss ich nicht verstehen. Die DSub-Eingänge, lösen das Problem, aber wieviele Soundkarten gibt es am Markt, die über diese Ausgänge verfügen?

Record-Out als Miniklinke?

Miniklinke-Model1

Einen Mixer ohne klangliche und preisliche Kompromisse bauen und dann als einzigen Ausgang zum Aufnehmen eine beschissene Miniklinke einbauen und diese dann halbgar und das Design des edlen Geräts störend irgendwo scheps auf die Oberseite klatschen. Wer bitte kommt auf solche Ideen? Ein Klinken- oder Chinchausgang auf der Rückseite wäre doch sicher noch drin gewesen.
Noch dazu weil auf der Rückseite des Mixer ausreichend Platz gewesen wäre. Inkonsequent, häßlich, doof.

[Update]

Bildschirmfoto 2016-05-06 um 15.05.29
Ups,ich habe da ein wichtiges Detail übersehen: Der Gerät hat zwei unabhängig voneinander regelbare Master-Outs, von denen sich einer prima zum Aufnehmen nutzen lässt. Man muss sich also nicht mit der kleinen Klinke herumschlagen. Danke an Pauls Büro für den Hinweis. Ideal finde ich die dennoch nicht, ein dezidierter Record Out, ohne Pegelsteller, den man aus Versehen drehen kann, gehört für mich zwingend zu einem Mixer dazu, egal in welcher Preisklasse. Oder anders gesagt, ich möchte an einem Gerät für 3800,- keinen Miniklinken sehen und schon gar nicht möchte ich sie so seltsam lieblos auf die Frontplatte geklatscht sehen.

Doppelte CUE-Section für B2B-Sets

doppel-cue

Yeah, das ist mal ein wirklich cooles Feature, das auch UI-mäßig erstklassig gelöst wurde. Eine Einheit rechts und eine links am Gerät. Super!

Das obligatorische shiny Produktvideo

Kein Crossfader

Der Gerät in seiner ganzen Pracht. Klick für die große Ansicht.
Der Gerät in seiner ganzen Pracht. Kein Platz für einen Crossfader.

Sehr gut, das nenne ich konsequent. Crossfader ergeben meiner Meinung nach wirklich nur für Cuts und Scratchen Sinn. Zwei Dinge, die mit diesem Mixer wahrscheinlich keiner machen wird.
Abgesehen davon brauchen sie jede Menge Platz auf der Oberfläche. Zudem stören Crossfader zuverlässig das Design der meisten Mixer, weil sie das einzige querliegende Element sind, während die gesamte UI-Logik sonst auf senkrechten Linien fußt. Weg damit!

Klangregelung für den Monitor-Out

Ironischerweise ein Feature, das genau da, wo der Model 1 zu Hause sein wird, vergleichsweise am wenigsten gebraucht werden wird. Wo Hawtin, Dubfire und Co hingebucht werden, wird niemand am Monitorsound sparen. Dennoch ein tolles Feature, das ich eigentlich bei jedem Gig vermisse. Den Monitorsound an die persönlichen Vorlieben oder zumindest die Unzulänglichkeiten der Monitoranlage anpassen zu können, ist ein Traum, den ich immer wieder träume. Daumen hoch und zwar so weit, dass Prince ihn sehen kann!

Richie Hawtins Talkthrough

Filter plus einzelner parametrischer EQ anstatt 3-Wege-Klangregelung

parametric-EQ-Model1

Wahrscheinlich die umstrittenste Designentscheidung: Anstatt des gewohnten 3-Band-EQs mit je einem Regler für den Pegel von Bässen, Mitten und Höhen, wurde für den Playdifferently-Mixer ein einzelner parametrischer EQ-Weg verbaut, der von je einem Hoch- und einem Tiefpassfilter flankiert wird. Finde ich super. Käme meinem Workflow durchaus entgegen, ich komme meistens mit dem Kombifilter von Traktor aus und brauche fast gar keine EQs mehr. Und wenn doch, reicht mir persönlich ein Regler, um einen bestimmten Frequenzbereich zu betonen oder herunterzuregeln.
Konsequent und mutig, würde ich gerne ausprobieren.

Hawtins Spielzeug oder ultimativer Mixer?

Playdifferently-Model1

Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Der Gearjunkie in mir schreit “Der Gerät!”, der Skeptiker sieht eine verdammt teure Maschine mit sehr speziellen Features, die absolut nicht jedermanns Sache sein werden. Ich würde das Teil gerne in echt ausprobieren, um zu spüren, ob Hawtins Anspruch daran, wie sich das Ding bei der Arbeit anfühlen soll, auch wirklich erfüllt wird. Beim Rane MP2015 ging es mir nämlich so, dass er sich unter meinen Finger wesentlich weniger wertig anfühlte, als er auf den Bildern wirkte. Auf jeden Fall ist der Preis exorbitant hoch, denn es wird den Mixer nur im Direktvertrieb geben, es entfallen also alle Margen der Zwischenhändler und die 3800,- landen direkt bei Allen&Heath, die den Mischer bauen werden.


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