Ein musikalischer Streifzug über die Fusion – So vielfältig ist die Musik auf dem Festival

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Was die Fusion für mich zu etwas sehr Besonderem macht, ist die musikalische Vielfalt, die man dort zu hören bekommt. Die vielen vollkommen unerwarteten und genau deswegen hochwillkommenen Überraschungen machen für mich erst den Reiz des Festivals aus.

Deswegen habe ich dieses Jahr ausprobiert, anstatt viele Photos zu schießen, die auf den Floors laufenden Tracks zu shazamen, um eine Art akustischer Momentaufnahme zu bekommen. Folgt mir auf meinem ganz persönlichen Streifzug durch ein nach wie vor sehr besonderes Festival.

Vorweg allerdings noch zwei Bemerkungen:
Erstens: Ich bin beeindruckt, welche Trefferquote Shazam mittlerweile erreicht. Ich hatte nur drei Mal die Situation, dass Shazam einen Track nicht erkannt hat. Wobei eines davon nicht zählt, denn da habe ich es aus ungefähr 200m Entfernung zum Floor versucht.

Zweitens: Jede Beschreibung des Festivals, jede Erinnerung, jeder Bericht über die Fusion kann nur maximal ein kleines Schlaglicht sein. Man darf nie vergessen, dass man immer mindestens 21 Floors verpasst, wenn man sich an einer Bühne aufhält. Das hier kann und will nicht einmal einen repräsentativen Überblick über meine eigenen Fusionerlebnisse liefern, geschweige denn irgendeine Aussage über das ganze Festival treffen.
Manche Momente will ich gar nicht teilen, manchmal hatte ich schlicht keine Lust zu shazamen oder habe es vergessen. Und dann kommen da die vielen musikalischen Momente, die nicht einzufangen sind, wie zum Beispiel die vollständig improvisierten Sets von Rico Loop.

Rico loop in der Space Bar
Rico loop in der Space Bar

Frikstailers – Venus

Sonnendeck, Fr, 22:05

Das Tanzatelier Kokü liefert zuverlässig, wie schon im letzten Jahr. Gleich der zweite Tune diese unfassbare Slow-Techno-Hypnose von den Friksatilers. Normalerweise die perfekte Visitenkarte, um das ganze Set über am wunderbaren Sonnendeck zu verweilen. Eine Verabredung und irgendetwas seltsam Beklemmendes im Sound halten mich davon ab. Ich ziehe weiter.

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Kevin McKay – What U Want (J Paul Getto Classic Mix)

Tanzwüste, Fr. 23:00
Klassischer House. So klassisch, dass ich sicher war, einen mir noch unbekannten House-Klassiker zu hören, aber weit gefehlt. Das Ding ist brandneu. Yeah, Disco House kommt zurück und ich freu mich darüber!

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DUSTY- Revolver Theme

Querfeld, Sa, 04:00
Renegades of Jazz hatte einen super Slot am Freitag Nacht auf dem Querfeld. Ehrensache, den Fusion-Neuling einmal übers Gelände zu führen, ihm die beste Pizza am Platz einzuflößen und dann sein Set abzufeiern.
Und dann mittendrin dieser federnde Mörderfunk. Ich musste dieses unfassbare Brett sofort shazamen … und in schallendes Gelächter ausbrechen. Dustys Revolver Theme habe ich seit mehr als 10 Jahren auf Vinyl zu Hause stehen. Danke fürs Erinnern, David!

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The Gaff – High Life

Querfeld, Sa. 04:05
Der nächste Track von Renegades of Jazz war gleich das nächste Brett. The Gaffs „High Life“ ist Funk und Don’t-call-it-World-Sound in einem. Die Crowd dankte es David mit viel Gezappel und guter Laune.

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S.K.A.M. – Spiritual Heir (Original Mix)

Turmbühne, Sa, 15:30

Sunrise over  Türmbühne
Sunrise over Türmbühne

Ein typischer Fusion-Track am Samstag Nachmittag an der Turmbühne und die perfekte Mischung aus Schub und Emotion. Warm, deep, wunderschön. Ohne dicke Funktion-One-Anlage im Kreuz und ohne Festivalstimmung seltsam drucklos und ein bisschen langweilig. Dennoch ein sehr schönes Stück Deep House.

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Peter Pardeike – Love Supreme (Original Mix)

Turmbühne, Sa, 15:40

Direkt im Anschluß spielten Frankey und Sandrino das noch unveröffentlichte „Love Supreme“ von Peter Pardeike, das ganz beträchtlich mehr Druck entwickelt und dessen an Ricardo Villalobos‘ „Easy Lee“ erinnerndes Vocal erdbebenähnliche Vibrationen auf dem Floor auslöste. Im richtigen Setting -und die Turmbühne am Samstag Nachmittag ist genau das richtige Setting- ein Track, der massiv auf die Tränendrüse drückt.

https://www.youtube.com/watch?v=fYxC02EFBi8

Decap – Feeling

Dubstation, Sa, 15:50

Schnell rüber zur Dubstation, um DJ Scientist hallo zu sagen. Immerhin maile ich mit dem Mann zum 1. Mai schon seit zwei Jahren intensiv hin- und her, weil er da traditionell sein „Keine Musik für Niemand“-Mixtape bei uns veröffentlicht. Während ich den Schluß seines Sets abwarte, um ein paar Takte mit ihm zu quatschen, läuft unter anderem dieser wunderschöne Schieber:

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Äl Jawala – Heymischer Bulgar

Palast, Sa, 17:00

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Das Konzert von Äl Jawala im Palast betrete ich leider erst zum vorletzten Song. Der letzte Track wird als „Hochzeitslied“ angekündigt, was ich mir gut vorstellen kann. „Heymischer Bulgar“, eine Mischung aus Balkan Style, Disco (!) und Trommelorgie deckt das Haus ab. Gefühlt eine Viertelstunde lang rocken Äl Jawala damit alles in Grund und Boden. Wenn das schon das ganze Set so ging, frage ich mich, wie die Menschen auf der Bühne und im Publikum das ausgehalten haben. Aber Fusionäre sind durch die viele Bewegung an der frischen Luft konditionsmäßig ganz weit vorne.

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Der Dritte Raum – Hale Bopp

Tanzwüste, Sa, 20:50

Der Dritte Raum @ Tanzwüste
Der Dritte Raum @ Tanzwüste

Nein, ich muss „Hale Bopp“ natürlich nicht shazamen. Der 20 Jahre alte Klassiker treibt mir Gänsehaut über den Körper und Tränen in die Augen, sobald die ersten Töne sich in den vorher laufenden Track schleichen. In froher Erwartung, gleich mit einer ausflippenden Crowd abzugehen, warte ich auf den Moment, wenn die Anwesenden den Tune erkennen, doch dieser Moment bleibt aus. Einzige Erklärung: Die Leute sind im Schnitt mittlerweile so jung, dass es höchstens noch „Swing Bop“ kennt, aber nicht mehr das Original. Tja, wir werden alt, Leute.

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Dinosaur L. – Go Bang (Francois K Mix)

Sonnendeck, Sa, 00:00

Das Sonnendeck
Das Sonnendeck

Später dann, der x-te Versuch, mit dem Sonnendeck warm zu werden. Wie jedes Mal, wenn ich im Verlauf des Wochenendes auf dem wunderschön dekorierten neuesten Floor der Fusion vorbeikomme, ist die Musik erstklassig und genau mein Geschmack. Slow House, Ethno-Zeugs und Disco-Edits. Eigentlich perfekt. Leider hält die Anlage nicht, was die Musik verspricht. Höhen und Mitten sind zu laut. Was mir den Spaß aber so richtig vergällt, irgendwas stimmt mit dem Bass nicht. Kick-Drums spürt man ganz deutlich in der Herzgegend pochen, anstatt im Bauch drücken. Auf Dauer bekomme ich Schmerzen in der Brust und üble Beklemmung davon. Noch nie so erlebt, zumindest nicht so schlimm. Schade…
Aber solange „Go Bang“ läuft, halte ich es aus. Mördertune. Wird nie alt.

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Faada Freddy – Truth

Kolkata, So, 10:55

Ein typischer Vertreter der Gattung „Musik im Kolkata“. Auf dem Floor der ganz früher mal den Bachstelzen gehörte und dann Karl Kutters Bar war, ist die Musik eines nie: Durchschnittlich. Zwischen gewöhnungsbedürftigen Live-Acts und stundenlangen Slow-House-Hypnosen warn dort immer wieder musikalische Überraschungen wie Faada Freddys „Truth“ zu entdecken.

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Norman Greenbaum – Spirit in the Sky

Seebühne, So, 14:00

Ein letzter Rundgang vor der Heimfahrt. Das finale Impressionen-Einsaugen, es muss schließlich für zwei Jahre reichen. Als ich mich der Seebühne nähere, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Red Axes spielt als letzten Track einen Edit von Norman Greenbaums „Spirit in the Sky“. Es ist einer jener Momente, für die man die Fusion lieben muss. Ausgerechnet einen 45 Jahre alten Blues-Rock-Gospel-Radio-Hit, nehme ich als letzten Eindruck mit nach Hause. Danke Fusion!

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