Terror-Wahn: Bitte alle mal durchatmen!

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Amok in München – Vorwort von Julian Zwingel
Wahnsinn, die Welt dreht durch, aber nichts davon ist zu hören. Hier in Berlin nicht. In den meisten Teilen Münchens nicht. Und trotzdem: Dröhnendes Blätterrauschen. Alle kucken zu, starren auf den Bildschirm, indem sich der Hass potenziert. Indem sich die Abscheu ver-x-facht. Es wäre ganz einfach. Zuhause bleiben, Glotze aus. Im Zweifel bei den Unseren anrufen. Dasein. Weiteratmen. Stattdessen kuckt die halbe Welt und doch jeder für sich gebannt auf einen Bildschirm, schaufelt verbrannte Kohle in die Seelen und hasst irgendwen oder sich selbst oder alles. Zerbröckeln an diesem Wahnsinn. Wer, wann, was. Es ist so egal. In einer gewalttätigen Welt geschehen gewalttätige Dinge. Wir können es nicht ändern. Es ist, wie es ist. Es bleibt so, wie es ist. Oder wird anders. Bagdad, Nizza, München. Wir wissen nicht, wohin das alles führt. Wir wissen nur, dass wir abschalten können, wenn wir es wollen. Die Aufmerksamkeit woanders hinlenken. Nicht Sklaven des eigenen Schreckens und des Voyeurismus werden. Da draussen passieren trotz allem so viele schöne Dinge. Menschen öffnen ihre Türen für Wildfremde, denn sie haben eine Grundregel verstanden: Geteiltes Leid ist halbes Leid. So einfach, so klar. Lasst uns zusammenrücken.

Oder um es mit Mascha Kaleko zu sagen:

„Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muß, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
Sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.“


Bitte alle mal durchatmen!

Ich stand gestern Abend am Grill als die ersten Push-Meldungen über den Amoklauf in München auf meinem Smartphone ankamen. Eigentlich bin ich ja der absolute News-Junkie, doch gestern entschließ ich mich dazu einfach im Garten sitzen zu bleiben und die Berichterstattung über München außen vor zu lassen. Das tat gut.

Am späten Abend habe ich mich dann doch mal durch die ganzen Sondersendungen gezappt und wurde direkt damit bestätigt, nicht schon zuvor eingeschaltet zu haben. Denn das was alle Sender von sich ließen waren nichts anderes als Spekulationen, Meinungen irgendwelcher Spezialisten, die sich an noch solch keinen Details eine Geschichte an den Haaren herbei zogen und Videos, über deren unreflektierten Einsatz im TV und in den sozialen Medien wir noch einige Tage sprechen werden.

Und dann gab es noch die Tweets und Statusmeldungen einiger AfD- und CDU-“Politiker”, die nur darauf warteten, dass auch in Deutschland endlich mal der Terror ankommt und sie, ohne auf die Hintergründe zu warten, ihren Hass in die Timelines kippten:

tweet afd

poggenburg-afd

Vice hat noch ein paar weitere Beispiele vorschneller Reaktionen gesammelt.

Doch wie verhält man sich bei einer solchen Nachrichtenlage korrekt, wenn man nicht direkt oder örtlich betroffen ist? Unser Brudi Daniel Köhler schrieb kurz nach den ersten Breaking-News-Meldungen:

Durchatmen, inne halten, abwarten und checken, ob die Liebsten alle in Sicherheit sind, Hilfe anbieten. So einfach kann das sein. Alles andere spielt nämlich in die Kassen der Extremen. Extreme Rechte wie die AfD und Konsorten, extreme Verschwörungstheoretiker und Lügenpresse-Schreihälse und nicht zuletzt den Terroristen.

Beim Essen zu ersticken ist deutlich wahrscheinlicher, als bei einem Terror-Anschlag zu sterben – laut Statistik. Unser ?#?kurzerklärt? zur Terror-Angst.

Random Act of Kindness Samstag

Von Abbas: Sei einfach nett zu jemanden, den du nicht kennst. Bezahl beim Eisladen die nächsten zehn Kugeln Eis. Sprich eine alte Dame an und frag sie nach ihrer Jugend. Bedank dich beim Ubahnfahrer, dass er dich bei dem Wetter da oben fährt (schenk ihm auch ein Eis). Lade einen Pfandsammler auf eine Cola ein.
Danach wirst du merken, gestern war ein wunderschöner Tag, heute ist ein wunderschöner Tag, Planet Erde ist die beste Erde.



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2 KOMMENTARE

  1. […] Leben zu führen, findet sich bei Daily Good. Darunter finden sich auch einige Klassiker, wie z.b. Random Acts of Kindness oder Connect with others. Sehr viel Neues ist zwar auch da nicht zu finden, aber in der […]

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