Lorenz Meyer, Mimikama, Blogrebellen – warum gibt es von den Netzfrauen immer auf die Mütze?

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Foto basiert auf "fighting" von Frederic C81 (CC BY-SA 2.0)
Foto basiert auf "fighting" von Frederic C81 (CC BY-SA 2.0)

Vorweg: wir sind alle nicht ohne Fehler. Weder ohne Rechtschreibfehler, noch ohne inhaltliche Fehler. Manchmal beherbergen wir alle auch menschliche Fehler. Was wir jedoch immer innehaben müssen, ist die passive Kritikfähigkeit.

Vor allem dann, wenn man selbst täglich offen, aber auch offensiv Artikel publiziert. Je mehr man publiziert, desto höher ist die zu erwartende Kritik. Die kann mal positiv ausfallen, manchmal aber auch negativ. Letzteres ärgert mich natürlich immer wieder. Ist die Kritik am Inhalt gesiedelt, muss ich schauen, ob ich tatsächlich Mist geschrieben habe. Bemerke ich in diesem Prozess, dass ich wirklich danebengegriffen habe, dann sage ich das auch. Laut. Deutlich. Mit der Bitte um Entschuldigung.

Habe ich grammatikalisch einen Yoda-Satz gebaut oder orthographisch in die Kacke gehauen, sollte ich das nach Möglichkeit korrigieren und ebenso anmerken, dass eine Korrektur stattgefunden hat. Und am Ende gibt es da noch die Königsdisziplin: den Kontakt mit den Kritikern suchen und mögliche Fehler ausmerzen, bzw. gemeinsam an Lösungen arbeiten. Offene und freundliche Kommunikation ist in diesen Fällen nicht nur ein guter Weg, sondern auch ein wichtiges Mittel in der Selbstreflexion.

“Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde und streiten Sie mit uns. Diskutieren Sie mit uns. Weisen Sie uns auf Fehler hin. Wir sind Journalisten, wir sind keine Übermenschen. Wir machen Fehler. Deswegen sind wir aber noch lange keine Lügner.”
ZDF-Journalistin Dunja Hayali

Aber es geht auch anders, es geht wirklich auch anders und das sieht man auf Facebook quasi per Knopfdruck.

Ich streichle gerade diesen Knopf

Ja, das meine ich gerade wirklich ernsthaft. Vor mir liegt dieser rote Knopf, er trägt die Aufschrift “DORO”. Nein, falls Fragen kommen, ich will hier niemanden durch den Dreck ziehen. Das liegt mir mehr als fern. Ich möchte lediglich zitieren, reflektieren und bitte auch einmal zeigen, wie man es NICHT macht. Und auch zur Güte vorschlagen, wie man es machen kann.

Ja, vor mir liegt dieser rote Knopf. Nein, ich drücke ihn nicht. Ich halte lediglich meine Hand darauf. Ich will ihn ja nicht drücken. Ich verbastel hier auch keine versteckte Ironie oder ähnliches, ich möchte lediglich zeigen, wie immer und immer wieder aktive Kritik auf nicht existierende passive Kritikfähigkeit stößt.

Zunächst…

Ich bin keine Mutter. Gott verzeih, ich bin auch keine Großmutter. Ich bin nicht einmal ein Vater. Macht mich all dies zu einem schlechten Menschen? Erwirke ich erst dann Kritikrechte, wenn ich eine Mutter oder Großmutter bin? Das wage ich an dieser Stelle zu kritisieren. Mehr sogar: ich liebe meine Mutter. Ebenso halte ich auch meine Großmütter in Ehren, so wie auch meine Urgroßmütter (Oma “Muddel” hat immer schon gewusst, dass aus mir mal was werden könnte, und da war ich erst drei Jahre alt) soweit ich sie kenne hoch achte.

Ja, ich wehre mich vehement: nur weil jemand Kritik an einem von Frau(en) betriebenen Internetblog betreibt, hasst er nicht gleich alle Mütter und Großmütter. Dieser Vorwurf alleine ist schon unsinnig. Meine Mama watscht mich nicht ab, nur weil ich Kritik an der Reaktion eines Blogs schreiben würde. Meine Mutter würde nicht einmal ausflippen, wenn ich sie selbst kritisieren würde, vorausgesetzt, die Kritik wäre angebracht.

Und nun sitze ich hier …

(Zwar nicht am Kopfende meines Tisches, sondern auf dem Sofa) und lese vor mir die neuesten Empörungen aus der “Hauptzentrale” der Netzfrauen von Netzfrau Doro Schreier. Mit Kopfschütteln, denn niemand hat sie wirklich angegriffen. Was da los war? Kein Problem, das ist kein Geheimnis. Auf der Facebookseite “Lorenz Meyer” wurde folgende Grafik unter dem Titel “wenn Verschwörungstheoretiker den Wetterbericht beschlagzeilen würden” veröffentlicht:

Mal im Ernst: weder der Kopp Verlag, noch Compacts Else oder Putin und die Falung-Gong Sekte haben sich beschwert. Niemand. Außer den Netzfrauen. Hier hat es derbst im Gebälk gepoltert, denn man (frau) beschrie direkt einen Rufmord.

Oh bitte …. was ist denn los. Es gibt bestimmt dreiunddrölfzig andere Wege, auf diese Art der Veröffentlichung von Lorenz Meyer zu entgegnen. Man hätte den Scherz mitspielen können. Man hätte den Mund halten können. Aber man reagiert exakt so, wie andere es erwarten (ich erwarte ja auch bereits Schreckliches).

Wie erwartet?

Ja, wie erwartet. Denn diese Reaktionen sollten wohl alle erwartet haben, die seinerzeit den Artikel der Blogrebellen auf N24 gelesen haben: die Empörung kommt auf Kopfdruck. Man kann sie quasi provozieren.

Geradezu legendär, ist die Einstellung der Netzfrauen zur Korrektur von Fehlern, sie findet einfach nicht statt. Und boy, was haben Doro Schreier und ihre Mitstreiter, (so es diese überhaupt gibt) für Böcke geschossen.

Ja, es gab zu diesen Worten exakt die prädiktierte Gegenreaktion. Passive Kritikfähigkeit oder Selbstreflexion? Nein. Frontaler Gegenschlag mit Verleumdungsvorwurf. Wie bei dem oben angeführten Lorenz Meyer. Man könnte fast ein Muster erahnen.

Und wenn man schon die Ahnung auf ein Muster hat, dann kann man ja schon mal genauer hinschauen, denn es gab auch weitere Stellen, die es sich “erlaubt” haben, an den Blogmüttern Kritik zu üben.

Die Damen und das Urheberrecht

So gab Joerg Wellbrock (Tom W. Wolf) auf dem Blog “Spiegelfechter” zu Wort, dass er ein Problem mit seinem von den Netzfrauen genutzten geistigen Eigentum hat.

Da ich in den letzten Tagen verfolgt habe, was die Netzfrauen denn so alles zum Besten geben, stolperte ich über ein Facebook-Video, das Sigmar Gabriel in einem ZDF-Interview zeigte. Ich rieb mir kurz die Augen, das Video kam mir ziemlich bekannt vor. Was kaum verwundern kann, denn es stamme von mir. Ich schrieb die Netzfrauen an und erhielt als Antwort: nichts.

Ein altes Thema: verschiedene Stellen monieren fehlende Quellenangaben. In diesem Falle war es ein Urheber selbst, der eine fehlende Quellenangabe monierte. Nun ja, kann man eigentlich recht schnell aus der Welt schaffen: man bittet den Urheber um Entschuldigung, verweist auf die Quelle und einigt sich letztendlich gütlich und gemeinsam.

Nicht so an dieser Stelle, denn man wittert einen Angriff. Einen Angriff auf Kinder, Enkelkinder, Mütter und Großmütter.

Nun werden wir Netzfrauen, von Männern in den Schmutz gezogen – Beispiel Webseite “#Spiegelfechter“- Inhaber Jens Berger und ein gewisser Blog ” Frank Halbwissen” -Inhaber Frank Nagel.
Diese Männer haben sich gegen uns verschworen und es kommt sogar zu verleumderischen Äußerungen.

Verleumderische Äußerungen. Ok. Der Urheber wird als Verleumder dargestellt. Das werte ich an dieser Stelle nicht, das will ich auch gar nicht werten (wie gesagt, den roten Knopf will ich ja gar nicht drücken). Es ist nur interessant, dass eine Kritik mit nachvollziehbarer Basis in das Gegenteil verkehrt wurde.

Der Netzfrauen-Feldzug gegen Großkonzerne, Mimikama und ihre eigenen Leser

Ach ja … immer wieder haben Blogs, Webseiten und auch TV-Formate aufs Maul bekommen, im Grunde jeder, der das Thema “Kritik” angefasst hat. Oh mein Gott, das fucking #Puschelgate hat uns Allen viele Nerven gekostet. Eigentlich wäre es recht einfach gewesen: man hätte schreiben können, dass eine gewisse Information letztendlich doch nicht passte, dass man überzogen hat und im Sinne der Glaubwürdigkeit nochmal genauer hinschauen wird.

#Puschelgate kennst Du nicht? Na, dann holen wir das mal in Erinnerung.

Nun, genau dieses moderne Web 2.0-Märchen spielt sich gerade beiden Netzfrauen ab. Es ging dort nur nicht um Dioxin in Eiern sondern um Echtfell an einem Schlüsselanhänger, der Rest ist unangenehm identisch: Letzten Sonntag um 14:48 Uhr hieß es dort „Vorsicht!!! Tchibo hat Schlüsselanhänger in „Echtfell-Optik“ – für 5,95 € im Angebot.“ Es folgt ein Bild des Anhängers. Es geht weiter mit „Jahr für Jahr werden in China geschätzt 70 Millionen Tiere wegen ihres Fells getötet […] Viele Käufer ahnen nicht einmal, dass sie echten Pelz tragen.“

Bei dem #Puschelgate waren wir sogar mehr als aktiv betroffen, da wir es “gewagt” haben, etwas anderes zu behaupten. Ganz nebenbei: der Auslöser des #Puschelgates ist IMMER noch zu sehen! Es handelt sich dabei um eine Veröffentlichung aus dem Dezember 2015, bei dem suggeriert wurde, der Tchibo Schlüsselanhänger sei kein Kunstfell, sondern Echtfell. Und wir bei Mimikama waren sogar noch so blöd, da mal hinzuschauen (siehe hier).

Genau, wir waren so blöd. Denn zum einen haben wir VOR dem Veröffentlichen unseres Artikels es gewagt, bei Tchibo zu fragen, zum anderen haben wir dummerweise der Veröffentlichung der Netzfrauen widersprochen.

Sehr geehrter Herr [ZDDK/Mimikama],
Tierschutz ist uns sehr wichtig, daher verwenden wir seit über acht Jahren keinen Echtpelz mehr. Wir verkaufen keine Kleidung, keine Accessoires oder andere Produkte, die echten Pelz enthalten – und werden dies auch in Zukunft nicht tun. Mit dem Beitritt zum internationalen „Fur Free Retailer Program“ der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ haben wir unsere Selbstverpflichtung 2013 nochmals bestätigt. Anfang 2014 haben wir zudem entschieden, Produkte mit Angora nicht mehr anzubieten.
Um gewährleisten zu können, dass ausschließlich Kunstfasern verwendet werden, wird die Materialzusammensetzung unserer Produkte durch externe akkreditierte Prüfinstitute analysiert.

Derartige “Fehler” wurden natürlich direkt bestraft. Mit einer Warnung vor der Seite, weil ja “permanent” (Anmerkung aus dem Duden:”dauernd, anhaltend, ununterbrochen, ständig”) angreifen.

Nein, das taten wir nie. Haben wir auch kein Interesse dran.

Ja, wir von Mimikama nehmen uns das Recht heraus, Inhalte zu kritisieren. Aber da muss man differenzieren: wir haben niemals “Doro ist doof” geschrieben, dass liegt auch unser Vereinsphilosophie fern. Wir haben einzelne Inhalte angemarkert, auch von den Netzfrauen. Das gebe ich zu. Ebenso gebe ich zu, dass wir intern eine Diskussion um die Angst vor Gegenreaktionen hatten, denn jeder Artikel, in dem wir diese Inhalte kritisierten, führte zu einem Vorwurf, dass wir Mütter und Großmütter nicht respektieren würden.

Hier stehe ich und kann nicht anders

Und denke mir gerade: das gibt wieder Ärger. Auch wenn ich nur meine Beobachtungen geschrieben habe, so wird wahrscheinlich wieder irgendein Mimikama-Logo (das im Übrigen urheberrechtlich geschützt ist) durchgestrichen werden, wir wieder als Mütter-Großmütter-Beschimpfer dargestellt werden, vielleicht sogar mein Arbeitgeber angerufen wird, wie ich sowas nur veröffentlichen konnte.

Ich weiß, ich bin keine Mutter. Ich bin keine Großmutter. Ich bin kein Vater. Kann man mir vorwerfen, darf man aber nicht als Kompetenzmerkmal thematisieren. Ebenso sind da noch offene Fragen, die größte davon wahrscheinlich, wann das Versprechen erfüllt wird und mit dem Zelt vor dem Kanzleramt campiert wird?

Auch ich mache nicht immer alles richtig. Aber ich nutze exakt diese Fehler dankbar dazu, sie nie wieder zu begehen.



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7 KOMMENTARE

  1. Lieber Andre,

    natürlich kann Dir jede Mutter vorwerfen, dass Du nicht Vater bist, allerdings kann sie Dir nur vorwerfen, nicht der Vater ihrer eigenen Kinder zu sein. Diesen Vorwurf solltest Du dann auch noch als Kompliment auffassen.

    Ich glaube auch nicht, dass es neben Doro Schreier noch andere Netzfrauen gibt, sondern dass es ihr einfach gefällt, von sich stets und ständig im Majestätischen Plural (“Wir Netzfrauen”) zu schreiben. Wenn sie bei der Kinder-/Enkel-Erziehung das gleiche Verhalten wie auf ihren Websites an den Tag gelegt hat, sind ihre Kinder zutiefst zu bedauern, sofern es denn wenigstens diese Kinder/Enkel gibt. Ich würde “Netzfrauen” mittlerweile nicht einmal mehr das Datum glauben, ohne mich anderweitig abgesichert zu haben.

    Beste Grüße
    Roland

  2. Nur eine Frage, Andrè. Was passiert, wenn Du den roten Knopf drückst? Wäre Frau Schreier dann endlich still?

    Wenn ja, bitte, BITTE, drück ihn…

    ;o)

  3. Lieber André,
    wie wäre es, dieses Schandmaul mal mit hochoffiziellen Waffen zu schlagen? Sprich: jedes Mal anzeigen bei Urheberrechtsverletzung, Verleumdung, Beleidigung, etc? Ich glaube, nach einem letzten Aufbäumen wird es dann ganz schnell ruhig…
    Und BITTE: Drück endlich diesen Knopf, wir wollen alle wissen, was dann passiert!

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