FünfMalZwei: Interview mit Leila Akinyi

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Leila Akinyi ist eine der größten Nachwuchshoffnungen im deutschsprachigen Rap. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Soul, HipHop und Reggae lotet sie ihre musikalischen Grenzen aus und entdeckt dabei, dass für sie kaum welche existieren. Die Kölnerin hat im Frühsommer ihre Debüt-EP veröffentlicht und hat damit ganz schön Staub aufgewirbelt.
Der Promotag im Mai, an dem dieses Interview entstand, war Leilas erster Berlin-Besuch überhaupt. In einem Hostel am Kottbusser Tor trafen wir Leila und haben mit ihr über die Balance zwischen Inhalt und Form, musikalische Früherziehung und Hairstyles gesprochen. Viel Spaß mit dem FünfMalZwei-Interview!

Reggae oder Ska?

Reggae.

Du hast ja in Deiner Musik viele Reggae-Einflüsse. Wie arbeitest du an den Beats mit? Bist Du dabei, wenn sie entstehen oder wie suchst du sie aus?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt manche Songs, die bei mir zuhause entstehen. Ich fang dann an über Logic an beats zu arbeiten und mich auszuprobieren oder hab vorher eine Melodie oder nen Text im Kopf. Ich arbeite mit verschiedenen Produzenten zusammen, z.B. mit Yaya für „Afro Spartana“. Es kann passieren, dass meine Produzenten kommen, sagen: „Hey, wir haben ein Instrumental für dich.“ und ich dann sage: „Cool, da habe ich Lust drauf.“ Es kann aber auch sein, dass ich hinkomme und sage: „Hey, ich habe da eine Idee. Ich stelle mir das so und so und so vor. Kriegen wir das hin?“. Reggae-Sounds passieren immer, wenn ich mit einer Akustik-Gitarre Songs schreibe.

Form oder Inhalt?

Mir ist sehr wichtig, dass in meiner Musik immer auch eine Message mit drinsteckt. Ich denke jetzt aber auch nicht über Politik nach, wenn ich einen Song schreibe. Ich spreche eher über die Erfahrungen, die ich selbst mache, über das, was ich lebe und sehe. Obs Rassismus ist, den ich erlebe oder einfach nur Menschen, die böse und verbittert sind oder einfach nur glücklich sind. Das fasse ich dann zusammen und dann wird’s plötzlich politisch. Es ist aber schwer zu sagen. Musik ist ja Gefühlssache und ich lasse diesen Gefühlen auch freien Lauf. Ich höre einen Beat und dann fange ich an zu schreiben. Ich habe dann auch keine bestimmte Richtung, sondern ich schreibe einfach alles was mir einfällt. Jede Idee kann ich dann auch überarbeiten und machen, was ich möchte. Ich kann einen Text schreiben, der 16 Zeilen hat und nachher mache ich nur acht daraus. Inhalt ist mir also sehr wichtig, aber eben auch, dass die Musik Spaß macht.

In den letzten zwei Jahren kommen aus meiner Sicht gerade aus dem deutschsprachigen Rap immer bessere und qualitativ hochwertigere Produktionen raus, die sich mit politischen oder gesellschaftlichen Themen befassen, die oft sehr persönlich gefärbt sind und weniger politisch-propagandistisch sind. Teilst Du diese Sicht?

Heutzutage ist so ziemlich jeder von politischen Themen betroffen. Deswegen kann eigentlich jeder darüber reden. Vielleicht haben die Musiker mal gecheckt: Ok, man kann auch über mehr rappen als Frauen, Geld und Häuser. Es gibt ganz andere Probleme in unserer Welt.

Musikalische Früherziehung oder Musikstudium?

Früherziehung, kein Studium. Ich mache immer noch musikpädagogische Projekte, das ist sozusagen mein zweiter Beruf. Also auf der einen Seite mache ich selbst Musik und auf der anderen Seite bin ich Musikdozentin an Schulen und ich schreibe mit den Kids Songs, singe meine eigenen Sachen oder Gospel-Songs, wir lehren mehrstimmig zu singen, ich trainiere die Stimmen der Kids , die singen mir was vor. Und ich tanze auch mit den Kindern. Das Ziel ist es am Ende groß aufzutreten. Ich bin der Meinung, dass man mit Musik und Tanz deren Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken kann. Jeder hat zwar seine eigene Harmonie, aber trotzdem arbeitet man mit der gemeinsamen Energie und Lautstärke. Und das Selbstbewusstsein wird dadurch gestärkt, dass man sich mutig vor Menschen stellt und anfängt zu singen oder einen Text vorspricht. Ich habe gemerkt, dass die Kids dadurch offener werden, die trauen sich mehr, die kommen aus sich raus durch die Musik und durchs Tanzen.

Ich stelle mir das lustig vor, wenn die Kinder auf der Bühne stehen und deine Songs singen. Was ist das für ein Gefühl für dich?

Das ist schon manchmal ein komisches Gefühl, aber es berührt auch. Die Kinder sind ja alle super talentiert und das muss einfach nur gefördert werden. Und zwar richtig, indem man sie ernst nimmt und ihnen zuhört. Wenn die dann meine Songs singen, berührt mich das schon. Das ist ein schönes Gefühl.

Laufsteg oder Straße?

Ich mache die Straße zum Laufsteg. Straße hin oder her. Die Idee hinter der Songzeile in „Kein Weg zu weit“ ist, dass die Models auf dem Laufsteg manchmal echt scheiße aussehen. Die haben wirklich manchmal hässliche Klamotten an, aber denen wird gesagt: Egal, wie hässlich euer Outfit ist, wenn ihr auf dem Laufsteg lauft, dann müsst ihr das Kleid repräsentieren, als wenn ihr die Schönste wärt, egal wie hässlich es ist. Ich sage: Akzeptiere Dich, so wie du bist und präsentiere Dich, als wärst du DIE Person. Man muss sich erstmal selbst akzeptieren und sich selbst lieben und dann kann man die Straße zum Laufsteg machen. Du kannst ne ewig lange Nase haben, du kannst als Frau ne Glatze tragen oder ein Loch im Schuh haben. Es ist vollkomen egal, es geht um eine selbstbewusste Haltung. Einfach mal in sich gehen und die Straße zum Laufsteg machen.


Afro Spartana oder Afro Hippie?

Afro Spartana. Afro Hippie- was ist das?

Es geht ja darum in der Frage einen Gegensatz aufzumachen. Und du bezeichnest Dich ja selbst als Afro Spartana, was genau das Gegenteil von einem Hippie ist, denn Spartaner sind ja Krieger.

Der Afro Spartana ist trotzdem Peace-mäßig unterwegs und bekämpft wenn, dann das Böse. Der Afro Spartana tut niemandem weh. Der Afro Spartana beschützt. Der Afro Spartana predigt. Der Afro Spartana gibt Ratschläge. Der Afro Spartana tut niemandem was, es sei denn er wird angegriffen, dann muss er sich natürlich wehren. Der Afro Spartana ist positiv.



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