Wahlplakate-Adbusting soll Sachbeschädigung sein? Notwehr trifft es eher!

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Gestern bloggte Peter über Adbusting von NPD-Plakaten in Mecklenburg Vorpommern und provozierte damit einige Reaktionen. Positive, wie es bei unseren Lesern zu erwarten war, aber auch ein paar negative. Die negativen Anmerkungen drehen sich hauptsächlich darum, dass es sich beim Verbessern von Plakaten um schlichte Sachbeschädigung handelt, ein Mittel, das im politischen Diskurs fehl am Platze sein sollte.

Philipp Reiß argumentiert in seinem Kommentar u.a. mit Sachbeschädigung
Philipp Reiß argumentiert in seinem Kommentar u.a. mit Sachbeschädigung

Ich wusste zunächst auch nicht so recht, was ich davon halten soll. Einerseits befindet sich die NPD meiner Meinung nach so weit außerhalb des akzeptablen demokratischen Spektrums, dass eigentlich jedes Mittel gegen diese menschenfeindlichen Bauernfänger recht ist, andererseits glaube ich schon daran, dass politischer Diskurs mit Argumenten geführt werden sollte.

It’s the Meinungsfreiheit, stupid!

Dazu kam, dass ein zunächst nicht zu greifender Gedanke an meinem Hinterkopf schabte, aber ich kam nicht darauf, was es war, bis ich diesen Tweet las:

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Yeah, it’s the Meinungsfreiheit, stupid! Und zwar meine Freiheit, mir nicht jede Meinung anhören (respektive sie lesen) zu müssen.
Erinnert ihr euch noch an Banksys Ansage zur Werbung im öffentlichen Raum? Hier nochmal ein Auszug daraus:

Any advert in a public space that gives you no choice whether you see it or not is yours. It’s yours to take, re-arrange and re-use. You can do whatever you like with it. Asking for permission is like asking to keep a rock someone just threw at your head.

Wahlplakate = Werbung = Spam

Ich weiß, Banksy (wenn er es denn wirklich war, was aber egal für die Wahrheit der Aussage ist) bezog sich auf Werbung für kommerzielle Produkte bzw. Rechte an Markenlogos, aber das ändert nichts an dem, was ich sagen will. Parteienwerbung ist zuallererst mal Werbung. Und genau darum geht’s. Den Fernseher kann ich abschalten, Webseiten kann ich nicht besuchen oder Adblocker benutzen. Aber ich kann Werbung im öffentlichen Raum nicht entgehen. Es gibt keinen Adblocker fürs Real Life. Also haben wir jedes Recht, uns dagegen zu wehren und das hat nichts damit zu, welchen Inhalt die Plakate haben, sondern damit, dass es sich bei den Plakaten um Spam handelt und nichts anderes.

Ich habe nicht darum gebeten, Strassenlaternen bis in zig Meter Höhe mit brachial häßlichen Plakaten vollzuspammen.

Analogspam
Analogspam

Noch viel weniger habe ich darum gebeten, die spärlichen Grünflachen der Stadt von Schwachsinn verdeckt zu bekommen.

zugespammte Grünfläche in Berlin 2011
zugespammte Grünfläche in Berlin 2011

Selbst wenn er noch so lustig ist, Spam bleibt Spam.

Mittellustiger Offline-Spam für eine mittelgute Biersorte
Mittellustiger Offline-Spam für eine mittelgute Biersorte

Und deswegen bleibe ich dabei:
Wer im öffentlichen Raum seine Meinungsfreiheit wahrnimmt, muss mit Widerspruch rechnen. Wer den öffentlichen Raum wild zuplakatiert, muss damit rechnen überklebt zu werden. Wer spammt, bekommt keine Kekse. So einfach ist das.

9 Kommentare

  1. Und alle anderen müssen dann sehen, was deinetwegen da hängt. Das will aber vielleicht auch niemand sehen. Am walterschen Wesen soll die Welt genesen? So oder so: Dünnes Eis in alle Richtungen.

    Meine Option: Rückstandfreie Entfernung sämtlicher Plakate. (Auch bekloppt, aber man soll in Diskussionen ja Alternativen bieten. 😉 )

    • Ungefähr so dünnes demokratisches Eis, wie das auf dem sich die NPD-Plakate bewegen, oder? 🙂

      Spaß beiseite: An meinem Wesen soll niemand genesen müssen, ich hätte am liebsten gar keinen Plakate-Spam in der Stadt. Ich wollte nur sagen, dass in meinen Augen jeder das Recht hat, sich gegen den Quatsch zu wehren. Mir ist bewusst, dass das sehr dünnes Eis ist, aber so ist das nunmal mit der Meinungsfreiheit, jeder darf eine haben. Und Einzelpersonen sind nicht gezwungen staatstragende oder die Demokratie verteidigende Meinungen zu haben.

      • „ich hätte am liebsten gar keinen Plakate-Spam in der Stadt.“ Tja, die Dinger hängen da aber immer noch rum, nur halt leicht modifiziert. Genauso effektiv wie sich den Baumarktspam ausm Briefkasten zu fischen, Blümchen draufzumalen und trotzdem wieder in den Briefkasten zu schieben.

        Geil auch:
        unerwünschte Wahlplakate (alle) = pöhse!
        vollgesprühte Fenster am Zug = ultrageil!

        Ich weiß, dass die Sprüh-Laudatio in der Regel nicht von dir kommt, Walter, fiel mir nur beim durchscrollen grade auf. 😉

        • Diese Plakate sind so aufdringlich und hohl, dass es tatsächlich an körperverletzung des gehirns rankommt. Die Parteien und Kandidaten schreien nach Verarschung und nur der dumme kleine Mann traut sich nicht und schweigt. Wie damals.

    • Meine Meinung? Niemand bildet doch heutzutage seine politische Meinung aufgrund von plumpen Wahlplakaten, erst recht nicht wenn sie stets so hoch an den Laternenpfählen hängen dass man sie im Vorbeifahren kaum sieht. Und die – teils äusserst kreative – Art der „Verschönerung“ der Plakate find ich auch oft sehr gelungen. ABER: Jedes verhohnepipelte Plakat der Rechten gibt ihnen nur einen weiteren Grund, gegen die ach so bösen Antidemokraten aus dem linken Lager zu pöbeln. Siehe die böse „Lügenpresse“ etc. Ergo: Wenn man solch ein Plakat insofern „ernst nimmt“ indem man sich mit ihm beschäftigt und umgestaltet gibt man dem Verfasser das Recht, empört zu reagieren. NEGIEREN wäre also meiner Meinung nach besser: Ankucken, dann sich ärgern oder lachen und einfach weiterfahren…..

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