SechsMalZwei: Interview mit Theater-Regisseur Ersan Mondtag

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Ich habe nach einer guten halben Stunde Kopfzerbrechen aufgegeben. Eigentlich gilt ja: Fünf Entweder/Oder-Fragen ergeben ein FünfMalZwei-Interview. Als Absicherung stelle ich meistens eine Frage mehr, um auf Nummer Sicher zu gehen. Theater-Regisseur Ersan Mondtag hat diesen Plan allerdings mit Punchlines ohne Ende torpediert, die ich euch nicht vorenthalten will. Deswegen jetzt ausnahmsweise ein SechsMalZwei mit einer der größten Nachwuchshoffnungen in der Theaterregie-Zunft. Ersan hat seine Finger mittlerweile an den großen Häusern der Republik im Spiel und adaptierte zuletzt Orhan Pamuks “Schnee” fürs Hamburger Thalia. Steht definitiv auf meiner To-Do-Liste für den nächsten Hamburg-Besuch. Viel Spaß mit Ersan Mondtag!

Mut oder Angst?

Wir brauchen Mut für die große Schlacht gegen die Angst, die sich wie die Pest in allen Regionen breit macht und den Körper Stück für Stück auffrisst, bis er verbittert und verrottet in Hässlichkeit und Gestank alles um sich herum vernichtet.

Orhan Pamuks “Schnee” oder “Diese Fremdheit in mir”?

Pamuks “Schnee” ist so fabelhaft und surreal, entwickelt einen Sog wie bei Kafkas Prozess. Ich bin schon sehr froh über dieses Meisterwerk. “Diese Fremdheit in mir” habe ich nicht gelesen.

Mit Thilo Sarrazin über Migration diskutieren oder mit Claus Peymann über zeitgenössisches Theater?

Völlige Zeitverschwendung. Aber Peymann ist witzig. Ich hoffe er stirbt nicht in den nächsten 30 Jahren und bleibt dem Theater in seiner Form erhalten. Also als Entertainer natürlich. Ich muss ehrlich gestehen, ich liebe Peymann. Haha. Ja, Liebe. Völlig überbewertet.

Bühnenbild oder Maske?

Eine gute Maske ist Bühnen-Bild. Ein gutes Bühnenbild ohne Maskenbild ist fehlerhaft. Raum kann auch über Maskenbild entstehen, Maskenbild aber nicht über den Raum. Vielleicht im Naturalismus, aber da von Maskenbild zu sprechen wäre eine Beleidigung der Maskenbild-Zunft. Ich könnte mir vorstellen auf Maskenbild zu verzichten und nur Bühnenbild zu haben, dann aber würde ich den Schauspieler gleich mit aufgeben.

Ersan Mondtag bei der Arbeit
Ersan Mondtag bei der Arbeit

Berlin-Neukölln oder Münchner Glockenbach Viertel?

Willst du mich verarschen? Das einzig Interessante am Glockenbach Viertel sind die Gangbang Partys auf Chrystal Meth in den Darkrooms im Keller der Deutschen Eiche, übrigens Fassbinders Wohnzimmer. Der Rest ist Schicki-Micki Müll und kann meinetwegen recycelt werden.

“Beate Zschäpe hört U2” oder Tina Keserovic als NSU-Richter Götzl?

Tina Keserovic gehört zu den spannendsten und vielseitigsten Künstlerinnen aus dem Balkan, ich kann mir ein Leben ohne Tina (und natürlich Kate Strong und Jonas Grundner-Culemann usw.) nicht mehr vorstellen. Beate Zschäpe kann mir die Füße lecken nach dem Sport. Obwohl, vermutlich steht sie noch darauf.




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