Interview mit dem Sticker-Artist Carlo Machete aka Chuk

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Dieser Artikel ist eine Copy/Paste Version eines meiner Blogposts zum Thema Stickerart in Berlin.
Peter hat mich gefragt hat, ob ich das nicht hier nochmal posten möchte und da gerade eine Tassebier ansteht, dachte ich mir: Warum eigentlich nicht.

Chuck-Sticker-Blue

>>> Wenn man etwas erfahren will, fragt man einfach nach und da ich da bei Woody bereits auf offene Ohren gestossen bin, hab ich’s einfach mal weiter versucht und seinen Crewkumpel Chuk zum quatschen eingeladen.

Chuk-Woody

Ich bin kein Journalist, deswegen geh ich da nicht mit irgendeinem Konzept hin. Wozu auch, ich will ja keinen Literaturpreis gewinnen. Mich interessiert, was jemanden motiviert, die Dinge zu tun, die ein Mensch so meint tun zu müssen und wenn ich schon dabei bin, kann ich das Gehörte auch teilen. Und Wissen is bekanntlich eines der wenigen Konzepte, bei dem man etwas teilen kann und das dann mehr wird, statt weniger. Faszinierend, aber das ist Philosophie, das gehört nicht hier her.

Chuk-Stikcer-Rabe

Ich sitze also im Aussenbereich des “Magendoktor” im Wedding, einer klassischen Berliner Eckkneipenabsteige und frage mich, warum es für kreative Menschen so schwierig ist, pünktlich zu sein. Ich selbst war schon zu spät und hatte befürchtet, niemanden mehr anzutreffen, aber es war sogar noch genügend Zeit für ‘ne Kippe und ein paar lose Gedanken, bevor Chuk aufschlagen sollte.

Eine laute, dreckige Kreuzung direkt am S-Bahnhof Wedding, die Kneipe kämpft mit ihrem Spelunkenduft gegen die Autoabgase an. Die perfekte Kulisse um jemanden zu fragen, warum er Streetart macht. Zumindest wenn derjenige als typisches Kind der 90er in Berlin aufgewachsen ist, sich zugeballert fühlte von Neonfarben, lauter Musik und Klickibunti-Gadgets. Derlei gelangweilt von der Umwelt war der Schritt mit der Dose in der Hand selber zu malen nicht allzu weit. Am Anfang ganz klar mit deutlicher Vandalismusbotschaft. Macht kaputt, was euch kaputt macht sozusagen.

Chuk-Leinwand-Madonna

Das erfahre ich aber erst, nachdem mir ein freundlich grinsender Mensch offenbart, das er derjenige sei, auf den ich warte und mir gleich mal 10 Poster in die Hand drückt: “Zum Verlosen” ist die kurze Info dazu. Es handelt sich dabei um eine Kollaboration aus Buder, Lazy, Koze, Chuk, Woody und Brain To Go zur “Meine kleine Welt” Ausstellung 2013, wie ich später erfahre.

StickerMonks-Poster

Ich grinse entsprechend breit zurück. Damit hab ich nun wirklich nicht gerechnet, zumal ich im Vorfeld ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass ich den kontakt nicht wegen einer weiteren Verschenkeoption suche, sondern weil mich das Thema persönlich sehr interessiert. Aber hey, da sind 10 Menschen, die sich demnächst sehr über ein klasse Poster freuen werden. Da sag ich nicht nein. Auch nicht zur Getränkeeinladung, die Chuk schneller ausspricht als ich.

Chuk-Auge

“Ich hab im Leben genug Drogen genommen” eröffnet Chuk aka Carlo Machete und kippt sich grinsend einen Pfeffi in den Hals. Er liebt drastischen Humor und weist auch mehrfach darauf hin: “Aber versuch ma, “Fuck Cops” trotzdem irgendwie freundlich zu umschreiben”.

Das wir uns in einer “Interviewsituation” befinden, erfährt jeder Neuankömmling brühwarm, egal ob das ein Homie oder ein Gast der Kneipe ist. Im Gegensatz zu Woody, ist Senior Machete der extrovertiertere Typ. Würde er seine Person in einem Film besetzen müssen, würde er die Rolle wohl mit dem Typus des manischen Künstlers füllen. Geprägt durch lange kreative Schaffensphasen fast ohne Schlaf, abgelöst von Zeiten der völligen Abkehr von der Kunst.
“Sechzehn Jahre Arbeit in der Pflege haben die Kreativität jetzt nicht gerade gefördert” versichert Chuk.

Chuk-Stempel
Chuk-Leinwand

Aber er orientiert sich gerade um, wenn ich das richtig verstanden habe. Ist aus der Stadt weggezogen und will, weil selbst grosser Hundefreak, in einer Hundeschule arbeiten. Darüberhinaus ist Chuks Streben nach einer monetären Würdigung seiner Kunst deutlich herauszuhören und ihm ist auch bewusst, das man dazu Reichweite braucht: “Irgendwann erreichst du den Punkt, da kommt dann Jack Daniels von selbst und will n Moosbild von dir an die Firmenzentrale gespachtelt haben. Bis dahin butterste aber nur rein und versuchst möglichst viele Menschen zu erreichen”. Der Rest ergibt sich rein statistisch dann quasi automatisch, so zumindest der Wunsch hinter diesem Gedanken.

Chuk-Fuchsstencil
Chuk-Giraffenstencil

Das scheint aber ganz allgemein eine Triebfeder der frisch gegründeten Sticker Monks Crew zu sein. Den Shizzle, den man so lose für sich selbst, oft auch zusammen gemacht hat, mit einem längerfristigen Plan zu bündeln. Da ist ein guter Crewname der beste Anfang und dieser ist sogar mit Metaebene. Wenn man jedoch weiss, dass Buder, der Guru der Crew (und anders kann man das nicht nennen, wenn man die glänzenden Augen seiner Jünger sieht, wenn sie von ihm sprechen) wie “Buddha” ausgesprochen wird, erschliesst sich das mit den Monks ziemlich schnell. Ansonsten haben die mir bis jetzt persönlich bekannten Mitglieder der Gruppe eher nichts mönchshaftes an sich.

Chuk-Lazy-Bridcrew

Obwohl.
Chuk würde eigentlich schon ganz gut in die Rolle des bechernden Bruder Tuck passen. So rein von Attitüde her.

Boost-Chuk-Lazy

Mit derselben Attitüde und einem kleinen schwarzhumorigen Zwinkern bewertet Carlo auch seine Umwelt “Ich liebe Jeden, aber Menschen an sich sind echt kacke”. Nun, das kann man durchaus mal so stehen lassen.
“Das Paninialbum für Erwachsene ist die Kühlschranktür” erläutert Chuk zwischen 2 Likörchen weiter. “Dafür könnte man auch so Stickerpäckchen machen, nur eben nicht von Spielern, sondern von Stickerartists”. Coole Itze. Überhaupt ist da viel Unternehmergeist zu spüren und genau wie bei Teamkollege Woody läuft das handwerklich auf ähnlich hohem Niveau ab.

Chuk-Leinwand-Taube-Can
Chuk-Lazy-Sticker

Wir quatschen. Diesdas. Viel gegessen habe ich noch nicht und das merke ich jetzt. Der Alkohol zwitschert mir lustig in die Rübe. Das Gespräch gleitet ein wenig ab und verliert sich in Ideen und Möglichkeiten. Woody und Chuks Freundin, die im Laufe des Abends dazu stossen, werden von mir noch in eine kleine Diskussion über die allgemeine weltpolitische Lage hineingezogen, bevor wir die Runde auflösen müssen. Das zu dem kleinen Treffen letztendlich nicht die ganze Gruppe da war, wie angekündigt, ist mir dann doch ganz recht gewesen. Es war auch so ausreichend informativ und ich freue mich schon, die Geschichte noch zu vertiefen und möglicherweise den Rest der Crew zu treffen.

Chuk-Sticker-gelb

PS: Da ich es mir leider nicht leisten kann, 10 grosse Poster knitterfrei zu verschicken, werde ich diese auf der nächsten Tassebier, am 27.08.16 in der Wiesenburg zu Berlin per Los verschenken. Möglicherweise wird dann auch der ein oder andere Künstler vor Ort sein und signieren. Wer weiss, wer weiss, wer weiss. Fest steht: Ich werde ein wenig Musik machen und wer Lust hat, kann Sticker zum Tauschen mitbringen.
Tassebier mit Stickertausch und Musikflausch.
Passt.

Bass ahoi
Saetchmo



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