Eigentlich wäre das alles ziemlich zum Lachen, wenns nicht so ernst wäre: Die Youtuberin Suzie Grime hat in einem Video ihren Zuschauern erklärt, wie man mit einem Vaporizer kifft und wurde daraufhin öffentlich und von allen einsehbar von einer Twitter-Userin an die Berliner Polizei verpfiffen.

Wow. Was für ein Skandal. Nicht. Das Ganze wäre in den Untiefen des Internets versickert, wenn nicht irgendein übermotivierter Social Media-Fuzzi der Berliner Polizei diese wirklich urkomische Antwort gegeben hätte:

Interview mit Suzie Grime

Hätte, hätte, Fahrradkette. Spätestens jetzt wurde das Ganze zur Realsatire und auch für Leute interessant, die weder Suzie, noch ihren größten “Fan” kennen. Und für uns natürlich so relevant, dass wir mal bei Suzie nachgefragt haben, was zur Hölle da eigentlich los war und wie es zu dieser Petzaktion kam. Hier unser Interview mit Suzie Grime, deren Youtube-Kanal, wir euch (Achtung Kalauer) wärmstens empfehlen. Wärme, Haha, Vaporizer, Höhö, ihr wisst schon. Ok, war nen Versuch wert.

Es gibt eine Vorgeschichte mit der Twitter-Userin, die dich verpfiffen hat. Was war im Vorfeld los?

Ich werde seit ein paar Wochen auf YouTube und Twitter von einer Gruppe Trolle terrorisiert. Weil ich mich im Internet gegen Sexismus laut mache, bin ich wie viele andere politisch links-orientierte Aktivisten eine willkommene Zielscheibe. Diese Trolle nutzen in den meisten Fällen die Anonymität des Netzes komplett aus und machen sich ein Spiel daraus, bestimmte Personen über einen längeren Zeitraum online zu belästigen. Es gibt gemeinsame Facebook-Gruppen, wo Content von “hassenswerten” Leuten gepostet wird, man schickt sich auf Twitter Memes hin und her, die gebastelt wurden und feuert sich damit gegenseitig an, Leute systematisch anzugreifen. Tatsächlich sind viele dieser Trolle nicht mal auf den Kopf gefallen, sehr wortgewandt und hochorganisiert. Das Ziel ist, die Leute, die zur Zielscheibe wurden, aus dem Internet zu vertreiben. Erst wenn man auf ihre Angriffe eingeht, sich aufregt oder so eingeschüchtert ist, dass man von Social Media Abstand nimmt, haben sie erreicht, was sie wollen. Dass sie dabei oft die Grenzen von freier Meinungsäußerung und konstruktiver Kritik zu Rufmord, Mobbing und Stalking überschreiten, scheint völlig egal zu sein und auch ihre politisch oft rechts-orientierten Aussagen rechtfertigen sie dadurch, dass sie alles unter dem Deckmantel der “Ironie und Satire” betreiben. Die Twitter-Userin, die mich bei der Polizei gemeldet hat, ist nahezu besessen von mir. Es vergeht kein Tag, an dem sie nicht über mich postet. Sie hat ihre Community sogar vorher gefragt, wie lustig sie den Move finden würde, und nach dem Zuspruch der anderen Trolle dann der Polizei getweetet.
Ich denke man muss sehr gelangweilt sein um sowas durchzuziehen – und ein paar sadistische Charakterzüge aufweisen, was in einer freiwilligen Studie über Trolle sogar bewiesen wurde.

Was sagst du zu dem Vorwurf du würdest Drogenkonsum verherrlichen?

Tüten drehen mit Suzie Grime
Suzie Grime zeigt, wie man einen Tüte dreht

Ich finde nicht, dass ich Drogenkonsum verherrliche. In meinen YouTube-Videos sage ich immer wieder, dass Leute auf einen bewussten Konsum achten sollten und dass es wichtig ist, dass man sein Leben unter Kontrolle hat. Solange das der Fall ist, finde ich es völlig legitim, sich für Gras anstatt Alkohol als Genussmittel der eigenen Wahl zu entscheiden. Zumal man auch bedenken sollte, dass die meisten meiner Follower auf mich aufmerksam werden, weil sie ohnehin schon die gleichen Interessen haben. Dass jemand anfängt zu kiffen, weil ich das “vormache”, kann ich mir nicht vorstellen.

Hat sich die Polizei schon gemeldet?

Die Polizei hat sich noch nicht bei mir gemeldet, weil de facto noch keine Anzeige vorliegt. Zum Glück werden Tweets nicht als Anzeigen gewertet – das würde Trollen nur noch mehr Spielraum geben, echten Schaden anzurichten. Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, dass falls die Staatsanwaltschaft eine Anzeige macht, diese eh fallen gelassen wird, weil man in Berlin bis zu 15 Gramm Marihuana als Eigenbedarf haben darf.

Was hältst du generell von der Verfolgung von Potheads und der Kriminalisierung von Kiffern?

Mir persönlich sind bekiffte Leute lieber als betrunkene, allein wenn man sich Sachen wie Gewaltbereitschaft anguckt. Während Besoffene sich auf der Straße prügeln, schlafen Bekiffte auf der Couch ein und stellen damit keine wirkliche Gefahr für die Allgemeinheit dar. Dann kommt ja noch hinzu, dass Weed insgesamt nicht schädlicher für den Körper ist, als Alkohol – im Gegenteil, es kann sogar zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Da die meisten Anzeigen vom Besitz geringer Mengen an Gras eh fallengelassen werden, kommt noch der Fakt der Steuergelder hinzu. Man muss sich mal vor Augen führen, wie viele Stunden Polizisten und Justizbeamte mit dem Papierkram dieser “Kleinkriminellen” beschäftigt sind, nur damit am Ende eh nicht gegen sie vorgegangen wird. Man könnte nicht nur diese Steuergelder einsparen, sondern durch den legalen Verkauf von Marihuana auch noch Millionen an Steuergeldern – ähnlich wie bei Tabak und Alkohol – zusätzlich einnehmen. Insgesamt finde ich die aktuelle Drogenpolitik in Deutschland ziemlich lächerlich. Länder wie die Niederlande haben gezeigt, dass an Orten, wo Weed legal verkäuflich ist, tendenziell nicht mehr davon konsumiert wird. Das einzige, was uns die Drogenpolitik in Deutschland demnach “bringt”, ist das Aufkommen eines Schwarzmarktes, der Raum für schwerwiegendere Kriminalität schafft und die Möglichkeit nimmt, das Produkt für den Endkonsumenten auf Qualität zu kontrollieren.


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9 KOMMENTARE

  1. Ich finde schon, dass Suzie Grime in ihren Videos den Konsum von Gras verherrlicht. Mal abgesehen davon begreife ich solche Menschen nicht als Aktivisten. In erster Linie wird hier versucht, die eigene Person marktfähig zu halten und Entertainment zu bieten. Wenn Hashtag-Aktionismus jetzt schon als Aktivismus gilt, sind wir alle Aktivisten.

  2. Ihr hättet mal sehen sollen wie die Frau Grime versucht hat mit dem Vorfall Werbung für sich zu machen. Das war richtig peinlich und zeigt auch dass sie Selbstinszenierung ohne ende Betreibt. Diese Frau kann einfach nicht ernst genommen werden, und auf YouTube Leute zum Betäubungsmittel und Medikamentenmissbrauch zu animieren ist, wenn nicht strafbar, dann zumindest unterste Schublade und sollte nicht gefördert werden.

  3. Gibt nix schlimmeres als Petzen/Denunzianten (in dem Zusammenhang auch Hinweis auf YouTube-Heroes, furchtbar) und gekifft wird auch bei sogenannten Rechten und zwar sowohl just for Fun als auch aus medizinischen oder spirituellen Gruenden – das ist kaum anders als bei den sogenannt Linken.
    Und Besoffene sind tatsaechlich meist nerviger (ausser mir natuerlich), Schnapsbesoffene gar echt uebel.
    Nichts desto trotz – die Lady ist mir nicht sonderlich sympathisch.
    “Der hat mich angesprochen”, “Der mieft”, “Der tut dies, der das”…
    …etwas ueberkandidelt und das legt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit aber wieder, wenn sie, etwas aelter geworden, haeufiger wegen juengeren Frauen uebersehen wird… eine Erfahrung, die Maenner leichter ertragen, da sie es meist von klein auf gewohnt sind oefter mal uebersehen oder gar abgelehnt zu werden – solche Ladys schieben dann aber all zu oft Depris, mit Lockenwicklern im Haar, fangen selbst das Denunzieren an, kloppen sich die Wampe mit Erfrischungswaffeln voll (in Anlehnung an einen Nina-Hagen-Song) oder, wenn die Suessigkeiten nicht mehr recht anschlagen wollen, suchen sich einen Job auf der Oel-Bohrplattform… doch doch… der letzte musste sein, tut mir leid. 🙂

  4. wo ist das Problem ?
    Die Amadeu Antonio Stiftung rät in ihrem Flyer zum Thema Hatespeech lieber eine Anzeige zuviel als eine zu wenig zu machen.
    Wenn besorgte Bürger so gegen Hatespeech vorgehen, dann muß man anderen besorgten Bürgern auch zugestehne so gegen Kiffer vorzugehen.
    Ist ja gut gemeint.
    Das Internet und Facebook dürfen keine Rechtsfreier Raum sein !

  5. hahaha das arme, verfolgte linke Opferlein. Der Doktorant hat bereits alles wesentliche zu dieser sogenannten “Feministin” und ihrem virtuellen Kasperletheater gesagt. Dafür braucht es keine Polizei mehr.

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