Fassungslos: Eine besorgte Dresdnerin, die viel sagt, aber nicht reden möchte

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Kein Dialog in Dresden
Kein Dialog in Dresden
Foto: FB

Die Fronten in Dresden scheinen schon vollkommen verhärtet. Die drei ausrangierte Buswracks, die der Deutsch-Syrer Manaf Halbouni auf dem Neumarkt als Brücke zum Nahen Osten aufstellte spaltet die Stadt. Gegen dieses Kunstprojekt “Monument” protestierten hunderte besorgte Bürger und beschimpfen Politiker wüst als “Volksverräter”.

Wie absurd dieser Protest ist zeigt ein Video, das gerade die Runde macht. Zu sehen und vor allem zu hören ist eine ältere, besorgte Bürgerin, die all ihren als “Meinung” getarnten Hass dem sächsischen Staatsminister Martin Dulig vor die Füße kotzt. Statt mit dem Politiker in den Dialog zu gehen, oder ihn auch nur einmal kurz zu Wort kommen zu lassen, lädt sie unentwegt “ihren Müll” ab, pauschalisiert “die Politiker” und ist nicht annähernd an einem Gespräch interessiert.

Ich sitze fassungslos vor dem Rechner, gucke dieses Video und verstehe nicht, was ich da sehe. Woher kommt der ganze Hass und dieser Frust? Ich verstehe dieses “ihr da oben” und “wir hier unten” nicht. Sie macht sich selbst klein und hat ein klares Feindbild vor den Augen. Sie ist nicht bereit in den Dialog zu treten, sich eine (andere) Meinung anzuhören. Sie weiß alles. Wie geht man mit solchen Menschen um? Was ist da nur falsch gelaufen?

via sz


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7 KOMMENTARE

  1. Deine Frage, was ist da nur passiert, wäre mit der Gegenfrage zu beantworten, in welcher entspannten oder gefilterten Realität du denn in den letzten Jahren so gelebt hast (als auf Klicks, Spaß und Hype fixierter Blogger)?
    Dort kommt nur zum Ausdruck, wie die breite Masse der Bevölkerung aufwacht, und sich nicht mehr endlos von Politikern und Eliten verarschen lassen will,, die ihrerseits Volkes Stimme kaum beachtet haben und nur weiter ein zutiefst ungerechtes Finanz- und Gesellschaftssystem fortschreiben und im Sinne ganz ganz weniger Profiteure weltweit optimieren.
    Ich denke, sie macht sich auch nicht selbst klein (weiß ja sogar eine wachsende Menge Unzufriedener mit sich), sondern agiert situationsbezogen ausweichend (so wie Politiker in jeder Talkshow auch) und lässt sich gar nicht erst auf eine möglicherweise für sie ungünstige Detaildiskussion mit einem rhetorisch vermutlich überlegenen Gegner ein.
    Und dieser Gegner verhält sich (wie so viele andere Politiker auch) Ihr gegenüber auch absolut unklug. Er provoziert sie vermutlich sogar durch sein überzogenes smart sein, selbstsicheres Lächeln, nicht ausreden lassen, bohrend verstehen wollen, aber nicht wirklich verständnisvoll sein. Er sollte mal Marshall Rosenbergs gewaltfreie Kommunikation lesen und akzeptieren, dass seine Weltsicht weit weg von der vielen s.g. Besorgter ist, sollte sich schnellstmöglich fragen, wie Politik überhaupt wieder verloren gegangenes Vertrauen zurück gewinnen kann, weil anderenfalls die sich hier im kleinen zeigende (soziale) Eskalation zunehmen wird.
    Man muss es ertragen, wenn Leute ihren über längere Zeiträume (aus zig politisch verursachten Gründen) gewachsenen Frust rauskotzen und endlich ehrlich und nachvollziehbar Änderungen angehen, anstatt schon wieder nur die eigenen arroganten und so gebildet kultivierten Dialogformen vorschreiben zu wollen. Das funktioniert nicht mehr, wenn den so feinen Wohlsituierten klar absehbar eine gewaltig größere Masse gegenüber tritt, die sich zunehmend auch organisieren wird.

    • Lieber oggi,
      “als auf Klicks, Spaß und Hype fixierter Blogger” sitzt man wirklich viel vor dem Rechner und bekommt so vieles zu sehen und zu lesen, dass das, was tatsächlich als Spaß hier rüber kommt, erstmal verdaut und persönlich gefiltert werden musste. Glaub mir, es ist nicht immer lustig.
      Zudem begibst du dich mit deiner Gegenfrage, die subtil verurteilt, in eine eine herabwertende Position, die dein Gegenüber nach unten und dich nach oben (kommunikativ) positioniert.

      Das passiert in dieser Sequenz auch mit der wütenden Frau und dem “elitären Politiker”. Auch wenn sie sich als Opfer darstellt, teilt sie ganz schön aus. Das ist schade, denn eigentlich erfüllt sie nicht ihre eigenen Anforderungen. “Die da oben” “wir hier unten” ist wirklich ziemlich vereinfacht und zeigt nicht die Komplexität der Gesellschaft, des Lebens.
      Ich bin keine Therapeutin, kann aber sagen, dass meine Menschenkenntnis wirklich fundiert ist. Wer so platzt und so wütend ist, hat viel Trauer in sich. Manche teilen kollektiv eine Trauer durch ein gemeinsames Ereignis. Demokratie, so erlebe ich sie, hat was damit zu tun, dass man sich zusammen tut. so wie sie es ja auch als “Pegida” machen. Das ist ein Weg mit Trauer und Wut umzugehen. Dann gibt es einzelne Vereine und Fördergruppen, die sich für eine konkrete Sache zusammen tun, um der eigenen Umgebung und der Gesellschaft, durch ihr Tun und Handeln eine Veränderung zu forcieren. Es ist ein auf und ab. Keine Frage.

      Wer Demokratie aber so versteht, dass “die da oben” für mein Glück verantwortlich sind, begibt sich in eine passive Abhängigkeit, die tatsächlich nicht gesund sein kann. Es liegt an jedem allein. Diese Verantwortung, wie du das Leben annimmst liegt allein bei dir.

  2. durch fragen. durch vermeidung von aussagen über das gegenüber – das können nur kommentar, kontext, schnitt und der verstand des lesers besorgen.

    “sie reden gar nicht mit mir” – ist diskutierbar.
    “es fällt mir schwer, mit ihnen in ein gespräch zu kommen, das…”

    diese menschen können viel besser pingpong. die rolle als opfer falscher oder ungerechter attribuierung durch andere ist selbstverständnis. bitte nicht füttern.

    vielleicht kann ihnen und ihren kollegen da ein kommunikationstraining durch einen psychologisch geschulten menschen weiterhelfen. das geht nur mit einer trainierter methode, die auch noch funktioniert, wenn es dem interviewer vor lauter schmerzen bunt vorm auge flackert.

    .~.

  3. Falsch gelaufen ist da einiges. Um aber das “Was” zu verstehen muss man erst schauen, wann das Schieflaufen begann. Und das ist meiner Meinung nach ungefähr zwei, drei Jahre nach dem Mauerfall. Ab da war die Euphorie in Neufünfland vorbei und es wurde klar, das “im Westen” nicht alles Gold war was glänzte und die blühenden Landschaften ein zu großes Versprechen war, was so nicht, und auch nicht in der Kürze, zu bewerkstelligen war.

    Da gab es bspw. die Treuhandanstalt, deren Auftrag es war, die ostdeutsche Wirtschaft abzuwickeln. Das ging nicht immer ganz seriös über die Bühne und die meisten ostdeutschen Arbeitnehmer fühlten sich mächtig über den Tisch gezogen. Wenn dann noch die westdeutschen Manager (meistens jene aus der zweiten und dritten Reihe, weil die guten Manager ja auch damals schon gute Engagements hatten) mit Hut mit großer Krempe und langem, wehenden Mantel durch die Betriebe liefen und laut und arrogant witzelten, dass man den “Ossis” erstmal das Arbeiten beibringen müsse, dann war die persönliche Ehrverletzung perfekt.
    Ich bitte, dass nicht als pauschale Kritik zu verstehen. Es gab auch gute “Wessis” die ehrlich und mit besten Willen versucht haben, was zu reißen. Im Großen und Ganzen aber wurde die ostdeutsche Ökonomie zerschlagen, nachdem die paar Sahnestückchen herausgepickt und eventuelle Konkurrenz (ja, ja, die gab es durchaus!) aus dem Weg geräumt wurde.

    Die “Ossis” wurden von heute auf morgen aus dem einen Deutschland herausgerissen und in das andere Deutschland verpflanzt. Niemand hat ihnen erklärt, wie Kapitalismus und Demokratie tatsächlich funktionieren. Kaum einer hat sich darum gekümmert, die mittlerweile zwei deutschen Kulturen miteinander wiederzuvereinen. Das hat man einfach nicht bedacht und der Blick war immer nur rein ökonomisch. Wahrscheinlich hat es auch niemand besser gewusst, was ich tatsächlich als Entschuldigung gelten ließe, weil es so einen Fall vorher ja noch nicht gab. Die Lehre daraus sollte aber sein, dass die eine Kultur die andere nicht verdrängen, vereinnahmen oder “übermalen” kann. Wenn sich zwei Kulturen treffen, entsteht eine dritte, neue Kultur. Immer. Etwas, was beide Seiten wohl nicht erkennen konnten oder wollten (ganz so, wie heute auch wieder).

    “Der Westen” ist in den Jahren danach an seinen eigenen Verheißungen erstickt. Allerdings war da der Mythos der erfolgreichen Wiedervereinigung längst in der Welt und anerkannte Geschichte. Was folgte war oft nur in Hartz 4 eingebundene Arbeits-, Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit. Und über alle die Jahre hat niemand “der oberen Zehntausend” auch nur ernsthaft versucht, den Abgehängten zuzuhören oder gar die Stimme für sie zu erheben. Noch heute wird in Neufünfland für die gleiche Arbeit automatisch weniger Lohn gezahlt als im Rest der Republik. Die Preise sind aber selbstverständlich gleich. Aber Hej, da stehen die “Ossis” nicht alleine da. Auch Frauen können davon ein bitterböses Klagelied singen.

    Ich glaube, die Frau in diesem Video gehört zu diesen Abgehängten. Und sie gehört zu jenen, die intellektuell nicht in der Lage sind, größere Zusammenhänge aus der heutigen Welt zu verstehen. Dem Alter nach scheint sie viele Jahre in der DDR sozialisiert worden zu sein und da war eigenständiges Denken nicht erwünscht. Das klingt böse und gemein und entspricht so gar nicht dem ostalgischen Gedanken, ist aber leider allzuoft die Wahrheit. Natürlich ist es kein Trost, dass es heute nicht viel anders ist, außer dass die Strategien, Mechanismen und Technologien, welche das eigenständige Denken verhindern, andere sind. Oder, um auch mal ganz platt ein paar Vorurteile rauszuplautzen: In der DDR war Denken verboten, in der heutigen Zeit wird es gar nicht erst gelehrt.

    Viele Leute haben eine scheiß Wut in sich, die sich jetzt mehr und mehr entlädt. Und “oben” hört noch immer niemand zu. Wer verhindern will, dass die Rechten, egal welcher Couleur, Neufünfland erobern, der sollte schleunigst die Löhne zwischen Ost und West angleichen ((gilt auch und noch mehr für die Frauen!) (Hallo, Herr Schuuhuulzz!)). Der sollte anfangen zuzuhören, sich ein dickes Fell zulegen und dann beginnen ernsthaft an den Schrauben zu drehen, welche die Verhältnisse tatsächlich! verbessern könnten. Und zwar für alle Menschen in Deutschland. Und in Europa. Und in der Welt. Gute Ideen und Vorschläge gibt es ja genug.

    Zur Frau und dem Umgang mit ihr.

    Wer weiß wie viele Nächte sie mit ihrer Wut wach gelegen und im Geiste Sätze formuliert und Argumente gefeilt hat, sollte sie mal auf einen “von da oben” treffen. Und nun war es so weit. Alle diese Gedanken scheinen auf einmal aus ihrem Kopf zu fallen. Sie lässt gehörig Luft ab. Ihr Verhalten ist für mich dennoch nur bedingt verständlich.

    Der Politiker ist in diesem, nun ja, Gespräch, mindestens genauso hilflos wie die Frau. Er muss lernen seine Mimik im Zaum zu halten – und zuzuhören. Gar nichts sagen, die Frau reden lassen, mit all ihrer Wut, ihren Frustrationen, Vorurteilen und falschen Erwartungen. Und zwar so lange, bis sie leer ist.
    Immer, in beinahe jedem Gespräch, gibt es Dinge, die man gemeinsam hat. Ist die Frau “leer” ist es leichter, diese Gemeinsamkeiten zu einem verbindenden Element zu machen.

    Er hätte etwas tun können, womit die Frau nicht gerechnet, was ihr aber geschmeichelt hätte. Er hätte sie zu einem Kaffee einladen können und ihr und sich selbst die Kameras vom Hals halten können. Und nochmal reden. Ich bin beinahe ganz davon überzeugt, dass das die Frau erst besänftigt und dann zum selber Denken angeregt hätte. Und er selbst hätte wahrscheinlich davon politisch mehr als nur profitiert. Wissen tue ich das natürlich nicht. Es ist reine Spekulation.

    Wenn nicht bald irgendwelche Leute anfangen die Spielregeln zu ändern, werden das die Rechten und die hinter ihnen stehenden Abgehängten tun. Sie haben schon längst damit begonnen. Diese Frau gehört zu ihren ersten Opfern.

  4. Wenn ich mir diese “Dame” so anschaue, dann scheint sie aber nunmal gar nicht in das Klischee der sogenannten “Abgehängten” zu passen?! Sehr adrett gekleidet, modische Brille und diverser Tingeltangel…ebenso geht es mir, wenn ich Berichte über Pegida und Co sehe…viele tragen ihre teuren Tatzenklamotten wie auf einer Modeschau dieser Marke durch die Gegend und kreischen markige Worte. Auch bemerkenswert: ein Großteil scheint das Rentenalter erreicht zu haben und dieses wiederum bedeutet, daß sie vor 30 Jahren noch zu den Stützen des Sozialismus gehörten…haben sie wohl da auch alle das Maul so aufgerissen oder doch für die Stasi ihre Familien und Freunde aufs widerlichste ausspioniert? Haben diese Wutbürger eigentlich einmal nachgerechnet wer ihnen einen Großteil ihrer Rente erwirtschaftet hat durch seine Einzahlungen in die Rentenkasse? Die DDR hat für ihre Bürger leidrr nichts vorrausschauend in das westliche Rentensystem eingezahlt! Und jetzt? Jetzt geht es Ihnen wirtschaftlich wesentlich besser als vor dreißig Jahren und tragen ihren kleinen Luxus auf Demos zur schau? Warscheinlich fahren sie heute auch noch einen Golf und keinen Trabbi durch die Gegend….Klar ist: natürlich wurden sie verarscht von Kohl und Co…aber wer hat sie denn in letzter Konsequenz mehr verarscht: Kohl oder Honecker/Ulbricht? Und wenn wir schon beim verarschen sind…was ist denn mit denn Wessis in des Dames Alter…sind das nicht eigentlich die wirklich Dummen, da sie über ständige Rentenkürzungen den Reichtum der Ossis finanziert haben….mit Reichtum meine ich, daß sie überhaupt eine Rente bekommen, die sie nicht finanziert haben…Liebe Ossis sucht euch endlich ein anderes Hobby als das des Rumkrakeelens und genießt endlich euer Leben, daß die idiotischen Wessis euch finanziert haben….Oder stellt euch endlich dem braunen Gesockse in euren Städten und Dörfern entgegen…aber da habta wiederum keinen Mumm zu wa?

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