Diese Sache mit der veganen Ernährung bei Kleinkindern

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Ernährung für Kinder, das ist eine Welt für sich. Eigentlich ist alles, was Kinder und Erziehung angeht eine Welt für sich. Dabei geht es nicht um die Kinder, denn sie können ja nix dafür, dass sie in die Welt gerufen wurden. Dafür kann keiner etwas. Nur die einen kommen damit klar, dass sie da sind wo sie sind und versuchen hier und da ein paar Weichen zu stellen, um ihren inneren Wunsch nach einer schöneren Welt zur Realität werden zu lassen. Es gibt aber auch jene, die das Haus komplett zum Einstürzen bringen wollen – natürlich alles aus guten und positiven Motiven – und zunächst einen hohen Zaun bauen, um in der Mitte ihre Hütte aus Rohkost, Samen und Algen aufzubauen. Die Zusatzprodukte, die eingenommen werden müssen, um eine Mangelernährung zu verhindern, die bleiben hinterm Zaun und werden mit einem ‘Na und? Besser als ein totes Tier’ abgetan.

Hallo Beikost, dein Name ist Verunsicherung!

Auch auf die Gefahr hin mich mit diesem heiklen Thema in die Nesseln zu setzen, möchte ich mich dennoch aufgrund meiner Erfahrungen als Mutter und leidenschaftlichen Köchin hierzu äußern. Vorab möchte ich anmerken, dass ich niemanden für seine Entscheidung, vegan zu leben verurteilen möchte. Niemals. Warum auch? Mir ist es aber wichtig über ein paar Dinge zu sprechen, wenn es um vegane Ernährung bei Kleinkindern geht. Hier spreche ich als Mutter von zwei Kindern, die ich beide voll stillte und mir über Beikost viele Gedanken machte. Ich habe mir sogar einige Vorträge über Beikost angehört. Alle beim ersten Kind, denn da ist man ein unbeschriebenes Blatt und man möchte natürlich alles richtig machen. Aber wie macht man am besten alles richtig? Reiße ich das Haus komplett ab und baue es neu, oder verlasse ich mich auf die Erfahrungen und die Tipps meiner Eltern? Was sagt der Kinderarzt dazu und die tollen Ratgeberbücher mit den vielen Rezepten? So viele Stimmen um eine so simple Sache, denn irgendwie muss die Menschheit ja überlebt haben.

Ich muss sagen, dass ich froh bin, dass es vor zwölf Jahren keine Tipps von Müttern über milchfreie Ernährung auf Youtube gab. Diese Tipps schränkten sich bei mir auf die Gespräche innerhalb meiner PEKIP-Gruppe ein und beim Verlassen, war auch Schluss mit der Verunsicherung.

Die Mutter in diesem Video, die anscheinend auch Bücher über vegane Rohkosternährung geschrieben hat, spricht ebenfalls davon, wie sie verunsichert wurde, weil sie ihr Kind vegan und mit Rohkost ernährt.

All das, was sie durchmacht, hatte auch ich damals im grünen Prenzl Berg zwischen grünen Müttern, die ihre Kinder frei von tierischen Produkten erziehen wollten, durchgemacht. All das Gerede über Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Unverträglichkeiten, die auf eine Ernährung mit Milchprodukten und Fleisch zurückgeführt wurden, hatte mich so verunsichert, dass das Abstillen mit dem ersten Kind zu einer Tortur wurde. Ich hatte lange daran festgehalten, dass er Beikost bekommen und Milch nur aus meiner Brust erhalten sollte. Denn das ist die “einzig wahre Milch” und Kuhmilch ist für Kühe. Also war das irgendwie kein richtiges Abstillen. Dennoch wollte ich wieder meinen Körper zurück. Ein hin und her. Schlimm wurde es im Sommer, als der kleine zahnte und eine lange Zeit hohes Fieber hatte. Er wollte einfach kein Fläschchen mit Wasser oder Tee um sein Flüssigkeitsbedarf zu decken, weder aus der Schnabeltasse, nich aus einer normalen Tasse. Von Brei wollte er ebenfalls nichts wissen.

Irgendwann ging es mir sehr schlecht, hatte keine Energie mehr, weil der fast Einjährige nichts essen wollte und nur an meiner Brust hing. Also beschloss ich Fertigmilch zu kaufen! Was soll ich sagen, nach dem ersten Ansetzen der Flasche gab es kein Stopp mehr und mein Kind war mit einer Mahlzeit so satt, dass ich mich allmählich erholen konnte und ich nicht mehr ständig ‘herhalten’ musste. Zudem erlebten wir einen sich schnell erholenden kleinen Mann, der auch etwas Reserven anlegte. Diese sind hinsichtlich jeden anstehenden Infekts wirklich wichtig. Gerade dann, wenn sie nicht essen möchten, müssen sie Reserven haben.

Wenn ich mir diese beiden Videos der pro Rohkost-Frau anschaue, dann wird klar, dass sie sich nicht im kalten, sonnenarmen Winter Berlins befindet und somit der Infektionszeit komplett ausgeliefert ist. Rohkost kühlt den Körper von innen ab, somit verbraucht man mehr Energie um diese Nahrung zu verdauen. Ihr könnt es selbst einmal ausprobieren. Am Morgen direkt eine Orange oder einen Orangensaft trinken. Beobachtet, was das mit eurem Bauch macht. Bekommt ihr kalte Hände oder Füße?
Meine Oma sagt immer: Im Winter nur warmes Essen.

Andere Orte andere Sitten

Der Umzug nach Kreuzberg war für mich eine Erleichterung, denn hier gab es alles außer starre Vorstellungen, wie milchfreie und rein biologisch wertvolle Ernährung zu funktionieren hat. Sprich, mit dem Ortswechsel kamen auch neue Menschen in mein Leben. Ich wollte alles richtig machen und am liebsten wollte ich mein Kind in ein Cocoon packen und es vor alle diesen schädlichen, bösen Dingen schützen. So sehr, das ich mich selbst übergangen habe und meine Bedürfnisse komplett außer Acht ließ.
Beim zweiten Kind war alles viel klarer und das Milchpulver kam viel früher zum Einsatz. Alles funktionierte besser, weil ich klarer wußte, was ich will und was meine Kinder brauchen.

Je kleiner die Kinder, desto stärker die Symbiose mit der Mutter

Solange man nah an ihnen dran ist, wie in der Kindergartenzeit, ist es auch kein Problem sein eigenes Konzept auf das Kind zu übertragen. Sie übernehmen es, denn sie kennen es ja nicht anders. Hier zu behaupten das Kind wisse schon was es will und es würde freiwillig nur Rohkost und Gesundes essen, stelle ich in Frage. Es ist natürlich schön, dass sich das Kind vitaminreich ernährt, aber wirklich frei entscheiden tut es nicht.
Wir handhaben es so wie mit der Religion: wir werden ihnen nichts vorenthalten oder ihnen irgendwas erzählen, nur weil wir glauben, dass dies die reine Wahrheit und das einzig erstrebenswerte für das Kind ist. Kinder sind eigenständige Menschen, die natürlich durch das Vorleben, aber auch durch ihre eigene Erfahrungen ihren Lebensweg finden. Ihnen dabei zu erzählen, das Käse ungesund ist, finde ich echt grenzwertig!

Über Geschmack läßt sich streiten, über Gesundheit nicht!

Adipositas, diesen Begriff las ich immer wieder, als ich mich mit Beikost beschäftigte. Unsere Gesellschaft würde immer dicker werden und wer will schon dicke, kranke Menschen?
Also will man darauf achten, dass das eigene Kind eben nicht dazu gehört. Irgendwann wird das Thema Essen zu einer Religion und wie in jeder simplen Religion gilt es zwischen Gut und Böse zu unterscheiden: Fett = böse und dünn = gesund. Vitaminreiche Ernährung kann nur das Richtige und der Verzicht auf all die bösen (tierischen) Produkte muss wohl eine Garantie für eine fröhlich, erleuchtete Familie sein.
Diese monokausalen Herleitungen lassen aber vieles außer Acht. Kinder brauchen nicht nur Magnesium und Calcium. Das Vitamin B12 ist hier eines der wichtigen Elemente, die beim Wachstum und der Entwicklung des Hirns eine große Rolle spielen. Diese können nur über tierische Produkte oder Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen werden.
Nun habe ich mir noch weitere Videos dieser gesunden und engagierten Dame angeschaut und kann schon folgendes sagen: Sie lebt in Schweden, ist privat versichert und um dem Vitamin D-Mangel entgegen zu wirken, macht sie im Winter Urlaub in den Tropen oder, wie oben im Video, in L.A.. Schön für sie, aber es wird auch klar, dass sie ein Leben führt, dass ihr erlaubt regelmäßig teure Zusatzprodukte zu kaufen oder eben gefriergetrocknete Astronauten-Nahrung, die ihrem Mangel vorbeugen sollen. Abgesehen von der Zeit, die ihr zur Verfügung steht, die sie in Zusammenstellung von der richtigen Rohkost mit dem richtigen Nährwert investieren muss. Das alles muss man sich leisten können!

Wir so

Für mich und meine Familie ist klar: Es gibt dicke, dünne, große, kleine Menschen. Essen hat was mit Genuss zu tun und eine Käse-Salami-Stulle ist nicht ungesund und solle in Dankbarkeit gegessen werden! Wenn man keine Lust darauf hat, sollte man es nicht anderen schlecht reden. Wer darauf vertraut, dass der Körper sich nimmt was er braucht, der fährt eigentlich ganz gut. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass jeder Mensch durch seinen Geschmack geleitet wird. Rohkostteller sind bei uns Snacks für Zwischendurch und keine vollwertige Mahlzeit. Wenn der Metzger meinem Kind ein Würstchen angeboten hat, habe ich nicht nein gesagt. Meine Kinder dürfen alles essen und alles probieren und ich bin froh, dass sie es auch tun.
Meiner Meinung nach möchte diese Dame sich und ihren Lebensstil hart promoten und nimmt eben noch das Kind dazu, um zu zeigen, wie Rock’n Roll sie mit ihrem Rohkost-Stil ist. Aber in meinen Augen ist diese Diät hart an der Grenze und sollte nicht als Vorbild oder Bestärkung gesehen werden, das eigene Kind ausschließlich vegan und nur mit Rohkost zu ernähren.


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3 KOMMENTARE

  1. SRSLY? Bis jetzt habe ich blogrebellen ja immer so überflogen und dachte – ha, die sind ja normal hipster/intelell/reflektiert. lustig. anregend,

    aber der artikel ist nich ernst gemeint, oder? ist das ein plumper trollversuch? bei mir funktionierts.

    1. richtig, ernährungsideologien sind ersatzreligion für gelangweilte, autoaggressive grossstadtpflanzen, die sonst schwierigkeiten haben, ihr leben mit sinn zu füllen. case in point – die muschi in den videos. die kriegt ja kaum einem satz gerade raus. aber fortpflanzen!

    2. das ist völlig ok, meinetwegen sollen sie um ihre ernährung tanzen, jedem seins. besser noch als die nächste afd gründen.

    3. problematisch wirds – wie bei allen religionen – wenns um kinder geht. jedes kind hat ein recht auf eine vollwertige, ausgewogene ernährung bis es selber entscheiden kann. was die uschi da macht, grentzt also an körperverletzung und kindeswohlgefährdung. die armen kinder. im besten fall haben sie später eine essstörung oder werden fett wie die tonnen, weil sie nur noch zucker und fleisch in sich reinstopfen.

    4. insgesamt gehts uns zu gut. deswegen haben die leute zeit, sich son quatsch auszudenken und wissenschaftliche halbwahrheiten zusammenzustricken. impfgegener kommen ja aus der gleichen ecke. ja ne is klar, stärkt das immunsystem der kinder wenn sie polio kriegen.

    5. niloufar, Du hast das ja ganz ehrenwert gemacht. aber… WARUM? ein kräftiges WTF in richtung dieser ernährungsfaschistin (die augen! full-on-crazy )hätte vollkommen gereicht. aber sich in den FRAME dieser themen zu begeben validiert sie. da müsstet Ihr Euch zu schade für sein.

    ich koch jetzt meiner tochta erstmal kartoffelpampe mit gemüse und EINEM WÜRSTCHEN. oder auch zwei.

    schönes wochenende

    k.

    • Hi Krischan,
      danke für deine klaren Worte. Der Grund ist, dass mich diese Videos echt getriggert haben und ich einen ‘backflash’ bekommen habe. Es war echt kein Spaß so verunsichert zu werden und die Macht, die von solchen Frauen/Eltern ausgeht finde ich echt krass.
      Dass es jetzt eben Videos gibt und Mütter, die sich, wie ich damals, auch unsicher fühlen, sollen auch mal eine Gegendarstellung zu lesen haben. Mehr nicht. Ein WTF und lustig machen finde ich herablassend und das möchte ich nicht. Es geht wirklich um den Austausch.

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