Digitales, feministisches Coaching-Projekt: Gibt es noch exklusives Wissen?

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Nora-Vanessa Wohlert und Susann Hoffmann sind die beiden Gründerinnen von EDITION F. Sie haben ein digitales zu Hause für starke Frauen, aber natürlich auch für ihre männlichen Freunde entwickelt. „Seit 2014 haben wir eine Plattform geschaffen, wo Frauen Inspirationen rund um den Karriere-Kosmos finden. Wir haben angefangen mit einem Magazin, inzwischen gibt es eine Jobbörse und Webinare wo Frauen finden, was sie brauchen, um sich persönlich und beruflich zu verwirklichen. Bei uns bekommen sie mehr als in klassischen Frauenzeitschriften, wo es sich doch sehr viel um Diät, Mode, Beauty und so weiter dreht.“ So Susann Hoffman in unserem Gespräch in der letzten Woche.
Nachdem ich Susann und EDITION F persönlich auf Facebook folge, bin ich auf ihren Crowfounding-Aufruf auf Startnext aufmerksam geworden. Ich glaube sogar, dass ich zur Zielgruppe der Kampagne gehöre. So kam auch die Idee für dieses Interview zustande.

Worum geht es in dem Projekt FEMALE FUTURE FORCE?

Die Rufe nach „Frauen an die Macht“ sind laut – in der Politik, in Unternehmen, überall. Aber was hat Frauen bisher abgehalten? Jahrzehntelang wurden Frauen weniger gefördert. Und das beste Wissen ist meist nur Top-Managern vorbehalten. Und das für wahnsinnig viel Geld. Wir finden: Wissen sollte keine Hürden kennen. Inspirieren. Und bezahlbar sein.

Mit EDITION F haben wir wahnsinnig viele tolle Persönlichkeiten, Vordenker und Experten kennengelernt. Wir haben über die spannendsten Themen rund um Karriere, Leben, Politik, Gesellschaft und Digitale Innovation geschrieben und in Webinaren viel Wissen weitergegeben. Jetzt wollen wir diese Erfahrungen bündeln und für dich ein digitales Coaching zusammenstellen, das dich in 52 Wochen mit 52 Top-Coaches stärker macht. Und das zum Crowdfunding-Preis von 99 Euro – also nicht mal 2 Euro pro Woche. Dabei gehen 10 Prozent in einen FEMALE FUTURE FORCE Stipendien-Topf, um benachteiligten Frauen ebenfalls Zugang zum Coaching geben zu können.
Quelle: startnext.com/femalefutureforce

Das Kampagnen-Video des Projekts:

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Interview mit Susann Hoffmann von EDITION F

10% des gesamten Crowdfundings soll an benachteiligte Frauen gehen. Wie definiert ihr ‚benachteiligt‘ und wie erfahren diese Frauen von eurem Projekt?

Wir sind derzeit in den ersten Gesprächen mit Organisationen. Das können auch Akademikerinnen sein, die in einer Flüchtlings-Situation sind. Oder es können Leute sein, die ein Unternehmen gründen wollen und damit in neue Positionen rein kommen und neue Arbeitsplätze schaffen möchten, aber vielleicht ihr ganzes Investment in das Unternehmen stecken müssen, um es anzuschieben. Das ist relativ breit aber wir werden schauen, dass wir da mit unterschiedlichen Organisationen und Vereinen zusammenarbeiten, die diese Entscheidung mit treffen, damit „die richtigen Personen“ an diese Möglichkeit gelangen.

Angenommen da ist eine Frau, die von zu Hause aus Kleider näht, eventuell mit niedriger Bildung. Sie möchte ihr eigenes Unternehmen gründen. Wäre die FEMALE FUTURE FORCE etwas für sie? Oder geht das eher an Frauen mit einem höheren Bildungsniveau?

Nein das kann man nicht sagen. Für jeden, der sich auf dem Weg macht die eigenen Ziele zu verfolgen, egal aus welcher beruflichen Sparte, macht dieses Projekt auf jeden Fall Sinn.
Bei den geflüchteten Frauen hängt es von den sprachlichen Voraussetzungen ab. Wir haben das Coaching zunächst auf Deutsch konzipiert. Wir müssen da einfach schauen, ob wir noch mehr Investment für die Möglichkeit bekommen, die Coachings mit Englisch zu untertiteln und wir das Angebot noch breiter zu Verfügung stellen können. Da sind wir noch nicht an dem richtigen Punkt. Wir sind erstmal dabei die Mindesthürde beim Crowdfunding zu erreichen, so dass wir zunächst starten können.

Gibt es tatsächlich noch so etwas wie ein ‚exklusives Wissen‘? Gibt es im digitalen Zeitalter nicht schon Zugang für jeden, der danach sucht? Seien es Zugänge zu universitären Vorträgen oder TED-Talks.

Ich glaube in Teilen, leider ja! Mir persönlich fällt immer wieder auf, wenn ich die Gelegenheit habe zu sehr exklusiven Konferenzen hingehen zu können, also zu denen, die sehr viel kosten und ich dann durch Zufall als Speaker dabei sein durfte und tolle Leute kennengelernt habe, da fällt mir auf, dass diese Leute ihr Wissen eben nicht kostenfrei zur Verfügung stellen. Sie stellen sie in einem sehr kleinen Rahmen zur Verfügung oder schreiben auch mal Bücher. Aber dieses eins zu eins etwas präsentiert zu bekommen, aus der Erfahrung heraus, ist doch nochmal eine andere Möglichkeit Wissen auszunehmen.
Da muss jeder seinen Weg finden. Ganz viele Erfahrungen werden auch nicht in einem so großen Rahmen geteilt, gerade von diesen Top-Leuten.

Ist es nur Frauen vorbehalten da mitzumachen oder können auch Männer teilnehmen?

Es können unbedingt auch Männer mit teilnehmen. Als Plattform stehen wir natürlich für Frauen und wir glauben auch, dass wenn sie das gleiche Wissen (Anmerkung der Redaktion: die der Männer) in die Hand bekommen, werden sie dadurch stärker und selbstbewusster und besser gewappnet. Dadurch können sie sich mehr für das was sie wollen und ihre Ziele stark machen.
Aber Männer sollten auch unbedingt weiter wachsen und weiter lernen. Das Rad dreht sich im Leben immer weiter und es wäre schade, wenn man da einfach stehen bleibt.

Laut einer Statistik von Statista (Siehe unten Grafik), in der es darum geht, was Frauen und Männer jeweils hilfreich für ihren Karriere-Bost sehen, sehen es Männer mit 59% und Frauen mit 57%, dass ihnen eine fachliche Weiterbildung mehr bringt als Mentoring-Programme. Was macht euer Coaching in Anbetracht dieses Wissens zu etwas besonderem?

Welche der folgenden Dinge sind für Sie in diesem Jahr wichtige Ziele und Pläne für Ihre Karriere? (nach Geschlecht) Quelle: Statista

Ich glaube Coaching und Mentoring sind nochmal zwei unterschiedliche paar Schuhe. Das eine ist, dass man von einer Personen begleitet wird und natürlich kann nicht eine Person für alle Themenbereiche stehen. Dann hängt es immer sehr stark davon ab, wie viel Glück man mit seinem Mentor hat. Wie gut ist er vernetzt? Wie weit ist er aus dem eigenen Bereich?
Bei einem Coaching geht es sehr stark um Fachwissen.
Wir fallen eher in den Topf der 59 % und 57%, weil wir eher Fachwissen anders aufbereiten und das persönlich vermitteln, was vielleicht auch besser hängen bleibt, da man sich dann an ein bestimmtes Ereignis erinnert.
Mir persönlich geht es so, dass bei mir das Wissen aus dem Buch etwas in Vergessenheit gerät. Aber wenn ich etwas von jemanden vermittelt bekomme, der es gut aufbereitet hat, vielleicht auch an Hand von Anekdoten und persönlichen Erfahrungen, bleibt es viel eher im Gedächtnis.

Du und ich sind sehr gut ausgebildet, so wie viele Frauen. In der Grundschule sind es meist die Mädchen, die gut lernen und auch bessere Leistungen bringen. Mangelt es den Frauen eher an einer Ausbildung, um mit ihrer Karriere voran zu kommen, oder sind es nicht die sozialen Strukturen, an denen etwas geändert werden muss?

Ich glaube sowohl als auch. Von mir kann ich sagen, dass ich zwar gut ausgebildet bin aber gerade in der praktischen Welt – ich hab vorher in einer Agentur gearbeitet und jetzt als Unternehmerin mit einem Team – wurde ich von der Uni einfach nicht gut darauf vorbereitet. Ich glaube, dass praktischeres Wissen tatsächlich etwas ist, was man sich immer wieder aneignen muss. Gerade zu dem Thema Führung von Teams, um eine gute Kommunikation zu finden, ist etwas, wo ich ganz stark wachsen musste. Und das ist auch immer wieder etwas, wo Nora und ich Coachings machen werden, weil uns das immer wieder hilft ein guter „Chef“ zu sein und auch neue Sachen auszuprobieren. Genauso ist es mit dem Inhaltlichen. Niemand ist geboren als Online-Marketing-Mensch, auch nach der Uni nicht. Ich kenne Leute, die haben das studiert und am Ende sah die Realität für sie etwas anders aus, zum Beispiel wenn man da so ein Budget-Topf zu verteilen hat.
Insofern denke ich, dass alle Frauen und Männer selbst nach einer akademischen Ausbildung noch wachsen und weiter lernen können. Bei den praktischen Aufgaben ist es meist so, dass Frauen sich viel weniger trauen. Das fängt mit dem Einfordern des Gehalts bei der nächsten Gehaltsrunde an. Wie muss man sich positionieren, um diejenige aus dem Team zu sein, die auf einer Konferenz spricht oder den Fachartikel schreibt und dort dann auch der eigene Namen darunter verseht? Ich denke, das sind Sachen, bei denen es vielen an Selbstbewusstsein fehlt oder an Skills.

Stichwort: Gläserne Decke. Was bringt das alles, wenn tatsächlich dann doch diese Entscheider-Positionen von Männer besetzt sind und sie die vorteilhaften Positionen untereinander verteilen? Gibt es in eurem Coaching etwas, um mit einer solchen Situation fertig zu werden?

Wir haben echt drei Top-Leute aus dem Bereich Human Resources (HR): Thomas Sattelberger und Heidi Stopper waren beide Vorstände in der HR. Sie haben sich sehr stark für dieses Thema eingesetzt. Gitta Blattist ist Vice President HR & Organisation bei Sky Deutschland und aktiv dran.
Diese Leute erleben natürlich viele Sachen. Bei uns geht es auch darum, dass wir uns Karriere in Konzernen oder in klassischen Strukturen anschauen und uns überlegen, wie man sie aufbrechen kann. Was kann man persönlich dafür tun und wie kann man persönlich darauf hinwirken? Es gibt sicher nicht das Patentrezept, aber je mehr Frauen sich dessen bewusst sind, je mehr Frauen diese harte Struktur etwas mehr aufbrechen wollen und sich trauen durch exzellente Arbeit da mitzumischen, desto mehr wird es immer weiter aufweichen.
Je mehr Frauen in den hierarchischen Strukturen nach oben gelangen, desto mehr wird es möglich sein nach oben zu gelangen, so dass wir vielleicht dann an diesem Gleichstellungspunkt ankommen. Unser Coaching wird natürlich nicht die gesamte Wirtschaftswelt in Deutschland revolutionieren, es sei denn alle Unternehmen machen mit. Das ist natürlich unser Ziel, aber da muss man natürlich realistisch bleiben. Aber je mehr sich Frauen trauen, desto weniger wird es verkrustete Strukturen geben.

Danke Susann

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