*Inga Humpe voice*: “Wir trafen uns im me collectors room in Mitte. Du warst in rot und ganz aufgeregt.”

So würde diese Geschichte anfangen, wäre sie ein Song von 2raumwohnung. Ist sie aber nicht. Ganz ohne Melodie und Gesang trafen Peter und ich uns an einem Nachmittag mit Inga Humpe und Tommi Eckart auf ein Schwätzchen in Mitte. In einem (Ausstellungs-)Haus, das sich der klaren und minimalistischen Ästhetik hingibt. Wir wurden sehr herzlich empfangen. Mit einem festen und zu sich ziehenden Händedruck empfing mich Inga direkt. Und Tommi. Er hat diesen kumpelhaften Ausdruck, der gleich zu einem Gespräch einlädt ohne verzweifelt über das Wetter reden zu müssen.

Nacht und Tag – Ein nachhaltiges Album

Natürlich gab es auch einen Grund für dieses Treffen. Das Duo veröffentlicht kommenden Freitag ihr achtes Studio Album Nacht und Tag. Insgesamt zwanzig Songs in einem Doppelalbum, das das Wechselspiel von Nacht-Stimmungen und Tag-Stimmungen in zweimal zehn Songs übersetzt. “Das ist eine Weltneuheit.” so Inga auf die Frage, was uns denn ab Juni erwartet. “Das habe ich eben im letzten Interview-Termin mir bestätigen lassen. Das gab es so noch nicht, dass Musiker ihre Songs einmal in einer Nacht- und Tag-Version eingespielt haben. Elvis Presley hatte wohl etwas ähnliches in den fünfziger gemacht. Wir fanden es mal ganz spannend mal beide Versionen als Erweiterung des Remixes zu bringen. Zudem ist das nachhaltig und ich mag nachhaltige Sachen.”
Seit letzten Dezember haben sie ihre kleine Clubtour angesagt. In kürzester Zeit waren alle Termine ausverkauft. Ich wollte wissen, ob sie damit gerechnet haben.
Inga: “Nein.”
Tommi: “Es soll ja erstmal eine kleine Tour zu unserem Release werden und ab Herbst gehts dann auf große Nacht-Tour. Wir waren ganz überrascht.”
Niloufar: “Und gehts danach dann auf eine Tag-Tour?”
(Leichtes abwägen und Schulterzucken von beiden)
Tommi: “Das ist so geplant. Wäre schön.”


Inga: “Dafür muss man erstmal die Location für eine Tour finden. Es muss ja am Tag satt finden und das dann überall verteilt an verschiedenen Orten.”
Tommi:” Wir brauchen Wasser, Sonne. Also muss es im Sommer sein. Es ist schwer da was zu sagen, aber wir werden sehen.”
Niloufar: “Wie wäre es mit L.A.? Da habt ihr all diese Bedingungen.”
Inga: “Oder Ibiza. Das würde auch sehr gut passen.”
Auf L.A. kam ich ehrlich gesagt, weil ich den Gedanken mag über die Grenzen Deutschlands zu denken und weil beide bereits dort waren, um ihr letztes Album Achtung fertig zu produzieren. Da wir schon in das neue Album reinhören konnten, wusste ich, dass der englische und deutsche Gesang ein durchgängiges Element ist. Was nach Inga kein neues Stilelement ist, denn im ersten Album trat das schon hier und da auch auf.

“Für mich sind Sprachen wichtig. Ich habe erst vor kurzem einen Spanisch-Kurs gemacht. Gerade in Berlin hört man so viele Sprachen, was ich ganz toll finde. Wir müssen sie viel mehr mischen und uns näher kommen.” Inga flechtet locker ihre Finger ineinander, als sie darüber spricht und nimmt danach einen kleinen Schluck aus ihrem Wasserglas. Was mich zu der Frage kommen ließ: “1993. Was bedeutet dieses Jahr für euch?” Inga schaute zu Tommi rüber und überließ ihm diese Antwort: “Es war eine Zeit in Berlin, in der alles möglich war. Wir hatten eine friedliche Wende vollbracht. Ohne Blutvergießen. Die ersten Love Parades auf den Straßen, wie man sie sich heute vielleicht nicht mehr vorstellen kann. Diese Freiheit, nackt über die Straßen laufen zu können. Es war eine Stimmung, wie es sie heute nicht so gibt. Aber sie war da und es ist möglich.”

Somebody Lonely And Me

“Es gibt aber noch eine andere Geschichte zu 1993.” Ich ließ nicht nach. Beide schauten mich mit erwartenden, großen Augen an. “Laut Wikipedia seid ihr 1993 zusammen gekommen?” Beide schmunzelten. “Die erzählen manchmal auch komische Sachen bei Wikipedia” winkte Inga lächelnd ab. Es kam etwas Bewegung auf, auf dem Sofa, worauf beide vor mir saßen. Von einer Seite auf die andere rückend. Mal zu einander hin und mal voneinander weg. Ein klitzekleiner Augenblick in der sie weder ein klares “Ja” oder ein “Nein” von sich gaben.
“Die Brücke brannte ziemlich lang. Mehr als einmal. Jetzt kommt keiner mehr nah ran.” So eine Zeile aus ihrem neuen Song Somebody Lonely And Me. Gefühlt würde ich sagen: Es ist kompliziert, zweisam und einsam. Aber eindeutig erfahren dürfen wir es nicht wirklich:

Über Inspirationen

Wo wir schon mal bei den 90ern waren, wollte ich wissen, was sie musikalisch in dieser Zeit am meisten beeinflußt hat und was sie davon mitgenommen haben auf ihren Weg als Band.
Es war eine Zeit, in der man unbedingt in den Clubs wollte, um die DJs aus Detroit oder Chicago zu sehen. Das konnte man sich nicht vorstellen, man musste hin, um es zu begreifen. Diese plötzliche Nähe. Die Welt war offen.

Für Peter, dem Blogger und DJ war es noch Interessant zu wissen, wie sie beide an neue Musik ran kamen, welche Quellen sie dafür hatten. Dies führte und zu einem Gespräch über die Radio-Kultur in Deutschland. Wir in Berlin seien sehr verwöhnt, so Inga. Tommi war überzeugt, dass es nicht wie in Amerika eine Entwicklungsmöglichkeit gibt, dass Uniradios groß werden können. Es liegt alles in der öffentlich-rechtlichen Hand, die das irgendwie nicht zuließe.

Fast schon eistimmig gaben beide Radio, Soundcloud, Freunde und Shazaam als Quellen an. Inga ergänzte noch: “In Berlin sind wir ja noch verwöhnt, was das Angebot angeht. Wenn ich Radio eins und Flux höre, hab ich mal schnell dreizehn Songs shazaamt.” Oh Gott, wie ich das nachvollziehen kann. “Bei mir kommt es auch gerne mal während der Autofahrt vor, dass die eine Hand shazaamt und die andere lenkt.” Beschrieb ich stolz und dabei führte ich meine kunstvolle Pose vor, wie ich bei dieser Aktion aussehe.

Eine kleine Zeitreise

Zum Schluss unseres Gesprächs hatten wir beide noch auf eine kleine Zeitreise eingeladen. Sie durften sich vorstellen, wohin es geht, wenn wir eine Zeitmaschine dabei hätten. “Ich würde gerne zurück in Berlins 20er Jahre zurück reisen. Es muss eine Zeit gewesen sein, in der Menschen in einer noch bürgerlicheren Gesellschaft, für mehr Freiheit kämpften”, sagte Inga. Tommi wählte Berlin 2027.
Inga: “Mutig!”
Tommi: “Ich würde gerne sehen, welche Musik im Kater Holzig gespielt wird und wie die Location dort aussieht. Es steht ja auf einem Beton-Fundament, was einige Jahre sicher noch halten wird.”
Niloufar: “Vielleicht hat sich Zalando bis dahin dort breit gemacht.”
Inga (reibt sich die Hände): “Oder es gibt sie nicht mehr. Wäre interessant zu wissen. Was machen Unternehmen, die 80 Millionen Gewinn machen. Ist bestimmt nicht leicht.”
Peter: “Das ist wirklich interessant, was mit den Unternehmen passiert.”
Niloufar: “Einige investieren ja in schnellere und höhere Projekte.”
Peter: “Wie die Marslandung.”

Wir einigten uns darauf, dass wenn es einen Gig von 2raumwohnung 2027 im Katerholzig geben sollte, wir unbedingt auf der Gästeliste stehen müssen. (Wir nehmen euch beim Wort ihr beiden!) Doch zunächst wünschen wir beiden eine schöne Release-Tour. Man sieht sich im Club.

Danke Inga, danke Tommi!

2raumwohung – Tag und Nach im Stream

Super tolles Interview mit Inga & Tommi aka @2raumwohnungofficial ?

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