RAF Camora Album Release “Anthrazit”: Zufall oder Intuition?

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Man bekommt nichts geschenkt. Schon gar nicht im Musikgeschäft. Auch wenn einige Geschichten, wie ein vom Tellerwäscher-zum-Millionär-Märchen erscheinen, kann man sich nicht wie Dornröschen an die Spitze schlafen, um dann von der Karriere wach geküßt zu werden.

RAF Camora beim Pre-Listening in den Red Bull Studios Berlin
RAF Camora beim Pre-Listening in den Red Bull Studios Berlin

RAF Camora

Mit “Palmen aus Plastik” schufen RAF Camora und Bonez MC ein Album, mit dem sie in Deutschland eine platin- und in Österreich eine goldene Schallplatte abräumten. Dancehall, Reggaeton Beats gemischt mit harter Phonetik, die an den Balkan oder den arabischen Raum erinnert, schafft RAF Camora auch mit seinem neuen Album “Anthrazit” ein Stück Identifikation für Menschen, die in Vierteln aufgewachsen sind, die eher verpönt (aber sexy) sind. Aber das wäre zu kurz gedacht, genauso so kurz, wie die, die eben nur in Stadtgrenzen und Vierteln denken. RAF Camora vereint alle Schichten, weil er eben diese spezielle Mischung hat. Das Dancehall und Reggaeton grenzenlos und weltweit funktionieren, wissen wir nicht erst seit ‘Shape Of You’.

RAF Camora konzentriert am Hören
RAF Camora konzentriert am Hören

Weniger cheesy dafür mit mehr Kanten kommt “Anthrazit” daher und erzählt zum Teil eine Biografie und andererseits eine Tatsache, die wir im Bereich der Musik und den Kulturen schon haben: Die cosmopolitische Vermischung von Geschichten.
Man schüttelt nicht eben ein erfolgreiches Album aus den Ärmeln, auch wenn das eine tolle Geschichte wäre. Eine musikalische Ausbildung von Kindheit an und der Aufbau der eigenen Community ist harte Arbeit, die viel Wissen und Feingefühl voraussetzt.

RAF Camora spielt sein Album "Anthrazit" vor
RAF Camora spielt sein Album “Anthrazit” vor

Keine Heimat

Als Sohn einer napolanischen Opernsängerin und eines Österreichers, geboren in der schweizerischen Romandie, aufgewachsen in Wien in einem Bezirk mit vielen Menschen aus dem Balkangebiet, trägt er so einige Geschichten und Sprachen mit sich. Ob er den Dancehall als eine art universale Sprache nutzt um seine Herkunft einem breiteren Publikum vorzustellen, konnte ich ihn gestern bei einer pre-listening Session in den Red Bull Studios fragen. Es war wohl der Dancehall, der ihn dahin gebracht hat. Vermischt mit dem Autotune, der ebenfalls viel in Serbien und Kroatien verwendet wird ergab sich zufällig diese Mischung, die seinen Sound so besonders macht. “Zufall oder Intuition?” war meine Frage, denn ich bin der Meinung, wer es schafft so authentische Gefühle und Stimmungen zu schaffen und dabei so erfolgreich ist, würfelt bestimmt nicht. Der sich in der Kehle dehnende Gesang, der Weltschmerz und doch eine Leichtigkeit, die vielleicht dazu da ist, um nicht komplett durchzudrehen.

“Intuition ist auf jeden Fall ein schöneres Wort und es hat sicher auch viel zutun damit, keine Heimat zu haben. Man fühlt sich da nicht zuhause und dort nicht zuhause. Wenn ich der Pate II schaue, dann weine ich weil das die Geschichte von Menschen ist, die weg von ihrem zuhause sind und nicht weil Al Pacino so gut spielt.”

Ein Gefühl für das Neue

Dann ist da noch der Afro Trap, der so einmalig ist im Deutschrap. Eine gekonnte Interpretation des wohl heißesten Traps, den Europa zu bieten hat.

Wir wünschen RAF Camora und seiner Crew happy Release und wünschen ihnen viel Erfolg mit diesem gelungenen Album!




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