Montagmorgen, nachdem ich eine schlaflose Nacht hinter mir hatte und eine Ladung Kaffee auf meinem Shirt kippte, kamen Peter und ich im achten Stockwerk des Universal Music Gebäudes an. Auf uns wartete bereits ein gut gelaunter Romano in der kuscheligen Interview-Ecke, der am Freitag sein neues Album “Copyshop” veröffentlicht.

Romano Montagmorgen
Wir treffen einen frischen Romano am Montagmorgen

Nackt in der Sauna?

Mir viel sofort seine Aufgewecktheit und seine gute Laune auf. Wie er es schaffe am Montagmorgen so frisch und gut gelaunt zu sein? “Ick hab jut jeschlafen und vor allem; mach ick, wat ick mache ja jerne.” kam die Berliner Schnauze direkt zum Vorschein. Ich konnte aber nicht anders, als nochmal mit der schlechten Laune zu kommen und fragte ihn, ob das für ihn eine Option wäre. “Man kann auch mal schlecht gelaunt sein, aber man kann auch jemanden haben, der einen aufmuntert.” Der Entertainer. Immer in der Tasche dabei. Mir war klar, dass die nächsten dreißig Minuten sehr angenehm werden würden.
Im Urlaub war er ein paar Tage in Warnemünde zur Erholung. Sauna mag er besonders gerne. Ob er denn kein Problem damit hätte in der Sauna, so nackt, mal erkannt zu werden, war meine Frage. “FKK kommt ja aus dem Osten und ich bin ja gebaut, wie jeder anderer Mann. Dann kommt man halt ins Gespräch. Dann möchten die aber bitte auch nackend sein! Köpenick ist ja für mich auch Bademantel und Schlappen. Da lauf’ ich durch, wie in einem großen Wohnzimmer.”

Der Guru in dir

“Verstehst du dich als Guru oder Representer der Leute?” “Nö, ich glaube, ich mache, was ich mache und ich mache es gerne.” Und da war er wieder, dieser Satz. Ob er aus seinen Schlagerzeiten stammt? Mit offenen Armen auf die Menschen zugehen, anstatt sich zu verschließen. Ruhe holt er sich in der Natur und beim nächtlichen Joggen. Im Alltag mit den Menschen versucht er positiv rüber zu kommen. “Das Ego mal ein wenig zurückschrauben. Nicht immer den Anderen beweisen wollen, was und wie man etwas gemacht hat. Auf dem Grabstein stehen zum Schluss drei Worte und das wars. Was gibt man der Gemeinschaft zurück? Das ist so mein Ansatz. Über das Anhäufen von Sachen, das ist keine Kunst darüber zu rappen. Was bleibt ist die Frage, wie man es sich selber schön macht. Ich glaub, wenn man es sich selber schön macht, macht man es auch anderen schön.”
Er kommt mir schon wie ein Lifecoach rüber, auf den Punkt wissend welches Wort wie rüberkommt. Einer, der es versteht allen mit einem charmanten Klaps auf’m Po ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Romano und Niloufar
Romano und Niloufar

Loslassen und fallen

Apropos Klaps auf’m Po: Unter Mediengestalter Kollegen, erzählten wir uns von der Ausbildungszeit im OSZ in Wittenau und Romano noch von seiner Zeit als Copyshop-Wanderer. Mal hier, mal da hatte er gearbeitet. Der letzte Chef wollte ihn gar nicht gehen lassen, mit Porzelantassen, extra Urlaub und Geld wollte er ihn behalten. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie er schon hier auf der Couch rüberkommt. Doch für Romano war klar: Es ist Schluss, es reicht. Er wagte den Schritt und kündigte. Loslassen und fallen. “Sonst wäre Romano so nicht entstanden.”

Der Regisseur Jakob Grunert, der bisher bis auf das “Mutti”-Video alle Videos drehte, und Siriusmo, ein Elektro-Produzent, den er aus alten Zeiten in Köpenick kennt sind das Team hinter Romano. Ihr erstes Projekt war “Itchy / Cornerboy” von Siriusmo. “Wir waren zwei Tage unterwegs und hatten überlegt, wo wir es machen und zum Schluss haben wir gedacht, wir machen es ganz authentisch in meiner Gegend.” Mehr Electro-Schlager als Rap.

“Lass die Leute so nah ran, wie es geht”

Das war der Startschuss. Jeden Dienstag aufn Bier für die anderen beiden und ein Glas Sekt für Romano. Musik machen, einfach drauf los und zunächst ohne ein Ziel. Ein deutsprachiges Projekt sollte es werden, um wirklich authentisch und tief zu sein.

“Jakob sagte dann: ‘lass die Leute so nah ran, wie es geht. Du entscheidest’. Und dann hab ich gemerkt, dass es beim ersten Mal mit dem Song ‘Sextrain’ relativ tief wurde.
Morgens. Du sitzt im Zug, bist sehr müde, wenig Schlaf. Fährst zurück im Berufsverkehr wieder im selben Zustand, bist eigentlich noch müder und hast noch mehr Kaffee drin. Dann entstehen diese Momente: Da gibt’s ‘ne Berührung, da gibt’s ein Blick. Ist da was? Das kann alles im Kopf sein. Darüber hab ich einen Song geschrieben, worüber ich schon dachte, wow das ist aber ganz schön intim!”

Mutti

Es sind diese Details aus dem Alltag, aus der Nachbarschaft, die in ihrer Einfachheit eine komplette Geschichte erzählen. Lokale Symbole, die irgendwie das große Ganze erahnen lassen. Das bewundere ich an Romano. Er versteht es den Hip-Hop so zu interpretieren, wie es kein Zweiter tut, weil er seine eigene Geschichte erzählt und den Ursprüngen dennoch Respekt erweist. Ein super Beispiel ist der Song “Mutti”. Welcher Rapper hat bislang nicht eine Hymne auf seine Mutter gemacht? Ich wollte wissen, ob es hier eine Formel gibt, wie so ein – vielleicht – intimer Song aufgebaut sein muss.

“Für viele ist im Hip Hop die Mutter, die Madonna, aber komischerweise spielen für viele Rapper die anderen Frauen eine Nebenrolle. Dann aber so: der Macho-Boy schnappt sich die Frau und sie hat zu funktionieren. Die Mutter bleibt aber die Madonna. Alle Bitches außer Mutti. Da haut doch was nicht hin? Da stimmt doch was nicht! Das ist doch ein verklärtes, religiöses Bild. Deshalb hab ich die kleinen Fehlerchen, die meine Mutter hat, nach oben gehoben. Ich liebe sie dafür. Sie ist eben in diesem Unperfekten perfekt! Kein Mensch ist Perfekt!
Mutti ist nicht die beste Köchin, sie ist nicht die beste Autofahrerin – hier bin ich dankbar, dass alle Autofahrer für Mutti mitdenken – Mutti spielt nicht gut Geige, sie spielt aber gerne Geige. Wenn sie an Weihnachten die Geige auspackt, sind alle beim Gänsebraten in der Küche. Sie hat auch Gabriela Sabatini getragen und versucht sich mit einem reichen Mann am Wannsee zu treffen. Ich wollte Mutti ein Zeichen setzen und habe diesen Song gemacht. Als ich ihr ihn vorgespielte war sie erst skeptisch, aber dann ist sie vor Lachen zusammengebrochen und war überrascht, was ich alles so in ihr sehe und erkannt habe. Was sie nicht verstanden hat, war der Part mit ‘wer hat die dicksten Eier’ aber, als ich ihr das dann erklärte, fand sie das auch gut, so als Chefin.”

Ein gut gelaunter Romano
Ein gut gelaunter Romano

Public Enemy und Prodigy

Die Neunziger sind für Romano vielleicht mit dem politischen Hintergrund etwas anders verlaufen. Worin wir jedoch Übereinstimmungen hatten, waren die musikalischen Stile. Von Hip-Hop zum Metal, von Beastie Boys zu Punk und dann noch Prodigy. Yo! MTV Raps und MTV’s Headbangers Ball. Soviel gab es zu entdecken. Genreübergreifend war Romano schon immer unterwegs, er hatte Bock auf Musik und das was ihn berührte. Egal aus welcher Szene. Das ist das, was ihn heute so ausmacht. Er hat es verstanden durch die Musik zu sprechen und einen Konsens zu schaffen. Nicht nur in Köpenick und in Berlin.

Romanos Album “Copyshop” erscheint am Freitag, den 8. September.


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