“Manchmal ist das nicht Perfekte perfekt” AFROB im Interview

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Wie gerne würde ich meinem 17 jährigen Ich begegnen und Ihr sagen: Alles wird gut! Du wirst in 20 Jahren mit Afrob in Berlin auf der Parkbank in Kreuzberg sitzen und mit ihm über seine Musik und seine Best-of-Platte reden.

Da waren wir also. Afrob, der an diesem Tag nicht wirklich bester Laune erschien und ich, die versuchte durch seine Sonnenbrille mit ihm Kontakt aufzunehmen. Er kam gerade aus Hamburg mit dem Zug angereist, leicht erschöpft und scheinbar etwas neben sich. Mal ging er sofort auf eine Frage ein und erzählte, dann wieder blieben Gegenfragen auch mal stehen, ohne richtig anzukommen.
Afrob wollte nicht verkaufen und zeigte eine verletzte Künstler-Seite, der ich versuchte behutsam mit Respekt und Empathie zu begegnen.

Afrob im neuen Licht: Albumcover “Beats, Rhymes & MR. Scardanelli”

Seinen Rollkoffer an sich gepresst, Sonnenbrille auf der Nase, saß er neben mir auf der Parkbank.

Mit Afrob in Kreuzberg an der Spree
Mit Afrob in Kreuzberg an der Spree

Dein letztes Album Mutterschiff erschien 2016 und ging komplett in eine andere Richtung als das aktuelle Beats, Rhymes & Mr. Scardanelli, was ein Best-of-Album ist, gespickt mit Live-Sessions. Welches der beiden Alben fühlt sich am besten für dich an?

Mutterschiff war ja von der Idee und vom Aufbau her das selbe Prinzip, wie auch die Alben zuvor. Diese Live-Platte ist schon eine Zäsur und etwas ganz anderes, als das, was ich zuvor gemacht habe. Ich muss sagen, dass ich mich in diesem Live-Ding recht wohl fühle. Es ist auch nichts überraschendes, weil ich viel mit Max gespielt habe und da wie ein kleiner Junge immer rumrannte und zusah, wie sie Songs arrangierten. Die Hälfte davon habe ich nicht verstanden, aber die andere Hälfte habe ich verstanden und das habe ich umgesetzt, genauso wie die Studioarbeit. Mir viel das recht leicht. Ich mach das echt gut und ich hab da eine super Band.

Es musste anscheinend auch diese Band sein. Du hast mal gesagt “Wenn nicht die Tribes of Jizu, dann würde ich das nicht machen. So eine Band habe ich mein ganzes Leben gesucht.”

Ich bin nie ein Band-Fan gewesen, weil ich nich daran glaubte, dass man all die Songs, die ich im Repertoire habe, gut nachspielen kann. Das stimmt nach wie vor. Zum Beispiel ist Sneak Preview nicht auf dieser Platte drauf, weil ich denke, dass eine Band den Song nie so zu meiner Zufriedenheit spielen kann.

Bei der Auswahl kam es darauf an, dass es auch zu dem passt, was die Band sonst so spielt. Da habe ich auch einen Katalog, der das erlaubt und dementsprechend was her gibt. Das ist jetzt eine Erfahrung, die ich gerne mitnehme.

Afrob im Interview
Afrob im Interview

Wenn man sich die aktuelle Platte anhört, dann erkennt man neue Interpretationen der alten Songs, andere wiederum sind so geblieben, wie sie waren. Welche Kriterien waren dir hier wichtig? War es ein freies Jammen mit der Band und eine Absprache mit ihr? Du hast ja auch viele Gäste. In wie weit hatten die ein Mitspracherecht?

Die Gäste wurden vor vollendeten Tatsachen gestellt. Ich hab der Band schon viel Freiraum gelassen und sie konnten zuvor die Songs so interpretieren, wie sie es mochten. Ich bin dann dazu gestoßen und wir probten dann fünf Tage lang. Bei den ganzen 17 Songs musste ich bis auf Kleinigkeiten eigentlich kaum noch was ändern.
Beim Gesang höre ich bei mir ein riesiges Potenzial raus, aber da liegt noch ein weiter Weg vor mir, um das bis zur Perfektion auszubauen.

Kannst du dir vorstellen noch mehr in Richtung Gesang zu gehen? 

Das kann ich mir durchaus vorstellen. Natürlich mit mehr Coaching. Gesang ist ein vollkommen neues Gebiet für mich. Es ist schwerer als ich dachte. So mit Melodien merken, weil ich ja auch so ein Freestyle-Typ bin. Mal so etwas einsingen geht. Aber die Melodien zu merken und zu wiederholen, das viel mir schon schwer.

Manchmal ist das nicht Perfekte perfekt.

Kannst du dir vorstellen, von den Kollegen oder Kolleginnen – ich denke da jetzt konkret an Joy und Max – Tipps oder ein Coaching einzuholen?

Joys Zeit möchte ich nicht, mit dem was ich da mache, verschwenden. Aber Max ist glaube ich eine super Idee. Ich trau mir schon da einiges zu. Hier habe ich alles live aufgenommen und da muss man auch Abstriche machen. Manchmal ist das nicht perfekte, perfekt.
Der Song Interlude auf der Platte ist komplett gejammt. Mein ganzes Umfeld mag den nicht. Ich hab den auf die Platte gepackt, weil ich den Proberaum-Vibe ok finde. Meiner Meinung nach ist vor allem mit einer Band sowas erlaubt. Es war ein richtiger Spielplatz für mich gewesen, wie du schon hörst und auch viel offener als eine reine Studioarbeit. Da gehst du viel abgeklärter rein und ordnest den Dingen ihren Platz zu.

Persönlich muss ich sagen, dass mir das beim Hören Spaß macht. Dieses nicht zu sauber Gemasterte und dieser Raum für das Kreative. Das hat mehr Feeling. Eben dieses Machen. Das braucht Mut.

Manchmal zählt für mich der Moment. Da hat man mehr an dem man sich festhalten kann.

2016 Mutterschiff. Zack 2017 darauf ein Best-of-Album. Wie kam es dazu?

Eigentlich kam das Best-Of zu früh. Wenn ich mir ein paar Songs auf Mutterschiff anhöre, dann denke ich mir ‚warum gibt es da kein Review?‘. Bei zwei, drei Songs denke ich mir, da kann mehr rausgeholt werden.
Zeit spielt bei mir eigentlich nicht wirklich eine große Rolle. Meine Songs sind jetzt nicht unbedingt “zeitlos”, aber sie haben eine gewisse Überlebensdauer. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich hab sogar einen Song aus Mutterschiff komplett abgedreht, alles selber gemacht und wer weiß, vielleicht haue ich das zwischendurch einfach mal raus. Ich bin da ja niemanden Rechenschaft schuldig. Es ist ja mein eigenes Label und habe da die Freiheit, dieses Strategische ist eh Unsinn. Du hast als Künstler ja heutzutage die Möglichkeit einfach, so wie du dich fühlst, dein Kram rauszuhauen. Damit habe ich bisher gute Erfahrungen gemacht. 

Welcher Sound haut dich derzeit vom Hocker? 

*überlegt* Auf dem neuen neuen Drake Album gibt es einen Song mit Kanye, ich hab vergessen, wie der heißt. Mit dem Earth Wind Fire-Sample hinten raus. Find ich sehr geil. Was ich noch höre ist das Album von Chance the Rapper Album.
Außerdem höre ich gerade echt oft Bill Evans Days ofWine and Roses. Ich finde der hat immer geile Titel.  *holt sein Handy raus und spielt es vor*

Afrob
Afrob spielt mir Songs auf seinem Smartphone vor

Das ist alles hier zur Weiterbildung, was ich hier so höre. Dann hab ich noch jemanden entdeckt, der Leaky Inspired heißt. Der macht nur so Instrumentals, darauf freestyle ich zur Zeit.

Ich bin echt gespannt, wie es mit den nächsten Alben weitergeht. Nach all diesen Songs klingt es ja ziemlich weich und Jazzy.

Ja das zeigt gerade, wo ich Soundmäßig gerade so bin und wo es hin geht. Ich hoffe es ändert sich aber auch mal.

Vielen Dank Afrob!

Afrob – Beats, Rhymes & Mr.Scardanelli im Stream




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