Wer nach Objektivität im Journalismus schreit, fischt in rechten Gewässern

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Als Bloggerin genieße ich den Luxus meine Meinung offen Kund zu tun. Was ich über wen oder was schreibe, liegt ganz an mir und ich bin niemanden Rechenschaft schuldig. Mein Kompass: stehe ich zu meiner Ansicht auch wenn es Gegenwind geben wird?

Bloggen ist seit mehr als eine Dekade auch bei Publizisten und Journalisten sehr sexy geworden. Zunächst wegen dieser persönlichen und authentischen Haltung, die schon manche politische Systeme zum Wanken gebracht hat, weil Menschen jenseits der Presse eine Möglichkeit haben das auszusprechen, was nicht gesagt werden darf.

Die Arroganz der Journalisten?

Der Grund, warum ich das hier aufschreibe, ist der Beitrag von Tobias Huch auf Facebook. Er bezieht sich nämlich auf die Rolle der Medien, Journalisten im Bezug auf die politische Berichterstattung:

Die Sondierungsgespräche zu “Jamaika” haben ein großes Problem unserer Gesellschaft aufgedeckt: Die Arroganz und das anmaßende, parteiische Verhalten vieler Vertreter der Hauptstadtpresse – lebend in einer Blase.
Jeder kennt prominente Namen, daher brauche ich sie nicht hervorgehoben nennen. Sie machen kaum noch echte journalistische Arbeit in Form von neutraler Berichterstattung, sondern sie wechseln die Rollen zu politischen Aktivisten und belehrenden Alleswissern. Sie beanspruchen die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und der Zuschauer muss nur noch erzogen werden. Sie zeigen damit eine unglaubliche Arroganz gegenüber der Politik und unserem demokratischen System – sie beschädigen nachhaltig das politische System und gleichzeitig werfen sie dann die selbsterzeugte Beschädigung den politischen Vertretern vor.
PEGIDA, AfD, HoGeSa sind teils Produkte dieser medialen Arroganz und am Ende werfen Bürger, die das nicht mehr ertragen, “DIE Politik” und “DIE Medien” in einen Topf. Kein Wunder – es wird immer weniger unterscheidbar.
Der große Vicco von Bülow (Loriot) hat davor schon in den 70er Jahren gewarnt – dem Beginn des Fernsehzeitalters. Heute gilt die Warnung noch viel mehr, da die Grenzen längst verschwommen sind. Verschwommen in einer unmoralischen Weise.
(…)
via Tobias Huch, Facebook (stand 22.11.2017)

Den Bezug auf Loriot unterstreicht er noch mit folgendem Video, das übrigens auch gerne von Seiten wie PI-News als Argument über objektive Berichterstattung eingesetzt wurde:

Medienvertreter machen Politik und beschädigen damit unser Land

// Bitte teilen, damit vielleicht mehr Menschen aufwachen //Die Sondierungsgespräche zu "Jamaika" haben ein großes Problem unserer Gesellschaft aufgedeckt: Die Arroganz und das anmaßende, parteiische Verhalten vieler Vertreter der Hauptstadtpresse – lebend in einer Blase. Jeder kennt prominente Namen, daher brauche ich sie nicht hervorgehoben nennen. Sie machen kaum noch echte journalistische Arbeit in Form von neutraler Berichterstattung, sondern sie wechseln die Rollen zu politischen Aktivisten und belehrenden Alleswissern. Sie beanspruchen die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und der Zuschauer muss nur noch erzogen werden. Sie zeigen damit eine unglaubliche Arroganz gegenüber der Politik und unserem demokratischen System – sie beschädigen nachhaltig das politische System und gleichzeitig werfen sie dann die selbsterzeugte Beschädigung den politischen Vertretern vor. PEGIDA, AfD, HoGeSa sind teils Produkte dieser medialen Arroganz und am Ende werfen Bürger, die das nicht mehr ertragen, "DIE Politik" und "DIE Medien" in einen Topf. Kein Wunder – es wird immer weniger unterscheidbar. Der große Vicco von Bülow (Loriot) hat davor schon in den 70er Jahren gewarnt – dem Beginn des Fernsehzeitalters. Heute gilt die Warnung noch viel mehr, da die Grenzen längst verschwommen sind. Verschwommen in einer unmoralischen Weise.Ich mache mir mit diesem Posting sicher keine Freunde bei der versammelten Hauptstadtpresse, aber als Demokrat, der unser Grundgesetz und seine Werte liebt, muss ich es laut aussprechen.

Posted by Tobias Huch on Dienstag, 21. November 2017

Wer nach Objektivität schreit, fischt in rechten Gewässern

Wer publiziert oder journalistisch tätig ist, sieht sich oft in der Pflicht Fakten nicht zu verdrehen und transparent zwischen Fakten und eigener Meinung zu unterscheiden. State of the art quasi und auch schon lange ein Vorgehen in den Sozialwissenschaften. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass unter dem Vorwand der Objektivität und des Rationalismus viel zu viel Scheiß betrieben wurde. Alles wurde – und wird in totalitären Staaten noch heute – im Sinne der Wahrheit gleichgeschaltet. Die logische Schlussfolgerung von Diktaturen und totalitären Staaten. Meist gilt die simple Formel “Ein Mann. Ein Wort.” Gedeckt ist das Wort, weil sie eine Ermächtigung von Gott dem Babo persönlich erhalten haben oder eben eine eigene objektive, hirnverbrannte Herleitung der Evolutionstheorie als Legitimation zum Massenmord.

Nun, wer sich hier in der Demokratie und in der gelebten Freiheit zur Äußerung der eignen Meinung und der Pressefreiheit bewegt und nach “Neutralität” oder “Objektivität” in der Berichterstattung schreit, bewegt sich argumentativ jenseits der Erkenntnis, dass es sowas wie Neutralität nicht geben kann. Persönliche, betriebliche und wirtschaftliche Faktoren sind die ersten Instanzen, die ein jeder Journalist durchgeht, bevor eine Thema überhaupt niedergeschrieben werden kann.

Wo bleibt die Qualität und die Wahrheit?

Eine Orientierung im Chaos ist wahrlich schwer, aber das Leben ist nichts weiter als pures Chaos. Wahrheit und Qualität findet jeder individuell für sich, denn die Wahrheit ist für uns dann von Bedeutung, wenn wir sie erfahren haben. Um es mit Marx’ Worten zu sagen: “Das Sein bestimmt das Bewusstsein”.

Die Qualität eines Mediums wird davon Abhängig gemacht, ob und in welcher Weise eine finanzielle Abhängigkeit von Marken, Privatpersonen etc. steht.  Das Verhältnis zwischen Wahrheit oder Falschheit ist eben auch von Bedeutung.

Beispiele:
Ist die Erde eine Scheibe? Antwort: Nein!
> Das ist ein Fakt.

Ist das Leben auf der Erde lebenswert? Diese Frage ist schwer mit einem Ja oder Nein zu beantworten, weil es keine vergleichbare Welt gibt und es von einer persönlichen Erfahrung abhängt, wie wir das Leben sehen.

Wenn wir uns mit Nachrichten und anderen journalistischen Inhalten beschäftigen, suchen wir nach Themen die für uns ein Szenario der Wahrhaftigkeit wiedergeben und wir diese verstehen, ohne großartig erstmal Wörter oder den Inhalt uns aneignen müssen. Diese Szenarien bewegen, bestätigen oder lassen uns kalt, weil es zunächst keinen Mehrwert gibt.

Jedes Individuum steht im Austausch mit sich und seiner Umwelt. Ein Abstimmen verschiedener Quellen kann dazu führen, dass man ein breites Wissen über ein bestimmtes Thema hat. Allerdings ist auch die Wahl eines Themas stets mit einer persönlichen Intention verbunden.

Fazit

Journalisten können nur ihr Bemühen daran setzen, subjektiv ihr Bestes zu geben, um der “Wahrheit” möglichst nahe zu kommen.

Wer hier nach einer objektiven Haltung schreit, sollte sich nicht wundern, wenn er mit einer rechtskonservativen Denkrichtung in Verbindung gesetzt wird.

 


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1 KOMMENTAR

  1. Sorry,
    was ist das für eine Logik. Seriöse und objektive Berichterstattung von Journalisten zu fordern, oder gar zu erwarten, ist gleich Rechts. Bloggern? Es lebe das Internet.

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