Ich liebe Hip-Hop! Ehrlich jetzt. Es gibt nichts ausdrucksstärkeres und spannenderes als ein Battle, wenn Mann sich in sportlicher Manier miteinander, gegeneinander misst. Ein Duell unter Gentlemännern sozusagen. Steh’ ich drauf. Isso.

Red Bull Soundclash

Eines dieser großen Events, ist der alljährlich stattfinde Red Bull Soundclash. Ein Corporate Event für die einen und für die anderen eines der Hip-Hop Events des Jahres, bei dem sich begnadete Rapper das Mikrofon reichen. In diesem Jahr waren es  Eko Fresh, Samy Deluxe und Afrob als Team Reality Check gegen LGoony, Soufian und Crack Ignaz als Team New Level. Die Sporthalle in Hamburg war sicher der passende Ort, um zwei sich gegenüberstehende Bühnen aufzustellen. In der Mitte, auf dem Feld, stehen die Fans. Schon zu Beginn der Show war die größte Crowd und somit auch die meiste Stimmung vor der blauen Bühne des Reality Check Teams. Ein Heimspiel für Samy, das war klar und wenn er dann noch mit Afrob aufschlägt, freuen sich alt und jung. Ha! So siehts nämlich aus. Ich habs ausgesprochen: Alt und jung!

Team Reality Check

Oldschool Rap(per) gegen Trap und Autotune, könnte man denken. Aber so einfach war es nicht. Musikalisch und im Rap-Style unterschieden sich die beiden Teams deutlich und konnten größtenteils mit ihren Performances auch ordentlich überzeugen. Eigene Klassiker auf beiden Seiten pumpten enorm, Neuinterpretationen und einige der im Battle gestellten Aufgaben brachten aber eher Fremdschäm-Momente. Ekos Weihnachtsmann-Reggae-Versuch war ebenso unterirdisch, wie die vorhergehende Verweigerungs-Diss-Präsentation auf der anderen “jungen” Seite.

Trettmann für Team New Level

Beim Reggae-Battle hatte Team New Level deutlich die Nase vorn und das nicht nur wegen der schlechten Show auf der gegenüberliegenden Seite. Trettmann mit Kitschkrieg-Beat ist im Jahr 2017 einfach nicht zu schlagen. Erstes echtes Highlight der Show!

Wer hat gewonnen?

Laut Stimmung vor Ort war es wohl das Team mit den meisten Fans und der größten Stimmung vor der eigenen Bühne. Doch, wahre Gewinner hieraus zu schließen, ist eher schwierig.
Es war ein unterhaltsamer Abend. Und darum ging es: Wer entertaint die Zuschauer am besten? Während Team New Level mit Gästen wie Trettmann, Sido und Haftbefehl ihre Höhepunkte setzten, spielte Team Reality Check lieber mit Pyro – sehr viel Pyro – , Luftschlangen, Backgroundsänger_inn, Tänzer und – nicht zu vergessen – ihren größten und ganz schön alten Hits! Es war einiges los da auf der Bühne. Zuviel für meinen Geschmack. Es erweckte in mir fast schon den Eindruck, als müssen da ein paar alte Männer mit etwas nachhelfen. Ihr versteht schon.

Während die ‘junge’ Generation schlicht bei dem geblieben ist, worum es geht: Rap. Und der kreative, unaufgeregte Umgang damit. Mit einem Gespür für Melodien und dem subtilen Einmarsch eines rebellischen Geistes, heizten sie ihr Publikum ein. Für mich ist kontemporärer Deutschrap genau das: Einflüsse und den Swag aus den 90er aber frei von jeglicher Nostalgie und mit dem Einsatz von Autotune. Letzteres war viel weniger penetrant als Eko-Weihnachtsmann-Fresh mit seiner weichgespülten, inhaltslosen und befremdlich wirkenden Reggae-Show-Performance.

Real reality check, digga!

Sehr auffällig war, dass Frauen bei der Veranstaltung so gut wie gar nicht vertreten waren. Zumindest nicht auf der Bühne als Künstlerin, so wie auf vielen großen Events dieses Genres.

Visa Vie moderiert die Show

Warum das so ist, läßt sich nur ahnen: Im Hip-Hop spielen Performance und die Attitude eine enorme Rolle. Hier sind Geschlechterrollen fast schon in Stein gemeißelt. Viele Texte und der dazugehörige Habitus würden nicht funktionieren, wenn nun auf politische Korrektheit geachtet werden würde. Als eigene “Kunstform” wird dieser Zustand des nicht reflektieren Wollens getragen. Von den Fans, von der Industrie, von den Künstlern selbst. (Wer mag ersetzt Habitus mit ‘Realness’ und Attitude mit ‘Swag’)

 

Um so schlimmer war Samys Seitenhieb, den er sich eigentlich hätte sparen können müssen. Wäre er doch einfach von der Bühne gegangen, stünde nur seine überlegene kritische Einlage im Raum. So hat das wieder diese überhebliche Art, des ‘Männer sind besser und deshalb urteile ich über Frauen’. Geht nicht so klar, Brudi!

Diese Bemerkung kam über seinen Lippen, als er die Moderatorin Visa Vie eigentlich loben wollte. Eigentlich. Normalerweise hätten Frauen ja immer so eine Piepsstimme aber die Visa Vie hätte das super gemacht, bei ihr wäre das nämlich nicht so. Oldschool, digga!

Wo wir schon Mal dabei sind. Ich zähle euch mal die Frauen, die vor der Kulisse mit dabei waren auf: Die Moderatorin des Abends Visa Vie und die Background-Sängerin von Team Reality Check. Sollte ich jemanden vergessen haben, entschuldige ich mich. Aber beim besten Willen!? Warum kann Red Bull nicht zeigen, dass sie auch und besonders Frauen Flügel verleihen und ihnen eine Bühne bieten? Das haben sie leider echt versäumt.

Fazit

Wer beim Red Bull Soundclash auf einen klaren Sieger hoffte war fehl am Platz. Es ging viel mehr um das Zelebrieren von Hip-Hop.
Die wahren Gewinner des Red Bull Soundclash 2017 waren die Zuschauer im Livestream und die Fans in der Halle! Sie bekamen eine über zweistündige und höchst unterhaltsame Show geboten. Sie erlebten zwei verschiedene Teams eines Genres, die erahnen ließen, wie vielfältig und unterschiedlich deutscher Rap im Jahre 2017 sein kann.
Quasi state of the art – aber – in absence of women.

Und selbst die ganzen Fans, Nörgler und Besserwisser, die ihre witzigen bis zynischen Kommentare in den Netzwerken zum Besten gaben können froh sein, denn lieferte die Show doch genug Stoff und meme-fähiges Material für die kommenden Wochen und Monate. Bis eben zum nächsten Soundclash.




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2 KOMMENTARE

  1. Schon lustig, an Sammys Aussage stichst Du dich, obwohl die noch nicht mal
    sonderlich frauenfeindlich ist, das generelle Bezeichnen von Frauen als Bitches
    dieser “Unrapper” der anderen Seite, das stört dich dagegen offensichtlich nicht.

    Aber da ist ja auch nur ein Stilmittel und hat natürlich keinen Einfluss auf naive,
    beeinflussbare Jugendliche, der Hauptzielgruppe von Musik, in der kaum fünf
    Wörter am Stück “gerappt” werden.

    • Immerhin gab´s den Quotentürken, wenn auch die Frauen zu wenige auf stage am been waren. Wahrscheinlich haben die das Event organisiert und sitzen beim Sponsor im HR, weeß ick doch nich. und die 5000 Eier für nen vermeintlichen next level rapper feature kann man doch auch mal für nen Pyro-Regen nutzen: Freezman sei dieser MJ-Moment gegönnt. (hoffe der kinder-chor im background hat nix abgekommen). Wählt ASD!

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