Barbara: “Willkürliche Zensur meiner Arbeit”

Das sind die Fotos von Barbara, die auf Facebook und Instagram gelöscht wurden

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Die Schilder, Zettel und Gedichte von Barbara kennt bestimmt jeder, der in Sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook und Twitter unterwegs ist. Mit viel Humor und einer ordentlicher Portion Satire bereichern sie seit bestimmt drei Jahren unseren Alltag.
Bereits 2014 schaffte es Barbara, die bis heute anonym arbeitet, mit ihrer Kunst in die Tagesthemen, 2016 gewann sie sogar einen Grimme Online Award. Ihre Bilder teilt sie auf Facebook und Instagram und sie gelangen von dort aus in Blogs und Magazine, viele ihrer Arbeiten gehen viral.

Barbara: “Willkürliche Zensur meiner Arbeit”

Nach einer kleinen Pause meldete sich Barbara heute mit einer Statusmeldung auf Facebook zurück. Darin beklagt sie, dass es in den letzten Wochen mehrere ihrer Bilder auf Facebook und Instagram wegen Verstößen gegen die Gemeinschaftsstandards gelöscht wurden.

Auf Facebook und Insatgram gelöschtes Bild von Barbara “Mein kleiner, grüner Kaktus”

Barbara vermutet Willkür hinter den Entscheidungen privater Firmen, die “im Auftrag von Facebook und Instagram, die im Schnellverfahren entscheiden und nicht einmal irgendwelche Gründe für das Löschen nennen”.

Schaut man sich die gelöschten Bilder an, fragt man sich tatsächlich, warum sie gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen sollten. Auf einem der Schilder steht zwar “Arschloch”, was sich allerdings gegen keine ersichtliche Person richtet. Das Schild darüber ist hingegen beleidigend:

Auf Facebook und Insatgram gelöschtes Bild von Barbara “Tanz-Flashmob”

Auch das Bild eines Verkehrsschilds mit Bikini-Top wurde gelöscht, das entzieht sich zumindest mir jeglicher Erklärung:

Barbara “Verkehrsschild mit Bikini”

Barbara schreibt dazu auf Facebook:

Hi Leute, ich bin wieder zurück im Netz, die kleine Auszeit hat gut getan.
Leider gibt es ein Aber:
In den letzten Wochen haben Facebook und Instagram zahlreiche Beiträge von mir gelöscht, weil sie angeblich gegen die Gemeinschaftsstandards verstoßen. Dabei wurde mir gedroht, dass mein Account gelöscht wird, wenn das nochmal passiert.
Es waren (aus meiner Sicht) völlig harmlose Beiträge, die sich gegen rechtsradikale Schmierereien und diskriminierende Schilderbotschaften gerichtet haben, ihr kennt meine Arbeit.
Leider kann ich die betreffenden Fotos hier nicht zeigen, sonst löschen die tatsächlich meinen Account.
(Es geht zum Beispiel um das Foto “Mein kleiner, grüner Kaktus”, das Foto mit dem Aufruf einen Tanz-Flashmob vor einem beleidigenden Schild zu machen, den Brief von Bernd H. mit dem AfD-Kugelschreiber, ein Foto von einem Verkehrsschild, dem ich einen Bikini hinzugefügt habe. Und weitere Beiträge, die meines Erachtens gegen kein Gesetz der Welt verstoßen.)
Über das Löschen von Beiträgen entscheiden irgendwelche Angestellte von privaten Firmen im Auftrag von Facebook und Instagram, die im Schnellverfahren entscheiden und nicht einmal irgendwelche Gründe für das Löschen nennen.
Ich sehe die Freiheit im Internet dadurch mehr als nur bedroht, sie wird aus meiner Sicht dadurch ruiniert.
Wie soll Satire im Internet funktionieren, wenn die Satiriker dem Urteil von privaten Firmen ausgesetzt sind, die sich als Richter aufspielen.
Um das klar zu sagen: Ich bin auch der Meinung, dass etwas unternommen werden musste, um Hass und Gewaltandrohungen im Internet einzudämmen. Wenn zum Beispiel etwas strafrechtlich relevant ist, dann gibt es dafür das Strafrecht.
Aber Satire kann in den sozialen Netzwerken unter den gegebenen Umständen nur noch zensiert stattfinden.
Es beginnt schon mit der Zensur im Kopf. Ich muss mir jetzt gut überlegen, ob ich einen Beitrag poste oder nicht, denn die Gefahr, dass meine Seite komplett gelöscht wird, ist allgegenwärtig.
Das war auch vorher schon so, bezog sich aber meistens auf die Darstellung von Nacktheit, dem prüden amerikanischen Verständnis davon, dass ein weiblicher Nippel etwas Schreckliches ist, nichtmal eine stillende Mutter durfte gezeigt werden. Auch der weltberühmte David von Michelangelo durfte nicht gezeigt werden, weil man seinen Pipimann sehen konnte. (Stand sogar in den FB-Gemeinschaftsstandards)
Damit musste und konnte ich irgendwie leben, aber willkürliche Zensur meiner Arbeit durch Privatfirmen, die offensichtlich nicht die geringste Ahnung von Satire haben, empfinde ich als unwürdig und es erstickt meinen Schaffenswillen im Hinblick auf die sozialen Netzwerke.
Ich kann und werde auf der Straße weiterhin meine kleinen Zettelbotschaften kleben, aber ich werde mir genau überlegen, wie ich mit dem veröffentlichen von Fotos auf Facebook und Instagram umgehe. Beuge ich mich der Zensur und poste nur noch völlig unverfängliche Love-Messages, die keinen möglicherweise verfänglichen Interpretationsspielraum offen lassen und sende damit ein verfälschtes Gesamtbild meiner Arbeit in die Welt, oder lasse ich es ganz und konzentriere mich auf die Straße, wo ich wirklich frei bin?
Ich werde die Entwicklungen beobachten, bewerten und irgendwann eine Entscheidung dazu fällen.
Ich habe ständig versucht dem Hass im Internet mit meinen Botschaften etwas entgegenzusetzen, habe dafür super viel positives Feedback bekommen, nicht zuletzt sogar den Grimme online Award. Dass ich jetzt von den Plattformen Facebook und Instagram dafür abgestraft werde, fühlt sich schrecklich und unwürdig an. Ich liebe die Freiheit und kann auf Dauer nur dort agieren, wo ich sie leben kann.
Facebook war mal so ein Ort und ich werde genau hinschauen in welche Richtung sich das alles entwickelt.

In Liebe und der Hoffnung, dass sich die Sache zum Guten wendet,
Eure Barbara.

Quelle: Barbara auf Facebook

 

Die meisten Bilder wurden übrigens im Jahr 2018 gelöscht. Gut vorstellbar, dass seit dem neuen Netzwerkdurchsetzungsgesetz die Löschteams von Facebook und Instagram “großzügiger” Löschen und im Schnellverfahren entscheiden.

Bei dem letzten, uns von Barbara freundlicherweise zur Verfügung gestellten Fotos könnte man sich auch vorstellen, dass hier gezielt und gemeinschaftlich gemeldet wurde.

Barbara “Brief von Bernd H. mit dem AfD-Kugelschreiber”



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2 KOMMENTARE

  1. Warum tun sich die Leute Instagram, Facebook und Twitter noch an?
    Ich kann das rumgejammer wegen Löschungen blabla nicht verstehen.

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