Am Montag feierte der Film “Nur Gott Kann Mich Richten” in Frankfurt seine Premiere und damit auch den baldigen Einzug (25.01.) in die deutschen Kinos. Mein erstes Mal als Presse und mit meiner Kamera bewaffnet, front row mit den ganzen Zeitungen, TVs und Magazinen am roten Teppich. So läuft es nämlich als Praktikantin bei den Blogrebellen: rein ins Geschehen und eigene Erfahrungen sammeln. Anscheinend konnte ich nicht ganz verheimlichen, dass ich neu im Geschäft bin. So hörte ich auch, wie ein Fotograf mit seinem Kollegen über mich sprach: “Da hat jemand wohl seine kleine Sekretärin vor geschickt.” Unverschämt aber anscheinend ist das der Ton unter männlichen Kollegen. Egal, schließlich war ich wegen einer anderen Sache da und ließ mir meinen Platz nicht streitig machen.

Das Fangirl in mir

Als ich von der Prämiere in Frankfurt gehört hatte, wusste ich, dass ich hin musste.
Das Fangirl in mir schrie schon allein wegen Özgür Yildirim, dem Regisseur des Films, auf. Er hatte unter anderem die Tatort-Folge “Zorn Gottes” und “Feuerteufel” gedreht. Aber auch die Titelmusik und der Soundtrack schienen vielversprechenden zu sein. Samy & GRiNGO44 & XATAR lieferten den Titeltrack zum Film. Das Album selbst ist für den 26.01.2018 angekündigt

Tupacs Code: “Only God Can Judge Me”

“Only God Can Judge Me” ließ Tupac Shakur bereits 1996 verlauten. Betrug, Verrat, Leben am Rande der Gesellschaft, bangen um das eigene Leben und kein Ausweg hieraus. Einer der größten Rap-Songs und meist zitiertesten Zeilen der Geschichte.
Auch hier geht es, wie es sich für einen Gangsterfilm gehört, um Mord, Betrug, Liebe und Enttäuschung.
“Nur Gott Kann mich Richten”, so heißt es 2018 in good old germany, genauer: auf Frankfurts Straßen. Man lehnt sich, so scheint es, an Tupac-Code an, um vom Spiel ohne Regeln auf der Straße zu erzählen.

Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel

Der Film erzählt die Geschichte eines Gangsters, der sein letztes großes Ding drehen will und dabei lernt, dass es Ihm nicht möglich ist finanzielle und familiäre Probleme auseinanderzuhalten.

Macher und Cast auf dem roten Teppich

Als Ex-Knacki steht Ricki (Moritz Bleibtreu) zunächst vor dem Nichts. Vor fünf Jahren hatte er seinen Kopf nach einem krummen Ding, das in die Hose ging, für seinen Bruder Rafael (Edin Hasanovic) und seinen Kumpel Latif (Kida Khodr Ramadan) hingehalten. Nun kommt Latif mit einem scheinbar sicheren Ding an, was soviel rausspringen lassen würde, dass Ricki sich eine neue Existenz aufbauen könnte. Dennoch ist er nicht von Beginn an Feuer und Flamme, denn eigentlich wollte er sich und seinen Bruder nie wieder in Schwierigkeiten bringen. Doch genau das macht er dann und holt Rafael mit ins Boot.

Die Pläne der Jungs werden ausgerechnet von einer Polizistin gekreuzt, die sich aus Geldnot und aus Sorge um die Gesundheit ihrer Tochter in den kriminellen Untergrund begibt und hier selbst zu einer Täterin wird. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel beginnt, das sie alle in den Abgrund zu reißen droht.

Mein Atem stockte durchgehend und ab der Hälfte des Filmes ließ meine Gänsehaut bis zum Schluss nicht nach. Ein Film, der die Abgründe menschlicher Verzweiflung in einem interessanten Zusammenspiel von Schicksalen und vielschichtigen Charakteren auf die Leinwand bringt. Ich empfehle den Film nicht nur Fans von Krimis und Familiendramen, sondern auch Fans der Serie 4 Blocks werden ihre Freude daran haben.

Wenig Untergrundmusik-Szenen

Was mir persönlich fehlte, war eine dominantere Präsenz des Soundtracks im Film. Leider begleitet dieser die Protagonisten im Film beiläufig, wie z.Bsp. in einer Auto- und natürlich auch bei Gewaltszenen. Aber Eindrücke aus der Untergrund-Rap-Szene bleiben aus. Diese Geschichten erzählen die Rapper selbst lediglich auf dem Soundtrack.
Der Anschein, der durch die Ankündigung des Films erweckt wurde, nämlich, dass die Deutschrap-Szene, die ja auch authentische kriminelle Charaktere hat, mehr in die Story verwoben ist, bestätigte sich nicht. Es geht eben nicht um einen Starkult, sondern um die Story. Xatar stellt im Film lediglich eine Verbindung von Gangstarap mit dem Frankfurter Untergrund her, um eben für ein authentisches Ambiente zu sorgen. Auch gut.

Goldfinger: Xatar ‘iz da’

Ich denke aber auch an die Enttäuschung, die entstehen könnte, wenn die Fans Xatar und SSIO erwarten, aber nur eine kleine Rolle spielen. Just sayn.

Frankfurt kann auch New York und L.A.

Mich haben die Schauspieler durchweg überzeugt. Moritz Bleibtreu zeigt die ganze Bandbreite seines Könnens und man hat ausnahmsweise mal nicht automatisch das Gefühl, in einem deutschen Film mit landestypischen Schauspielern zu sitzen. Ein Gangsterfilm mit der Anmutung eines Hollywood-Blockbusters. Özgür Yildirim zeigt wieviel New York oder L.A. in Frankfurt stecken kann.




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