Zunächst möchte ich allen Künstlerinnen und Künstlern gratulieren und auch meinen Respekt für ihre (harte) Arbeit erweisen. Es ist sicher nicht leicht, sich in einer Branche durchzuschlagen, in der es feste und zum Teil eingefahrene Strukturen gibt, die sich seit Generationen noch fester zu verankern scheinen.
In Amerika scheint man die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Gerade die Kulturschaffenden, die ein breites Publikum genießen, nutzen jede Möglichkeit derzeit, um Missstände in der Politik und innerhalb der Branche anzuprangern.

„FICKT EUCH HURENSOHN PARTEI !!!!! #FICKDIEAFD“

Seit letzter Woche läuft in den Kinos der deutsche Gangster-Film „Nur Gott Kann Mich Richten“, wir haben berichtet. Ein Film, der jene abholen möchte, die die Hip-Hop- und Gangster-Kultur feiern, welche ihre Ursprünge in den USA hat.
Schon längst ist diese Jugendkultur in den verschiedensten Institutionen eingezogen. Ganze wissenschaftliche Abhandlungen gibt es, die sich mit der Hip-Hop-Kultur und deren Bedeutung für die Gesellschaft und vor allem jungen Heranwachsenden beschäftigen. Nun, der Grund, warum ich dies in diesem Kontext erwähne ist, dass ein Darsteller aus diesem Film tatsächlich den Fernsehpreis gewonnen hat. Kida Khodr Ramadan hat für seine schauspielerische Leistung in der Serie „4 Blocks“ den Deutschen Fernsehpreis gewonnen. Einer, der quasi aus dem Asylheim kommt, im deutschen Bildungssystem nicht wirklich abgeholt wurde und sich in der Hip-Hop- und Breakdance-Szene entwickelt und gefunden hat. Ein Performer, der genug Ausdauer und Mum in den Knochen hat, um gegen den Strom zu schwimmen. Das macht natürlich Angst. Und wer kann in diese Kerbe besser einschlagen als die AfD?

FICKT EUCH HURENSOHN PARTEI !!!!! #fickdieAFD

A post shared by Kida Ramadan (@khodrkida) on


Kidas Reaktion wissen alle einzuordnen, die mit diesem Slang vertraut sind. Ob nun ‚Hurensohn‘ politisch Korrekt ist oder nicht, wird innerhalb der Szene schon längst diskutiert. Allerdings weiß jeder, was damit gemeint ist und wer sich hier an Kidas Ausdrucksweise aufhängt, lenkt vom eigentlichen ab: die AFD-Hamburg hat einfach mal kein Bock sich mit diesem Teil der Gesellschaft zu befassen.
Anders kann ich es nicht auf den Punkt bringen. Dass dieser Post noch seine Fäden in den sozialen Medien zieht, kann man sich sicher denken und auch selbst recherchieren.
Diesen Post setzte Kidar K. Ramadan drei Tage vor dem Fernsehpreis ab. Ein Thema, welches in seiner Rede sicher hätte Platz finden können, um auf diesen Rechtsruck auch im Bereich Kultur aufmerksam zu machen.

„Troddeln auf den Brüsten und Bananen um die Hüften“

Mein eigentlicher Faden ist der deutsche Fernsehpreis, der hier wirklich gezeigt hat, das das deutsche Fernsehen mehr zu bieten hat als die gewohnten deutschen Kamellen, die auf dem Schiff, in der Lindenstraße oder in irgendeinem Musikanten-Stadl gezeigt werden. Doch ist dies nur ein kleiner Funken Hoffnung gewesen. Wie es scheint war die Inszenierung bis hin zu den Nominierungen alles andere als weltoffen, tolerant oder gar anprangernd. Es ging um seichte Unterhaltung, die nur einem auserwählten (Fach-) Publikum zugetragen wurde. Diese musste sich eigentlich zutiefst geschämt und verpäppelt gefühlt haben, wenn man Anja Reschke von Zapp – Das Medienmagazin glauben schenken darf:

Finde den Unterschied: Bei den Golden Globes in den USA trug man schwarz – als Zeichen gegen sexuelle Belästigung. Der Deutsche Fernsehpreis eröffnet mit Troddeln auf den Brüsten – eine Woche, nachdem neue Vorwürfe gegen Dieter Wedel bekannt wurden. Anja Reschke über die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises.*

Die Missbrauchsvorwürfe gegen Peter Wedel sind mit Sicherheit nur die Spitze des Eisbergs und politisch haben wir mit dem Einzug der AfD in den Bundestag sicherlich kein Glückslos gezogen. Es gibt sicher einiges, worüber man hätte reden oder worauf man hätte hinweisen können, wenn schon soviel Medienmacher_innen und somit auch öffentliche Aufmerksamkeit auf einem Punkt konzentriert ist.

Was ist der Deutsche Fernsehpreis wert?

Für Kidar und seine nominierten Kollegen, sicher unheimlich viel. Aber auch für jene, die es in dieser festgefahrenen Struktur geschafft haben mitzuspielen und auf sich aufmerksam zu machen, obwohl man mit Nichts in dieses Land kam und keine wohlhabende und gebildete Familie hinter einem stand, um das Leben als Schauspieler zu finanzieren.

Aber es bleibt angesichts der vielen, vielen Baustellen ein Tropfen auf dem heißen Stein. Zu wenig traut man sich hier, in Deutschland, aus Angst, man könne etwas falsch machen und dabei stellt man sich so trottellig an, dass man es dann doch nicht richtig macht. Weil man es verpasst Position zu beziehen, stattdessen lieber „Business as usual“ betreibt und die liebe Barbara Schöneberger den Affen machen lässt.
Schade, dieser Preis hätte soviel mehr sein können!

*via Facebook Redaktion von Zapp – Das Medienmagazin


Flipboard
Folge uns auf Flipboard @Blogrebellen

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here