Was das deutsche Musikbusiness mit Nudelsalat gemeinsam hat

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Empörung ist die treibende Kraft in einer Gesellschaft. Lästig für jene, die damit ‘belästigt’ werden. Mutig und kraftaufwendig für jene, die es nicht nur bei einem empörenden Kommentar oder einem Tweet belassen, sondern sich engagieren und Dinge vorantreiben. “Neues schaffen heisst Widerstand leisten. Widerstand leisten heisst neues schaffen.” So hat es der Vater der europäischen Empörungskultur Stephane Hessel bewusst auf den Punkt gebracht.

Ich behaupte mal, dass seitdem sich Frauen im Netz organisieren, austauschen, bestärken und vor allem empören und dann noch durch Demos für Tatsachen sorgen können, ist es nicht mehr von der Hand zu weisen, dass es den Frauen ernst ist. Ihre Empörung ist echt und ihr Widerstand ist aktueller denn je. “Der Widerstand ist weiblich” so betitelte vor ein paar Tagen iranjournal.org und bezieht sich auf die lange Geschichte der Frauenbewegungen im Iran, welche aktuell den Kopftuchzwang als Katalysator für die (männliche) Fremdbestimmung der Privatsphäre der Frauen sieht. Der Schleier oder das Kopftuch, das die Frau quasi als Frau entschärfen und unsichtbar machen soll.

Was hat das alles mit der aktuellen Gema-Autorenpreis-Debatte zu tun? Alles oder nichts! Alles, weil es um die Abwesenheit von Frauen geht. In der Öffentlichkeit, in wichtigen Ämtern, als Schlüsselpersonen in bestimmten Positionen. Dabei will ich die Situation der Frauen im Iran nicht mit der der Frauen in Deutschland gleichsetzen oder irgendwas relativieren.
Aber mindestens in einer Sache sind sie sich gleich: Sie sind anwesend, waren nie unsichtbar und verlangen mutiger den je nach einer gleichberechtigten Behandlung!

Nennen wir es Nudelsalat

Aber im Falle vom Gema-Autorenpreis fällt es wirklich schwer so zu tun, als ob nichts sei. Es ist auch kein Geheimnis, dass die Gema ein Herrenverein ist, in der Männer sich gegenseitig die Eier schaukeln. Nennen wir es doch einfach Nudelsalat, meine Herren. Viele Herren unter sich und kaum eine Frau dabei. Seien wir doch ehrlich: solche Partys würdet ihr doch privat auch meiden?!

“Es wäre der Musik gegenüber nicht fair…”

Für viele Herren ist diese Aufregung nicht verständlich, denn schließlich gehe es ja um die Musik und nicht um das Geschlecht, so auch der Jurysprecher Sera Finale bezugnehmend zum anstehenden Gema-Musikautorenpreis.

Natürlich, es geht nur um die Musik…via

Nach Bekanntgabe der Nominierten in diesem Jahr, machten Kritiker direkt auf die Abwesendheit von Frauen unter den Nominierten aufmerksam. Unter den einundzwanzig Nominierten befindet sich EINE Frau.

Nicht nur meckern, sondern auch machen

Auch wenn ich der Meinung bin, dass die Frauen in diesem Kontext nicht in der Bringschuld sind, sondern die internen verantwortlichen, so bin ich trotzdem dankbar dafür, dass sich einige Frauen Gruppe zusammengeschlossen haben. Sie haben eine öffentliche Liste erstellt, in der sie Namen weiblicher Musikautorinnen und Komponistinnen sammeln, um diese der Gema einzureichen. Wer interessiert ist, kann gerne hier weitere Vorschläge einbringen. Wir bleiben natürlich hier am Ball und sind gespannt, wie die Sache ausgeht.

Wie wir die Sache mit der Anwesenheit der Frauen im Musik-Business drehen und wenden, sie bleibt in Deutschland nach wie vor kritisch. Natürlich ist es erfreulich, dass derzeit zum Beispiel Alice Merton international so durchstartet. Aber viele weitere gab und gibt es nicht. Nena, Doro Pesch, Nina Hagen. Sie waren einmal die deutschen Exportschlager und seitdem hat sich leider nicht viel getan. Ich beziehe mich hier ausschließlich auf die Pop-Musik.

Zuletzt stellte ich folgende Frage in meiner Facebook-Bubble, in der sich im Übrigen viele Menschen aus dem Musik-Biz befinden. Ich lade euch ein, hier noch weitere Beispiele zu nennen:

To be continued…


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