Das Festival für zeitgenössiche iranische Kunst und Kultur „Wundern Über Tanawo„, wird in dieser Woche ein Debut in Hamburg feiern. Das multidisziplinäre Festival wurde von den beiden Kurator_innen Raphaela Rößler und Sören Faika initiiert.

Mich erstaunte diese Konstellation und bei einem Telefongespräch mit Sören, fragte ich ihn, wie er denn zu solch einem Nischen-Thema als nicht gebürtiger Iraner käme? Durch sein Iranistik-Studium sei er mit der iranischen Kultur und Sprache in Berührung gekommen. Eigentlich hatte er zu Beginn des Studiums keine Ahnung vom Land und Leute gehabt. Er habe eigentlich nur nach einer Herausforderung gesucht, bei der er eine neue Sprache erlernen musste.

Auch der Journalist und Fernsehmoderator Michel Abdollahi studierte gemeinsam mit Sören Iranistik. Für eine seiner bekanntesten Reportagen „Im Nazidorf“, die er für „Panorama – Die Reporter“ drehte, verbrachte Abdollahimit mit einem Kamerateam einen Monat im Nazidorf Jamel in Mecklenburg-Vorpommern. (Hier zu sehen)

Womit wir auch beim Kern von Michels kulturelles Augenmerk wären: Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Ewiggestrige. Diesen Menschen hält er auf gekonnter Weise smarte Argumente vor und begegnet Ihnen mit Fragen.

Michel wird das Festival am Donnerstag, den 15.3. in der Elbphilharmonie eröffnen sowie weitere Veranstaltungen an anderen Tagen moderieren. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Michel Abdollahi
Michel Abdollahi, Foto: Asja Caspari

Michel Abdollahi im Interview

Gibt es Dinge worüber du dich noch wunderst?

Ich wundere mich darüber wie viel Ignoranz und Ausgrenzung es noch gibt. Wie viel Wut und Hass. Wir leben in so einem schönen Land, das den Menschen so unendlich viele Möglichkeiten bietet sich selbst zu verwirklichen. Völlig gleich, wo man herkommt und was man verdient. Wirklich jeder hat die Chance etwas aus sich zu machen! Und dann fordert die öffentliche Debatte, die „Abgehängten“ nicht zu vergessen, also die, die den Rückschritt wollen, die die Angst vor allem Neuen haben, die Rassisten, Frauenfeine, die Ewiggestrigen. Oder man könnte sagen, dass die „Abgehängten“ vielleicht gerade deshalb abgehängt wurden, weil sie nichts anderes drauf haben, statt zu meckern und sich zu beschweren und deshalb zu recht abgehängt wurden. Also sollten wir sie weiter abhängen!

Was hat dich überzeugt bei „Wundern über Tanawo’“ mitzumachen?

Ich finde es sehr cool, dass meine ehemaligen Kommilitonen sich dem Iran so verbunden fühlen, dass sie ein unabhängiges Kulturfestival auf die Beine stellen, um die moderne Schönheit des Iran zu zeigen. Mich hat die Offenheit des Konzepts überzeugt, aber vorwiegend die Tatsache, dass es Menschen gibt, die den künstlerischen Iran zeigen möchten, in all seiner Vielfalt und seiner Unangepasstheit.

Auf welche/n Künstler_innen freust du dich am meisten oder bist am meisten gespannt?

Am meisten freue mich auf iranische Musik in der Elbphilharmonie. Der kleine Saal ein wirklich märchenhafter Ort mit einer unglaublichen Akustik. Er ist intim, zugleich aber unglaublich offen. Die Elbphilharmonie halt. Der perfekte Ort für moderne iranische Künstler.

Warum braucht Hamburg/Deutschland ein solches Festival?

Das braucht es nicht. Aber wie sagte Bundespräsident Weizsäcker so schön „Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überlebensfähigkeit sichert.“ Und dieser geistige Boden ist vielfältig. Menschen die Möglichkeit zu geben, zwischen dieser Vielfältigkeit zu wandern, macht „Wundern über Tanawo“ zu einem Mittler zwischen diesen Welten. Und Mittler brauchen wir heute mehr denn je.

Vielen Dank Michel!

Michel Abdollahi
Michel Abdollahi, Fotograf: Tim Bruening

Über Michel Abdollahi
Michel Abdollahi ist Conférencier, Fernsehmoderator, Journalist und Maler iranischer Herkunft aus Hamburg. Er wurde am 20. April 1981 in Teheran geboren. Seit 2000 ist er in der deutsprachigen und europäischen Poetry-Slam-Szene aktiv und gilt ihr als „Koryphäe“ (Hamburger Abendblatt). 2015 wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet, 2017 mit dem Gustaf-Gründgens-Preis.

Titelbild von Jakob Kriwat



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