Künstliche Intelligenz: Über Haltung, Arbeitsplätze und eine Gestaltungskultur (Podcast)

0

Kürzlich folgte ich der Einladung von Adobe, ihr wisst schon, die Werkzeugmacher der kreativen Leute. Die Reise ging nach London zum Gipfeltreffen, bei dem Adobe seine Marketing-Tools für Marketer vorstellte. Im Kern der Sache stand Adobe Sensei. Die künstliche Intelligenz, die hinter all den Adobe-Lösungen steht, stets lernt und Arbeitsprozesse erleichtern soll. Sensei ist Adobes Antwort auf die Digitalisierung der Industrie. Über das Thema Künstliche Intelligenz, kurz KI, habe ich auch mit Julian A. Kramer gesprochen. Er ist Chief Experience Ambassador bei Adobe und hat eine klare Haltung zum Thema Künstliche Intelligenz:

Haltung

Haltung. Darauf kommt es mehr denn je an. Stellung beziehen und weiter. Klingt einfacher als es ist? Ja vielleicht. Inspiriert von den 2 Tagen auf dem Summit 2018 in London und den interessanten Gesprächen vor Ort, möchte ich im folgenden meine Haltung gegenüber Künstliche Intelligenz hier zeigen.

Die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen sind da. Nicht erst seit gestern. Fortschritt und der Drang, sich mit Werkzeugen das Leben zu erleichtern, sind in der Geschichte der Menschheit tief verankert. Während wir voller Erstaunen auf die Natur und Lebewesen schauen, die mit uns diesen Planeten teilen, mussten wir immer wieder feststellen, dass uns einige Fähigkeiten fehlen, die den Alltag irgendwie funky machen würden. Fliegen, ein integriertes Echolot… die Liste der Lebewesen, die mindestens eine dieser Fähigkeiten haben ist lang.

Was der Mensch wirklich gut kann ist nachahmen, beobachten und tüfteln. Aber ich möchte hier keine anthropologische Erörterung beginnen. Vielmehr geht es mir darum zu zeigen, dass die Reise, auf der wir uns befinden, schon längst begonnen hat und wir unlängst ein Teil davon sind.

Auf meinen Reisen achte ich immer darauf, wie andere Länder und deren Menschen technische Änderungen annehmen und in ihrem Alltag umsetzen. Sei es die U-Bahn in Kopenhagen, die ohne einen Zugführer direkt vom Flughafen in die City fährt oder das Check-In-System der Fluggesellschaften, die mir mit ihren Apps auf Grund meines Reise- und Buchungsverhaltens, Tipps und Angebote geben, die meist durchaus nützlich sind. Und ja, ich habe auch einige Bonus-Karten.

Mir ist auch bewusst, dass persönliche Daten der Schlüssel zu individuellen Angeboten sind. Ich öffne mein Verhalten gegenüber einem Unternehmen, welches daraufhin näher an mich herantritt. Hier sind wir dann auch beim sensibelsten Punkt im Bereich der KI. Was passiert mit meinen Daten, wer hat Einsicht drauf und wie werden sie für – oder auch gegen mich ausgespielt?
Eins wird bei diesen Bedenken oftmals außer Acht gelassen: Roboter können ebenfalls Gesetze und Regeln lernen. Im Falle von Adobe werden externe Daten, die in den internen Datenkreislauf gespeist werden, zunächst rechtlich dahingehend geprüft, ob ihre Nutzung erlaubt ist oder nicht. Unternehmen, die nicht auf die Qualität ihrer Datenverarbeitung achten und Haltung gegenüber Missbrauch und ein nicht transparentes Vorgehen praktizieren, riskieren das Vertrauen des Kunden.

Huxley’s „Schöne neue Welt“

Lange Zeit sind wir in Deutschland argumentativ in einen Science-Fiction-Diskurs à la Aldous Huxley’s „Schöne neue Welt“ verfallen. Diese Diskurse und Bedenken haben in der breiten Bevölkerung weniger aufgeklärt, als für mehr Angst und Unsicherheit gesorgt. In meinen Augen müssen wir – Journalisten, Blogger und Netzpolitiker – diese großen technischen Neuerungen und wichtigen Themen einem breiten Publikum, welches oft mangels tiefem Verständnis verunsichert ist, beim einordnen helfen, indem wir zunächst Übersetzungsarbeit leisten, so dass man eine Chance hat gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten.

Die Skepsis gegenüber der Digitalisierung der Industrie (Industrie 4.0), also der weiteren Vernetzung von Maschinen durch Software, die derzeit die Runde macht, beruht meist auf der Annahme, dass gerade einfache Arbeiten wegfallen. Das macht Angst und verschafft Unsicherheiten. Gerade, wenn ich in einem Sektor arbeite, von dem ich weiß, dass dieser eines Tages ersetzt werden wird. Welche Chancen habe ich? Wie werde ich vom Arbeitsmarkt aufgefangen? Hier sehe ich für Journalisten die Chance Möglichkeiten aufzuzeigen, wie es weiter gehen kann. Vielleicht haben andere Kulturen eine Lösungen, die wir noch nicht erahnen.

Alles neu erleben. Jeden Tag

Meine persönliche Antwort: Am Ball bleiben, sich die Technik zu Nutze machen und mutig sein wieder zu träumen und Ideen zu haben. Kreativität ist der Schlüssel. Wer bereits jetzt immer wiederkehrende Prozesse in seinem Arbeitsablauf hat und als Verwalter von festgelegten Strukturen agiert, sollte damit rechnen, dass genau hier Roboter den Einsatz übernehmen werden. Lebenslanges Lernen, den Kontakt zum inneren Kind nie verlieren. Ausprobieren und nicht aus Angst vor dem möglichen Ertrinken erst gar nicht das Schwimmen lernen.

Imho zeichnet sich diese Unsicherheit und Technik-Angst in der aufgeladenen politischen Stimmung in Deutschland wider. Gefangen in einem Trauma, ein schwarzes Loch in der Geschichte der Menschheit, was Deutschland einst auf der Landkarte und im Leben der Menschen hinterlassen hat und der fehlende Mut dieses Trauma anzunehmen und die Erneuerungen und dem Fortschritt zu umarmen. Die Moderne und der technologische Fortschritt sind unlängst da und sie sind gekommen um zu bleiben. Es liegt nur an unserer Gesellschaft, wie wir damit umgehen.

KI kann uns in der Tat helfen, den Übergang in eine bessere Gesellschaft zu vollbringen. Wir benötigen eine Gestaltungskultur, die gemeinsam mit der Empörungskultur auf gleicher Augenhöhe steht.


Flipboard
Folge uns auf Flipboard @Blogrebellen

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.